Ludwigshafen
Ludwigshafen: Redaktion vor Ort im Hemshof – Nette Bewohner ärgern sich über Schmutz
Natürlich gibt es etliche Probleme, die Bewohner des Hemshofs mächtig ärgern. Das ist auch am Dienstag bei der „Redaktion vor Ort“ am Goerdelerplatz deutlich geworden. Sogar von einem zweiten „Metropol“ war die Rede.
Bei dieser Frage muss Wilhelm Köstler nicht lange überlegen. Was ist denn eigentlich schön am Hemshof? „Die Menschen, die hier leben. Ich fühle mich wohl“, sagt der 78-Jährige. Mit der Aussage hat er offenbar den Nagel auf den Kopf getroffen. Denn die zwei Stunden am RHEINPFALZ-Stand zeigen ein Muster: Der Umgang der Menschen miteinander ist herzlich und freundlich.
Dazu passt auch der Besuch von Reinhold (73) und Heidi (69) Knoblauch. Beide sind mit dem Bus aus Dannstadt-Schauernheim angereist. „Ich bin im Hemshof geboren. Wir dachten, wir kommen mal vorbei. Vielleicht treffen wir mal jemand zum Plaudern“, sagt Reinhold Knoblauch. Er schwärmt von seiner Kindheit und Jugend hier im Viertel. „Das war toll, es war immer was los.“ Später hat er mit seiner Frau ein Geschäft für Haushalts- und Eisenwaren betrieben – bis 2003, direkt gegenüber von Tor 7 der BASF. Das Ehepaar kommt noch heute immer mal wieder in den Hemshof, schaut sich um und sieht nach, was aus dem ehemaligen Laden geworden ist. Und tatsächlich treffen die beiden auf einen alten Bekannten: den Friesenheimer Winfried Holfelder (73). Wie viele BASFler hat er oft im Laden der Knoblauchs eingekauft. Sie erkennen sich sofort wieder. „Der Kaffeefilter von Ihnen funktioniert immer noch“, betont Holfelder lobend. Den Friesenheimer stört ansonsten vor allem der Schmutz in der Stadt. „Etwa an den Bushaltestellen. Warum liegen Kippen rum? Die kann man doch an den Abfalleimern ausdrücken“, nennt er ein Beispiel.
Rattenplage ärgert Anwohner
Wilhelm Köstler benennt zwei Ärgernisse: Zum einen kann er nicht nachvollziehen, dass die Postbank in ihrer Filiale in der Hohenzollernstraße den defekten Geldautomat und Kontoauszugsdrucker nicht repariert. „Vor allem für ältere Kunden ist das eine Zumutung, die müssen nun in die Stadt.“ Zum anderen ärgert ihn der Zustand des Innenhofs eines Wohnblocks des Unternehmens Vonovia: „Da steht alles voller Müll, aber keiner räumt auf.“ Die Stadt sagt, sie könne da nichts machen, da es Privatgelände sei. Helga Stütz (77) stört sich neben dem achtlos abgestellten Müll vor allem über die Rattenplage im Hemshof: „Ich kann denen vom Fenster aus beim Spazierengehen zusehen.“ Diese Beobachtung teilt Sigrid Schwiede (66). Die Ursache seien eben die vielen Müllberge. Die Bürger seien gefragt, mehr auf Sauberkeit und Hygiene im Viertel zu achten. Daher fällt auch ihre Bewertung der Mängelmelder-App der Stadt zweischneidig aus. „An sich ist das ja eine gute Sache, aber es ist keine Ursachenbekämpfung“, meint Schwiede. Ihrer Meinung nach müssten Müllsünder konsequent bestraft werden, damit die Situation besser wird.
Hans-Uwe Schmidt (59) stellt die Frage, ob es noch sinnvoll sei, größere Areale des Goerdelerplatzes fürs Parken zu sperren, da der Markt inzwischen so mickrig sei. Ein „Unding“ sei, dass der Radweg entlang des Platzes nicht mehr auf dem rot markierten Bereich verlaufe, sondern auf die Straße geführt werde. Das sei gefährlich und sorge für Konflikte. Roswitha Minges (64) stört sich zudem an der „Bequemlichkeit vieler Autofahrer“, die beim Parken auch die Rad- und Gehwege zustellen. Als nicht hinnehmbar bezeichnet sie zudem die Situation etwa in der Bergmannstraße. „Da ist alles ganz eng zugeparkt, da kommt die Müllabfuhr nicht durch, die Feuerwehr im Zweifel auch nicht“, bemängelt sie. In der Kolonie am Gartenweg sorgten leerstehende Häuser und eine abgerissene Garagenzeile „für ein verlottertes Erscheinungsbild“. Die geplante Bebauung und Nutzung lasse auf sich warten. „Das ist unser ,Metropol’ im Hemshof“, sagt Minges lachend.
Extra aus der Gartenstatdt (Niederfeldsiedlung) ist Monika Rank (71) gekommen. Sie möchte ein Ärgernis loswerden: „In der Damaschkestraße fahren Anwohner über die Rasenfläche in der Mitte und nicht außen herum. Das darf man nicht dulden.“
Die Entwicklung des Markts stimmt viele traurig
Was mehrere Besucher der „Redaktion vor Ort“ traurig stimmt: die Entwicklung des Wochenmarkts am Goerdelerplatz. Am Dienstag ist neben einem Hähnchen-Grillwagen nur eine Marktfrau aus Schifferstadt da, die Obst und Gemüse anbietet. „Donnerstags und samstags ist noch etwas mehr los“, sagt sie. Auch Friedrich Bauer, der bei der Marketinggesellschaft Lukom für die Wochenmärkte zuständig ist, bekennt: „Das tut schon weh. Vor allem, wenn man weiß, wie es früher ausgesehen hat.“ Aber es sei ganz schwierig, Nachwuchs für Wochenmärkte zu gewinnen. „Es schwächelt überall“, sagt Bauer. Supermärkte und Discounter hätten die Wochenmärkte als „Orte der Nahversorgung verdrängt“.