Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ludwigshafen: Der bisherige und der neue Direktor des Heinrich-Pesch-Hauses im Interview

Johann Spermann (links) und Tobias Zimmermann im Gespräch
Johann Spermann (links) und Tobias Zimmermann im Gespräch Foto: KUNZ

Pater Johann Spermann, Direktor des Heinrich-Pesch-Hauses, verlässt die Einrichtung Ende des Monats. Sein Nachfolger ist Pater Tobias Zimmermann. Beim gemeinsamen Interview treffen zwei langjährige Freunde aufeinander. Ein Gespräch über den Weg aus der Krise, über Herzensprojekte, Wanderschaft und die Vorzüge des Ludwigshafener Bürgerbüros.

Eine Siedlung für bis zu 1500 Menschen, ein Zuhause für Familien und Rentner, für Flüchtlinge und Akademiker – das alles soll die Heinrich-Pesch-Siedlung werden. Herr Spermann, wie traurig sind Sie, den Erstbezug – geplant 2021 – nicht mehr im Amt miterleben zu können?
Spermann: Wollen Sie mich zum Weinen bringen?

Keinesfalls.
Spermann: Aber danach ist mir schon ein bisschen zumute. Das ist ein echtes Herzensprojekt.

Was ist das Tolle, das Besondere an der Pesch-Siedlung?
Spermann: Unser Orden hat das Motto „Glaube und Gerechtigkeit“. Das hat mich vor knapp 30 Jahren bewogen, in den Orden einzutreten. Es geht darum, dass nicht irgendeine abgehobene Religiosität im Mittelpunkt steht. Glaube darf nicht losgelöst von den Menschen sein, sondern muss die Frage stellen: Wie kann man dafür sorgen, dass Menschen gut leben? In der Siedlung sollen ganz unterschiedliche Leute miteinander ins Gespräch kommen.

Wenn man in den vergangenen Wochen gefragt hat, warum Pater Spermann geht, hieß es immer: „Jesuiten sind Wanderer“. Was bedeutet das und warum verlassen Sie gerade jetzt Ludwigshafen?
Spermann: Das ist typisch für den Jesuitenorden. Wir haben keine Klöster, wir haben keine Ordenskleidung, uns verbinden Ideen und Werte. Wir bleiben nicht zu lange an einem Ort, weil man sich dort ja auch selber verändert. Wir ziehen dann weiter und überlegen: Was sind meine ursprünglichen Werte und Ideale?

Und warum gerade jetzt?
Spermann: Wir stehen aktuell vor einer großen Umstrukturierung. Die deutsche Provinz der Jesuiten wird aufgelöst und gemeinsam mit weiteren Nachbarländern entsteht eine neue Provinz. Meine Aufgabe ist es nun, die Verwaltung darauf vorzubereiten. Ich bin dann von München aus Finanzchef dieser Provinz. Das Schöne ist, dass dazu auch das Controlling solcher Institutionen wie dieser hier gehört (blickt lachend zu Pater Zimmermann).

Sie beide verstehen sich sehr gut. Woher kennen Sie sich?
Zimmermann: Wir sind im selben Jahr in den Orden eingetreten.

Spermann: Wir haben gemeinsame Interessen. Und eins dieser Interessen ist Bildung als Persönlichkeitsbildung. In einer Gesellschaft, in der Bildung häufig als Kompetenzerwerb verstanden wird, haben wir als Jesuiten immer eine andere Philosophie vertreten. Es geht darum, Menschen so auszubilden, dass sie Hirn und Herz und Bauch zusammenbringen.

Ihre Zeit am Pesch-Haus war ein Auf und Ab. Als Sie anfingen, ging es dem Haus nicht gut. Seine Zukunft stand auf der Kippe. Sind Sie mit einem Rettungs-Auftrag hierher gekommen?
Spermann: Ich war schon überrascht über das Ausmaß der Herausforderung. Darüber, dass es wirklich um eine existenzielle Krise ging. Gleichzeitig kann ich verstehen, dass die Diözese die Zuschüsse reduziert hat, zumal es ihr damals selbst nicht so gut ging. Nach meinen ersten zwei Wochen kam diese Nachricht. Ich hatte vorher in die Bücher geschaut und gesehen: So geht es nicht weiter. Ich war ziemlich betrübt, habe mir einen Kaffee geholt und dabei auf dem Gang einen Referenten getroffen. Der fragte, warum wir so traurig schauen. Ich habe es ihm erzählt. Er lachte und sagte: „Prima. Die wollen, dass ihr arbeitet!“ Tatsächlich schadet es uns Kirchenleuten nicht, wenn man ressourcenorientiert arbeitet.

Sie haben gemeinsam mit Ihrem Team das Haus aus der Krise geholt. Aber wie sind Sie damals damit umgegangen – ganz persönlich? Wie viele schlaflose Nächte hatten Sie?
Spermann: Sehr viele. Wir werden allerdings vom Orden auch gut auf Stresssituationen vorbereitet. Das hat sich bewährt. Und ohne die Kooperation von Ulrike Gentner, Direktorin Bildung, der Hoteldirektorin Heidi Lueg-Walter und dem ganzen Team wäre das nicht gegangen.

Herr Zimmermann, Ludwigshafen ist Ihnen nicht ganz neu. Sie waren schon öfter hier.
Zimmermann: Ja, wobei ich es diesen Sommer über einfach genossen habe, die Stadt besser kennenzulernen. Ich freue mich auf Ludwigshafen. Und ich hatte eine nette Begegnung beim Bürgeramt.

Aha?
Zimmermann: Die erste Überraschung, wenn man aus Berlin kommt: Man kann hier einfach ins Bürgeramt gehen und kommt auch dran! Dann sagte der Mitarbeiter, der meinen Ausweis geändert hat: „Jetzt streichen wir das böse Berlin und lassen nur das schöne Ludwigshafen stehen.“ Da dachte ich: Eine Gegend mit Humor – das gefällt mir.

Was sind denn Ihre Ziele fürs Pesch-Haus?
Zimmermann: Ich bin Kunstpädagoge. Das heißt: Ich schaue mir die Dinge erstmal an und habe dann Lust, mit Leuten zusammen etwas zu entwickeln. Ich bin ein Teammensch.

Zur Person

Pater Johann Spermann

(52) hat in Würzburg Theologie, Philosophie und Diplompsychologie studiert. Dort war er anschließend als Studentenpfarrer tätig, hat außerdem ein Jahr in Australien gearbeitet und ist seit 2009 Leiter des Heinrich-Pesch-Hauses.

Pater Tobias Zimmermann (52) hat in München Philosophie, Theologie und Kunstpädagogik studiert. Er war später in der Jugendarbeit tätig, dann als Lehrer, Kunsterzieher und Schulseelsorger in Berlin. Dann war er Geschäftsführer am dortigen Canisius-Kolleg.

Bietet Seminare, Tagungen und im Hotel auch Zimmer zum Übernachten an: das Pesch-Haus zwischen West und Oggersheim (Frankenthale
Bietet Seminare, Tagungen und im Hotel auch Zimmer zum Übernachten an: das Pesch-Haus zwischen West und Oggersheim (Frankenthaler Straße 229). Foto: KUNZ
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