Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Piano-Queen Jennifer Rüth im Gespräch

Jennifer Rüth (rechts) und Ming: Queenz of Piano.
Jennifer Rüth (rechts) und Ming: Queenz of Piano.

Die Fusion von Klassischer Klaviermusik und Klassikern der Rockmusik versprechen die Queenz of Piano. Gereon Hoffmann sprach mit Piano-Queen Jennifer Rüth.

Frau Rüth, was machen Sie mit den Queenz of Piano bei den Konzerten in Ludwigshafen?
Wir spielen im Duo an zwei Flügeln unser Programm „Classical Music that rocks“. Wir verweben Stücke aus der Klassik mit Elementen aus der Popmusik – zum Beispiel die d-Moll- Toccata von Bach mit „Thunderstruck“ von AC/DC. Aber auch unsere eigenen Kompositionen und Stücke mit Gesang stehen auf dem Programm.

Wie ist das Konzept entstanden?
Das Duo entstand vor zehn Jahren. Wir haben beide Klavier studiert und die Klassik liegt uns sehr am Herzen. Ming hat früher in einer Punk-Band E-Bass gespielt und war mit SEED und Jocelyn B. Smith auf Tour. Ich habe Jazzgesang studiert und mit Chris de Burgh und Ronan Keating gespielt. Mit dem Duo verbinden wir unsere Erfahrungen aus der Klassik und der Popmusik. Und das ist in unserem Album, das wir 2019 gemeinsam mit den Produzenten Mousse T. und Rene Möckel produziert haben auch zu hören.

In ihrem Trailer zur Tour ist auch Akrobatik dabei, allerdings kann ich mir das im Feierabendhaus nicht so richtig vorstellen?
Im Vergleich zu früher sind wir weniger „klamaukig“. (lacht) Aber das Publikum wird trotzdem Spaß haben, es gibt viele unterhaltsame Elemente. Wir moderieren das Programm selbst. So erfährt man viel über uns und die Stücke. Aber wenn wir das Nocturne von Chopin mit „Shape of my Heart“ von Sting verbinden, wird es auch mal ruhig und andächtig.

Zu diesem Klassik-Rock Cross-over – was steckt dahinter? Ist das eine Marketing-Idee, um mehr Publikum zu erreichen?
Zuerst kommt es daher, dass wir beide einfach Bock drauf haben. Wir spielen Stücke, mit denen wir aufgewachsen sind, wie „Smells like Teen Spirit“ oder „Viva la Vida“. Die reichern wir mit klassischen Elementen an. Zuerst war also die musikalische Idee da und damit haben wir ein eigenes Publikum gefunden. Vielleicht weniger die Klassikpuristen, als Menschen, die einfach Lust auf eine Klaviershow haben. Und es kommt auch vor, dass Menschen nach dem Konzert kommen und fragen, welches Stück wir mit der Toccata von Bach kombiniert haben und lernen so Thunderstruck von AC/DC kennen. Es funktioniert, aber in beide Richtungen. Die Leute, die wegen AC/DC kommen, entdecken Bachs Toccata.

Können Sie was zum Ablauf des Ludwigshafener Konzerts sagen?
Wir spielen zuerst pure klassische Klaviermusik. Damit machen wir auch klar, dass wir kein Geplänkel machen, sondern richtig Klavierspielen können. Dann spielen wir Mozarts Türkischen Marsch für zwei Klaviere. In unserem Arrangement von Beethovens „Ode an de Freude“ und Pharrell Williams „Happy“ verschmilzt die deutsche Lebensfreude mit der amerikanischen. Eigene Kompositionen, die wir auch mit Gesang präsentieren, geben dem Programm die eigene Note.

Mit dem „Smells like Teen Spirit“ tue ich mir schwer, denn ich verbinde damit Kurt Cobain, können Sie das nachvollziehen?
Ja, wenn man das Stück so kennt, wie er es mit Nirvana gespielt hat und man damit etwas verbindet – sicher. Unsere Version greift das Thema erst als Ballade auf, bevor es dann in den Groove des Originals übergeht. Als Ballade berührt mich das Stück auf eine ganze eigene Art und Weise, indem es diese Traurigkeit ausdrückt. Im rockigen Grooveteil kommt dann die Kraft und das Ungestüme des Songs wieder auf.

Ich meinte eher den Inhalt des Stücks und das Schicksal des Künstlers – aber das denken die Klassiker auf der anderen Seite sicher auch. Wenn man Cross-over macht, bekommt man da Kritik von beiden Seiten?
Gerade in Deutschland wird Cross-over oft mit Misstrauen gesehen. Die einen kritisieren, dass man als Musiker sich nicht entscheiden könne, die anderen sagen, dass man nur kommerzielle Gründe habe, oder dass man von Rock und Klassik jeweils etwas herauspicke und gefällig mache.

Das habe ich mal David Garrett vorgeworfen und er meinte dann, „aber ich mache die SAP-Arena voll, da mache ich doch was richtig.“ Was sagen Sie dazu?
Naja, manche denken halt, Hauptsache die Leute kommen und vielleicht ist dem die Musik auch untergeordnet. Aber bei uns sehe ich das nicht so. Wir überlegen im Vorfeld genau, welche Stücke musikalisch Sinn ergeben und sich gut für unsere Besetzung arrangieren lassen. Der Vorwurf, seicht zu sein, um möglichst viel Publikum zu ködern, trifft uns deshalb nicht. Wenn die Sachen zu simpel werden, verwerfen wir sie. Wir kämen uns ja selber doof vor, wenn wir sowas spielen würden.

Noch zu Ihnen: Sie haben nicht nur klassisches Piano, sondern auch Jazzgesang studiert, haben auch in diesem Genre Ensembles und Projekte. Wie passt das zusammen?
Ich habe bei Salut Salon gespielt und war mit dem Jazzensemble Rebop unterwegs. Das ist musikalisch oft sehr verschieden gewesen, aber sehr bereichernd. Ich nehme den Jazzgesang auch in unserem Queenz of Piano Programm mit auf. Da wird auch in Ludwigshafen etwas zu hören sein.

Zur Person

Jennifer Rüth wurde 1980 in Würzburg geboren. Mit 16 Jahren wurde sie dort Jungstudentin am Konservatorium und absolvierte nach dem Abitur ein klassisches Klavierstudium dort und in Tarragona/Spanien. Den Aufbaustudiengang Klavierduo in Rostock schloss sie mit Bestnote ab. Danach studierte sie Jazzgesang in Stuttgart und München und am Berklee College of Music in Boston in den USA. Als Pianistin hat sie mehrere Solo- und Kammermusik-Wettbewerbe gewonnen. Sie begleitete die Popmusiker Chris de Burgh und Ronan Keating und spielte bei dem Quartett Salut Salon. Mit Rebop hat sie eine eigene Jazzformation. Ihre Duo-Partnerin Ming galt als Wunderkind am Klavier und ist ebenfalls in Klassik und Pop aktiv.

Termine

Freitag, 27. und Samstag 28. Januar jeweils 20 Uhr im BASF Feierabendhaus, Leuschner Straße 47 in Ludwigshafen.

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