Ludwigshafen
Grünpflege: Stadt will effizienter arbeiten
Das Frühjahr rückt näher. Bald grünt und blüht es an vielen Stellen in der Stadt – und das Grünflächenamt ist gefordert. Im vergangenen Jahr waren die Mitarbeiter der Stadt dem schnell wachsenden Grün nicht mehr Herr geworden. Auf Verkehrsinseln stand das Gras teils hüfthoch. Die mangelhafte Grünpflege in Ludwigshafen sorgt immer wieder für Diskussionen. Es hagelt immer wieder Beschwerden von Bürgern. Für die Grünflächen zuständig ist der Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen (WBL), zu dem neben der Müllabfuhr und der Stadtentwässerung auch der Bereich Grünflächen und Friedhöfe gehört. Die Stadt hat auf die Kritik mit einer Neuorganisation des Bereichs Grünflächen reagiert.
Das neue Konzept sieht vor, dass die 120 Mitarbeiter an einem Standort in der Wollstraße (Stadtteil West) konzentriert werden. Auch der gesamte Fuhrpark nebst Werkstatt soll dort unterkommen. Die weiteren Standorte am Maudacher Bruch und in der Bliesstraße sollen aufgegeben werden, kündigte Bereichsleiterin Gabriele Bindert dem Ortsbeirat Oppau an, wo sie die Reform vorstellte.
Auch die Aufgabenverteilung werde geändert. „Es wird eine klarere Zuordnung geben“, sagte Bindert. Künftig sollten nicht mehr alle Mitarbeiter alles machen. Stattdessen sollen Teams für bestimmte Aufgaben gebildet werden. Auch um über den Mängelmelder im Internet von Bürgern gemeldete Problemflächen soll sich eine eigene Einsatzgruppe kümmern. Sieben Teams werden gebildet, die sich um Mäharbeiten, das Grün entlang von Straßen, die Pflege von Friedhöfen, Spielplätzen, Schulen oder Kitas kümmern. Ein Spezialteam werde sich um die Pflege hochwertiger Beete und Stauden in Parks kümmern, kündigte Bindert an. Sie rechnet damit, dass die Neuorganisation die Pflege der Grünflächen in der Stadt verbessern werde.
Drei Kategorien
Bereits im Dezember 2016 hatte der Stadtrat ein neues Konzept für die Grünflächenpflege und eine Erhöhung des dafür nötigen Budgets beschlossen. Zu pflegen sind in der Stadt laut Bindert insgesamt 1200 Hektar Grün. Umgerechnet auf die zur Verfügung stehenden Mitarbeiter, bedeute dies, dass ein Mitarbeiter für 8,7 Hektar im Jahr zuständig sei (zum Vergleich: In Mannheim sind es drei Hektar). Weil das Personal nicht ausreicht, wird bei manchen Arbeiten auch auf Fremdfirmen zurückgegriffen.
In einem „Masterplan Grün“ wurden die städtischen Grünflächen je nach Funktion und Bedeutung für die Bevölkerung in drei Bewirtschaftungsklassen eingeteilt. Die Klasse 1 gilt an Orten wie im Ebertpark, wo vor dem Turmrestaurant Rabatten gepflegt und der Rasen alle ein, zwei Wochen gemäht werden. Diese Intensivpflege wird laut Bindert aber nur vier Prozent des städtischen Grüns zuteil. Die Klasse 2, bei der die nötigsten Arbeiten erledigt werden, gilt für 25 Prozent. Über zwei Drittel (71 Prozent) fallen in die Kategorie 3 – das bedeutet, dass die städtischen Mitarbeiter nur darauf achten, dass die Verkehrssicherheit durch das Grün nicht beeinträchtigt wird, etwa wenn Zweige auf einen Radweg ragen. „Ansonsten ist die Pflege dort nicht werterhaltend“, machte Bindert deutlich.
Kritik an Konzept
Mit den neuen Teams und dem zentralen Standort in der Wollstraße könne wirtschaftlicher und effizienter gearbeitet werden, sagte die Grünflächen-Chefin. „Es kann am Anfang noch holpern. Aber die Neuorganisation wird bei den WBL-Mitarbeitern und den Bürgern zu mehr Zufriedenheit führen“, zeigte sie sich überzeugt. Im Ortsbeirat Oppau sorgten die Pläne für Diskussionen. „Ich bin etwas schockiert, dass 71 Prozent unserer Grünflächen nicht werterhaltend gepflegt werden sollen“, sagte Ortsvorsteher Frank Meier (SPD). Denn letztlich bedeute dies wohl, dass zwei Drittel der Grünflächen verlottern würden. Es sei klar, dass die Stadt aus Finanzgründen nicht alles top in Schuss halten könne, aber mit dieser Unterteilung werde sich die Lage verschlechtern, während die Bürger immer mehr Gebühren zahlen müssten. Ähnliche Kritik äußerte auch Helge Moritz (FWG).
Das neue Konzept und die Reorganisation sollen im Frühjahr umgesetzt werden. Dann bekommen auch die städtischen Mitarbeiter neue Dienstkleidung: orangefarbene Hosen und Jacken mit einem grünen Punkt. Das Budget für die Grünpflege liegt bei rund einer Million Euro. Die Bürger können sich im Frühjahr selbst ein Bild machen vom Zustand des städtischen Grüns – und davon, ob die Neuorganisation wirklich einen Fortschritt darstellt.