Dannstadt-Schauernheim RHEINPFALZ Plus Artikel Keine Mängel – doch Vereinsheim bleibt weiter geschlossen

Das Vereinsheim in der Friedenstraße war früher ein Schulgebäude.
Das Vereinsheim in der Friedenstraße war früher ein Schulgebäude.

Das Dannstadter Vereinsheim musste im Juni 2025 schließen. Als Grund nannte die Gemeinde gravierende Sicherheitsmängel. Daran gab es Zweifel. Zu Recht, wie nun herauskam.

Drei Ortsvereine nutzen das gemeindeeigene Gebäude in der Friedenstraße 21: die Arbeiterwohlfahrt, die Donaudeutsche Landsmannschaft und die Landfrauen. Auslöser der Schließung war ein anonymer Hinweis, der im Mai vergangenen Jahres bei der Gemeindeverwaltung eingegangen war. Wie Ortsbürgermeisterin Manuela Winkelmann (CDU) berichtet, habe diese Person sicherheitsrelevante Zustände im Vereinsheim bei einer Veranstaltung der Donaudeutschen Landsmannschaft wahrgenommen, als sie einen Besucher abholte. Moniert wurden unter anderem die Treppe zum Keller, zu kleine Fenster und der fehlende zweite Fluchtweg. Des Weiteren wurden Brandschutzmängel angedeutet.

Diese Hinweise habe die Gemeinde ernst genommen. „Das Gebäude lief viele Jahre unter unserem Radar“, beschreibt es Annette Roos-Seidenspinner, Leiterin des Fachbereichs Bauen. Soll meinen: Das Vereinsheim wird seit Jahrzehnten von den Vereinen genutzt und auch sehr gepflegt, wie sie betont. Die Gemeinde habe lediglich die Nebenkosten abgerechnet sowie umgelegt und sich um die Außenanlagen gekümmert. Und: „Alle drei bis fünf Jahre ist die vorgeschriebene Überprüfung der sogenannten ortsfesten Betriebsmittel durchgeführt worden“, erklärt Annette Roos-Seidenspinner – zuletzt 2022. Dabei habe die ortsansässige Elektrofirma von Thomas Dell auch die Elektrik des Gebäudes unter die Lupe genommen. Es wurden keine rechtlich relevanten Sicherheitsmängel festgestellt. Er sagt: „Doch schon damals habe ich empfohlen, den Stromzählerkasten auf den neuesten Stand zu bringen.“ Rechtlich notwendig sei das aber nicht gewesen.

Vorwurf: „erhöhte Gefährdung für Personen“

Nach den anonymen Hinweisen im vergangenen Jahr beschloss die Ortsgemeinde, die turnusmäßige Überprüfung vorzuziehen. Diese wurde ausgeschrieben, eine andere ortsansässige Elektrofirma habe den Zuschlag erhalten. „Der Bericht lag der Verwaltung am 17. Juni vor“, berichtet die Ortsbürgermeisterin. Es waren schlechte Nachrichten darin zu lesen: „Die derzeitige Anlage stellt eine erhöhte Gefährdung für Personen und Sachen dar. Korrosion an Leitungen kann zu Kontaktproblemen, Kurzschlüssen oder im schlimmsten Fall zu Bränden führen“. Für die Verwaltung habe es keine Alternative gegeben: „Wir beschlossen, das Vereinsheim sofort zu schließen“, sagt die Bürgermeisterin. Und zu dieser damaligen Entscheidung stehe sie auch weiterhin. Die Vereine waren sofort schriftlich informiert worden.

Als das Schreiben die Vereinsvertreter erreichte, „war das für uns ein Schockmoment“, berichtet die Vorsitzende der AWO Dannstadt-Schauernheim Ulrike Lösch-Schölles. Die Vereine standen von heute auf morgen vor den verschlossenen Türen ihrer Wirkungsstätte. Sie kritisierte unter anderem die Art und Weise der Kommunikation: „Es wurde nicht erklärt, worin die akute Gefährdung unserer Vereinsmitglieder bestand“, sagte sie. Auch habe es keine gemeinsame Begehung gegeben.

Sowohl die Bürgermeisterin als auch die Fachbereichsleiterin geben zu, dass die Kommunikation mit den Vereinen in dieser Sache nicht gut gewesen sei. „Aus heutiger Sicht wäre es besser gewesen, alle persönlich an einen Tisch zu holen und über die Schließung zu informieren“, sagt Manuela Winkelmann.

