Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Oggersheim: Mit welcher Motivation Frederik Spörl die Leitung der Polizeiwache übernimmt

Chef von zwei Dutzend Mitarbeitern: Frederik Spörl vor der Polizeiwache am Schillerplatz.
Chef von zwei Dutzend Mitarbeitern: Frederik Spörl vor der Polizeiwache am Schillerplatz.

Anfang Dezember hat Frederik Spörl die Leitung der Polizeiwache in Oggersheim von Martin Baumann übernommen. Mit welchen Vorstellungen und Einstellungen der 41-Jährige diese Führungsaufgabe anpackt, darüber hat der Polizeihauptkommissar mit Andreas Lang gesprochen.

Herr Spörl, zwischen Ihrem Wohnort und Ihrem neuen Arbeitsort liegen geografisch zwar nur 20 Kilometer. Gefühlt liegt aber eine Welt dazwischen. Was verbindet einen Schifferstadter mit Oggersheim?
Der Ort ist mir seit meiner Kindheit ein Begriff. Ohne Werbung für die hiesige Geschäftswelt machen zu wollen, habe auch ich mir, wie so viele Jungs, an der Scheibe eines besonderen Ladens schon als Kind eines eisenbahnverliebten Vaters die Nase plattgedrückt.

Ihr neuer Schreibtisch am Schillerplatz steht keine 100 Meter entfernt von diesem Spielwaren- und Modelleisenbahngeschäft Werst. Die Einsätze von wie vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern steuern Sie von dort aus?
Aktuell besteht die Polizeiwache Oggersheim, die für die Sicherheit von rund 32.000 Menschen in diesem Stadtteil und im benachbarten Ruchheim zuständig ist, aus rund 25 Mitarbeitenden inklusive mir. Das sind im Wesentlichen Beamtinnen und Beamte im Polizeieinsatz, aber auch Verwaltungsangestellte.

Eine Polizeiwache als Untereinheit einer Polizeiinspektion ist eine Rarität in der Region und nur noch aus dem benachbarten Maxdorf bekannt. Macht dieses familiäre Umfeld den besonderen Reiz für Ihre erste „richtige“ Leitungsfunktion aus?
Ich wollte mich weiterentwickeln und heimatverbunden bleiben. Das lässt sich in Oggersheim optimal kombinieren.

Steigt damit die Hoffnung, dass Sie Oggersheim beruflich auf längere Sicht treu bleiben? Den Lehrjahren in Schifferstadt haben sich ja Wanderjahre in Frankenthal, Ludwigshafen, Neustadt und dann wieder in Schifferstadt angeschlossen.
Ich bin gekommen, um zu bleiben, zumindest mittelfristig. Meine vorherigen Tätigkeiten, unter anderem als Vize-Dienstgruppenleiter, im Führungsstab und in der Leitung der Kriminalinspektion Neustadt, waren eine gute Vorbereitung für die Führungsaufgabe, die ich nun übertragen bekommen habe.

Soweit Sie es nach den ersten Wochen einschätzen können: Ist eine Polizeiwache, die an den Randzeiten nicht besetzt ist, angemessen und ausreichend für den größten Stadtteil Ludwigshafens? Der Wunsch nach einer personellen Besetzung rund um die Uhr wird ja periodisch vorgetragen.
Die Wache ist unter der Woche von 7 bis 22 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr besetzt. Das deckt schon mal einen Großteil der Woche ab. Davor und danach übernehmen die Kolleginnen und Kollegen der Polizeiinspektion in Oppau, der wir organisatorisch angegliedert sind. Insbesondere zu den ereignisstarken Zeiten, sind wir so für die Bürgerinnen und Bürger in beiden Stadtteilen schnell und unkompliziert erreichbar. Erste Bürgergespräche bestätigen meinen Eindruck, dass damit eine ausreichende Polizeipräsenz gewährleistet wird.

Mit welcher Agenda gehen Sie Ihre neue Aufgabe an?
Ich bin noch mitten drin, mir einen Überblick zu verschaffen. Dabei hilft mir mein Team, das ich als offen, bunt und engagiert erlebe. Das macht den Start zu einer positiven Erfahrung.

Bei der Amtsübergabe von Kriminalhauptkommissar Martin Baumann an Sie Anfang Dezember im Polizeipräsidium ist wiederholt die Herzlichkeit und Verbundenheit der Vorderpfälzer Polizeifamilie auch auf der mittleren Führungsebene zum Ausdruck gekommen. Welchen Polizeifamilienvater wollen Sie in Oggersheim abgeben?
Ich werbe dafür, eine offene Fehlerkultur zu leben. Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler, auch bei der Polizei. Dazu sollte jeder und jede offen stehen – und es beim nächsten Mal besser machen.

Für das neue Imageplakat haben Polizeikräfte aus der Oggersheimer Wache posiert.
Für das neue Imageplakat haben Polizeikräfte aus der Oggersheimer Wache posiert.

