Ludwigshafen Hommage an Django Reinhardt

Schmitto Kling spielt Geige und singt und erinnert damit an seinen Schwager Schnuckenack Reinhardt. Auf das Museumsschiff hat der Künstler mit seinem Hot Club de Zigan nicht nur Jazz-Standards mitgebracht, sondern auch Lieder, die sein Schwager geliebt hat.
Schmitto Kling beginnt seine Auftritte stets mit einem Willkommenslied in der Sprache seines Volkes. Auch wenn man die Sprache nicht kennt, hat man doch den Eindruck von Herzlichkeit und Wärme, den die Musik vermittelt. Bei diesem traditionellen Lied war noch der Einfluss des Csárdás zu hören. Später sollte auch noch eine schöne Version der bekannten „Csárdás-Fürstin“ folgen. Aus dem Genre Operette stammte auch „Die Julischka aus Budapest“. Weiter ging es mit Jazz-Standards aus dem American Songbook. „How High the Moon“ und „All of Me“ sind Jazz-Stücke, die auch schon Django Reinhardt, der Gründer und Großmeister des Sinti-Jazz interpretiert hat. Mit dem „Minor Swing“ und der schönen Ballade „Nuages“ spielte das Ensemble auch zwei Originale des Meisters. Dessen Stil, dem akustischen Jazz, ist auch Schmitto Kling verpflichtet. Die Musiker, die ihn begleiten, haben schon mit dem verstorbenen Schnuckenack Reinhardt gespielt. Klings „Hot Club“ ist die Fortführung der Band. Typisch für den Stil und wichtig für den Groove ist „la pompe manouche“, der Schlag der Rhythmusgitarren. Forello Reinhardt, Schnuckenacks Sohn, spielt die typischen Akkorde in vier Vierteln. Zusammen mit dem Kontrabass von Jani Lehmann ergibt das den treibenden Rhythmus, der auch ohne Schlagzeug swingt. Etwas Besonderes ist das Klavier, das Helmut Weis spielt. Zu Django Reinhardts Hot Club gehörte es nicht, stattdessen gab es dort eine zweite Rhythmusgitarre. Aber Schmitto Kling spielt sehr gerne mit einem Klavier zusammen und hatte deshalb auch einige Duette im Programm. Eines kündigte er so an: „Das Stück gehört eigentlich nicht hierher. Es ist keine Zigeunermusik, denn es ist ein Schlager. Aber hören Sie mal, was der Zigeuner daraus macht!“ Dann spielte er mit Weis eine betörend schöne Version von „Memories“ aus dem Musical „Cats“. Klings Geige kann sprechen, singen, schluchzen, jubilieren, zwitschern und noch mehr. Die Vielfalt der Klänge und Ausdrucksformen, die er seinem Instrument entlockt, ist beeindruckend. Da versteht man, warum seine Leute ihn den „Zauberer“ nennen. Er hat einen eigenen Stil entwickelt, der sich mühelos zwischen alten Zigeunerweisen, Gypsy-Jazz und Operettenmelodien bewegt. Dazu kommt, dass er eine spürbare Herzlichkeit ausstrahlt, die sich in seiner Musik mitteilt. Öfter mal ging er beim Spielen zwischen die voll besetzten Sitzreihen auf dem Schiffsdeck, so dass die Zuhörer ihn hautnah erleben konnten. Schmitto Kling, 1946 geboren, hat das Geigenspiel und den Beruf des Geigenbauers von seinem Vater gelernt. Er begann schon als Kind die überlieferten Melodien zu spielen. 1971 gründete er sein eigenes Ensemble, den Hot Club de Zigan. Mit dieser Band ging er in Deutschland und Frankreich auf Tour und spielte mit anderen Musikern zusammen. Unter den Stars, die er begleitet hat, sind der Gitarrist Birelli Lagrene und die Akkordeonistin Lydie Auvray.