Fußball Lehrersportgemeinschaft: Idee einst gegen Widerstände verteidigt
Die beiden Jubiläumsspiele der LSG I und II gegen die AH des SC Bobenheim-Roxheim haben die Lehrer zwar verloren, aber die Entwicklung ist positiv. Die strukturellen Probleme, mit denen die LSG noch vor zehn Jahren zu kämpfen hatte und die mit dem Wandel der Zeit zu tun hatten, sind behoben. Die Lehrer, die in den 1990er-Jahren regelmäßig über 50 Partien pro Saison bestritten, einmal sogar auf über 70 Begegnungen im Jahr kamen, wurden älter und weniger. Die Folge: Die Anzahl der Spiele rutschte teilweise unter zehn. Ein Ende schien absehbar. „Doch seit einigen Jahren geht es wieder deutlich nach oben. In dieser Saison stehen wir schon bei über 50“, freut sich Thomas Mache, Spielführer und Chronist der LSG. Den Löwenanteil der Partien bestreiten die Lehrer auf Hallen- oder Feldturnieren, von denen sie 2025 zwei gewannen. Beim FSV Oggersheim und das AH-Turnier des Ludwigshafener SC zu dessen Jubiläum.
„Wir sind wieder jünger geworden und haben aktuell ein Durchschnittsalter von etwa 43 Jahren“, informiert Mache. Die ältesten Spieler sind Georg Schuhmacher (64), einst unter anderem Trainer bei Alemannia Maudach, und Mustafe „Bino“ Binakaj (79). Die beiden spielen auch in der Ü60-Spielgemeinschaft der FC Arminia und des LSC mit. Die LSG, die von Wolfgang Wilbert als Vorsitzendem und seinem Sohn Andreas als Stellvertreter geführt wird, trägt ihre Heimspiele auf der Bezirkssportanlage West aus und ist der FG Nord angeschlossen. Um die Homepage kümmert sich Frank Schwerdtfeger. „Auch der Trainingsbetrieb kann sich sehen lassen, denn die wöchentliche Einheit ist mit meist 16, 17 Aktiven gut besucht“, verdeutlicht der Kapitän.
Schwieriger Start
Die Hobbyfußballgruppe LSG würde es allerdings nicht mehr geben, wenn sie nicht immer wieder auf Gastspieler oder Söhne von Lehrern zurückgreifen könnte. So ist der 39-jährige, torgefährliche Mache zum Beispiel als Controller beschäftigt. Der nächste Schritt: Die LSG nimmt mittlerweile im Fußballkreis Rhein-Pfalz an der offiziellen Ü32-Kreispokalrunde des Südwestdeutschenfußballs teil und hat Spielerpässe. Die Lehrer verstehen aber nicht nur gut Fußball zu spielen, sie können auch feiern. So saßen nach dem Mini-Jubiläumsturnier auf der Bezirkssportanlage West rund 50 Menschen bei einem Grillfest an der Bliesschule zusammen und genossen den Tag.
Der Start der LSG war schwierig. Als im Frühjahr 1955 Horst Oskar Bayer mit Kollegen und dem Schulrat über die Gründung einer Lehrer-Fußballmannschaft sprach, erntete er nur Unverständnis und Kopfschütteln. Lehrer und Fußballspielen, das passe nicht zusammen, hieß es. Doch der inzwischen verstorbene Bayer ließ sich nicht beirren, setzte mit einigen Mitstreitern seine Idee in die Tat um. Am 21. Mai 1955 lief zum ersten Mal ein Team der Lehrersportgemeinschaft auf und verlor gegen Pauker aus Frankenthal mit 0:1. Vor 70 Jahren war nicht absehbar, wie lange die Verbindung der kickenden Pädagogen bestehen würde, ob die LSG eine Zukunft habe.
Über 2400 Spiele
Wichtigster Mann war Gründungsmitglied Otto Bog, der Bayer nach drei Jahren ablöste und die Leitung der Gruppe übernahm. Der 1996 verstorbene Bog war über Jahrzehnte der Organisator und Chef, bei dem die Fäden zusammenliefen. Von Joachim Lehmler übernahm Bog die Chronik, die heute ein mehrbändiges Werk darstellt und inzwischen von Mache gepflegt wird. Jedes der inzwischen über 2400 Spiele, die die LSG gegen knapp 400 Gegner ausgetragen hat, ist feinsäuberlich mit Datum, Gegner, Ergebnis, Aufstellung und Torschützen festgehalten. Viele Fotos machen die Bücher zu lebendigen Nachschlagewerken. Ludwig Kochner ist mit unglaublichen 1150 Partien der Rekordspieler.
Die Ludwigshafener Lehrer, die von Gymnasium bis Sonderschule an allen Schultypen unterrichten, trugen ihre Begegnungen nicht nur auf der Bezirkssportanlage West und zuvor auf dem Postsportplatz aus, sondern reisten auch viel. Berlin, Konstanz, Heilbronn oder Prag sind nur einige von vielen Stationen im In- und Ausland. Einer der Höhepunkte war ein Spiel gegen die Alten Herren von Bayern München. Übrigens: Die Auffassung von 1955, dass Lehrer und Fußballspielen nicht zusammenpassen, vertritt heute keiner mehr.