Sind bei der Oggersheimer Polizei in der Vergangenheit gravierende Fehler gemacht worden?
Im Jahr werden durchschnittlich 1500 Straftaten und 1000 Verkehrsunfälle bearbeitet. Dazu kommen eine Menge anderer Hilfeersuchen. Womöglich kann nicht jeder Fall zur vollsten Zufriedenheit für die betroffenen Personen abgeschlossen werden, aber ich bin überzeugt davon, dass jeder Mitarbeitende zu jeder Zeit sein Bestes gibt. Gravierende Versäumnisse kann ich keine erkennen.

Die Erwartungshaltung der Bürger hat sich gewandelt, der Respekt, der Ordnungskräften entgegengebracht wird, lässt zu wünschen übrig. Wie stellen Sie sich und Ihr Team darauf ein?
Wir verstehen uns als Bürgerpolizei. Wir suchen die Nähe zum Bürger, und das wird in den allermeisten Fällen auch dankbar registriert. Dieses gegenseitige Vertrauen ist beispielsweise die Grundlage dafür, dass wir auf unsere Zeugenaufrufe Rückmeldungen erhalten, die wiederum zur Aufklärung von Straftaten führen. Oder dass Menschen in Not mit ihrer Bitte um Hilfe zu uns kommen. Viele wenden sich zum ersten Mal in ihrem Leben in einer Extremsituation an die Polizei. Eine zugewandte und verständnisvolle Einstellung schafft da ein ganz anderes Gesprächsklima.

Wie viel Verständnis bringen Sie auf für Menschen, die verständnislos auf Polizeipräsenz reagieren?
Unser Auftrag ist es, Neutralität zu wahren und deeskalierend zu reagieren. Zu differenzieren und sich zurückzunehmen, ist Teil unserer Schulungen und Weiterbildungen. Unser Ziel ist es auch, durch Kommunikation Verständnis für unsere Maßnahmen zu schaffen. In den allermeisten Fällen können zunächst aufgeheizte Situationen so schnell befriedet werden. Eine Grenze ist allerdings überschritten, wenn strafbares Verhalten vorliegt. Insbesondere gewalttätige Übergriffe müssen konsequent verfolgt werden.

Wie oft bedanken sich Menschen für Ihren Dienst?
Das erlebe ich persönlich tatsächlich häufiger und freue mich darüber. Menschen in schwierigen Situationen zu begleiten und zu unterstützen, ist für viele Polizeikräfte ein wesentlicher Teil der Motivation, diesen Beruf zu wählen. Da geht es mir nicht anders.

Ihr Vorgänger hat in seiner Rede bei der Amtsübergabe gestreift, wie wichtig ihm die Bekämpfung von strukturellem Rassismus ist. Er hat für ein Leitbild geworben, in dem Verdächtige nicht einseitig oder vorschnell nach ihrer Hautfarbe oder ihrem Aussehen beurteilt werden. Stehen Sie in dieser Tradition?
Auch ich lege hohen Wert auf Toleranz und Offenheit. Rassismus hat nicht nur in der Polizei nichts zu suchen. Ich sehe, welche Bereicherung verschiedene kulturelle Hintergründe haben. Es ist doch für beide Seiten hilfreich, wenn man sich gegebenenfalls in einer anderen Sprache verständigen oder kulturelle Eigenheiten einordnen kann.

Die ersten Termine in Ihrem Sprengel haben Sie absolviert, Sie haben die bunten Neujahrsempfänge in Oggersheim und Ruchheim besucht. Wo wird die Präsenz des Neuen an der Spitze der Oggersheimer Polizeiwache als Nächstes sichtbar werden?
Ich bin noch in der Einarbeitung, schaue mir mögliche Schwerpunkte an. Ich werde nicht aufs Geratewohl Initiativen starten, sondern gezielt Projekte anstoßen und ansonsten die erfolgreiche Arbeit der Kolleginnen und Kollegen weiter unterstützen.

Sind Sie über 20 Jahren im Dienst immer noch gerne Polizist?
Ich habe 2006 als Streifenpolizist in Schifferstadt begonnen und bin in der heutigen Funktion noch genauso froh, Polizist zu sein. Ich habe einen krisensicheren Job, der in seiner Vielfalt nichts von seinem Reiz verloren hat.

Zur Person

Polizeihauptkommissar Frederik Spörl (41) lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Schifferstadt. Nach Anfangsjahren bei der dortigen Bereitschaftspolizei und der Polizeiinspektion Frankenthal wurde er auch im Führungsstab des Polizeipräsidiums Rheinpfalz in der Wittelsbachstraße und in der Kriminalinspektion Neustadt eingesetzt. Vor seinem Wechsel an den Schillerplatz hat Spörl die Ermittlungsführung in der für den Süden Ludwigshafens zuständigen Polizeiinspektion 1 geleitet. Der leidensfähige und leidenschaftliche FCK-Fan fährt im Winter gerne Ski und betreibt im Sommer Wassersport.

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