Plötzlich war das Heim geschlossen

An dem alten Gebäude, das in den 1930er-Jahren als Notschule errichtet wurde, würden viele Emotionen hängen, sagt die AWO-Vorsitzende. Die etwa 15 Aktiven hätten dort viele Feste und Veranstaltungen gefeiert. Auch habe man in das Haus investiert und es sauber und instandgehalten. „Das Vereinsheim ist für uns ein Ort der Begegnung, des Ehrenamts, der Gemeinschaft, der Identifikation“, erklärt Ulrike Lösch-Schölles.

Auch die etwa 25 Mitglieder des Ortsverbands Donaudeutsche Landsmannschaft haben das Vereinsheim liebgewonnen. Es war ihre Heimatstube, sagt der Vorsitzende Andreas Schmitz. „Die sofortige Schließung hat uns sehr überrascht.“ Er berichtet aber, dass die Gemeinde der Landsmannschaft sofort alternative Räume im Kulturhof Schrittmacher angeboten habe. Doch diese hätten sich für die Veranstaltungen, meist sind es gemeinsame Essen, leider nicht bewährt. Die AWO kann als Ausweichquartier Räume im Zentrum Alte Schule nutzen. Glücklich sei man damit aber nicht.

Elektriker: Schließung nicht nötig gewesen

Die Landfrauen hingegen sind mit den „sehr rasch“ zur Verfügung gestellten Ersatzräumen – hauptsächlich im Kulturhof Schrittmacher – zufrieden, erklärt deren Teamsprecherin, Heidemarie Gellweiler. Auch wenn so manche Bequemlichkeit nun wegfalle, sei die neue Situation dank der Unterstützung durch die Gemeindemitarbeiter „kein Problem“.

Hoffnung keimte nun Anfang dieses Jahres bei den Vereinen auf, weil der Gemeinderat Ende vergangenen Jahres beschlossen hatte, die Elektroinstallationen des Vereinsheims noch einmal auf Herz und Nieren zu prüfen. Dieser Auftrag erging nun wieder an die Elektrofirma Dell aus Schauernheim – mit überraschendem Ergebnis: „Die Elektrik stellt keine Gefahr dar“. Laut Thomas Dell liegen keine gravierenden Mängel vor, die Schließung wäre also diesbezüglich nicht notwendig gewesen. Auch seien die Leitungen nicht verrostet. Das, was wie Korrosion aussehe, seien altersbedingte Verfärbungen. Nach seinen Recherchen sei die Elektrik mit der Renovierung zwischen 1995 und 2000 erneuert worden. Damals habe noch nicht die Pflicht bestanden, zum Beispiel FI- oder Hauptleitungsschutzschalter zu verbauen. Eine Nachrüstpflicht bestünde ebenfalls nicht. Dennoch wiederholte Thomas Dell seine Empfehlung, die Stromzähleranlage zu erneuern.

Vereine fordern die sofortige Öffnung

Die AWO wie auch die Donaudeutsche Landsmannschaft fordern die sofortige Aufhebung der Schließung. Doch diese wird wohl vorerst nicht kommen. „Wir können die Tatsachen, dass die Elektrik nicht auf dem neuesten Stand ist und eine Erneuerung empfohlen wird, nicht ignorieren“, sagt die Bürgermeisterin. Außerdem soll nun auch der Brandschutz unter die Lupe genommen werden. „Wenn etwas passiert, stehen wir in der Verantwortung, vor allem vor dem Hintergrund der jetzigen Erkenntnisse“, sagt sie.

Wie es weitergeht, wird in der nächsten Bauausschusssitzung Thema sein. Es sollen mehrere Optionen besprochen werden. Eine erste Kostenschätzung für die Sanierung der Elektrik liege bei etwa 15.000 Euro. Um über konkrete Ausgaben zu beraten und zu entscheiden, müssen Angebote eingeholt werden. „Und wir müssen unsere Finanzsituation im Auge behalten“, sagt Manuela Winkelmann, denn bei einem defizitären Haushalt stehen freiwillige Ausgaben auch immer im Fokus der Kommunalaufsicht. Doch sie will optimistisch bleiben. Die AWO habe außerdem eine Beteiligung an den Kosten in Erwägung gezogen. Und eine gute Nachricht hat die Bürgermeisterin dann doch noch: „Möglich wäre, das Betretungsverbot schnell aufzuheben, ein Nutzungsverbot muss aber zunächst einmal bestehen bleiben.“

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