Ludwigshafen Frischer Impuls für Frauenbewegung

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„Viele Frauen in Deutschland denken, die Frauenbewegung sei überflüssig – bis sie ihr erstes Kind bekommen.“ Sozialarbeiterin Gisela Scherrer-Flesch aus Fußgönheim, Mutter zweier Söhne, weiß, wovon sie spricht. Der Alltag von berufstätigen Müttern ist oft ein hartes Brot. Von dem Brot, das sich viele Frauen weltweit erkämpfen müssen, war auf dem Internationalen Frauenfest im Kulturzentrum Das Haus oft die Rede. Doch die Frauen haben am Samstag auch gefeiert.

„Und wenn ein Leben mehr ist als nur Arbeit, Schweiß und Bauch, wollen wir mehr: Gebt uns das Brot, doch gebt uns die Rosen auch.“ Diese Zeilen der New Yorker Gewerkschafterin Rose Schneidermann aus dem alten Arbeiterfrauen-Kampflied von 1912, vorgetragen von Marlene-Charlotte Siegel, sind erstaunlich aktuell. Mit ihrem „Heldinnen-Programm“ begleitet auf der Gitarre von Anika Gräf, machte Siegel den Anfang des Bühnenprogramms beim Frauenfest. Dann trug Rükiye Lieder auf Deutsch, Griechisch und Türkisch vor, Esther Lelle moderierte und sang. Pranita Rottmann bot nicht nur eine Bollywood-Einlage, sie brachte die Festgesellschaft auch zum Tanzen. Sogar die Tontechnik war fest in Frauenhand. Brot und Rosen: Die über zwanzig Stände auf dem „Markt“ im Foyer des Kulturzentrums lieferten Infos zu Themen wie gleiche Bezahlung von Männern und Frauen, Gewalterfahrung, das Frauenbild des Islam. Aber auch Kunstprojekte und die Arbeit von kirchlichen Institutionen fanden Aufmerksamkeit auf dem Fest, dass rund 300 Besucherinnen lockte. Eleonore Hefner, Geschäftsführerin des Vereins Kultur-Rhein-Neckar und Mitglied des Frauencafés unter der Leitung von Magdalena Striebinger, Susanne Diehl, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ludwigshafen, und Verbände wie der Internationale Frauentreff hatten die Veranstaltung organisiert. Es gab nicht nur Brot zu essen. Frauen aus aller Herren Länder spendeten viele leckere Speisen und verkauften sie auf dem Fest. Der Erlös von 600 Euro soll über die Ludwigshafener Initiative für Kobanê dabei helfen, in der syrisch-kurdischen Stadt eine Geburtsstation wieder aufzubauen. Viele Info-Stände informierten die Besucherinnen über Auswege aus der immer noch herrschenden Benachteiligung von Frauen auf der Welt. Der Tenor dabei lautete einhellig: Netzwerke aufbauen. Am Stand „Equal Pay“ fingen die Frauen gleich damit an. Hildegard Flach, promovierte Biologin, machte eine junge Mutter, ebenfalls promovierte Biologin, auf den „Networking Day“ im Mannheimer Augusta-Hotel aufmerksam. Jeden ersten Dienstag im Monat ab 18.30 Uhr treffen sich dort Frauen, um sich beruflich zu unterstützen. Darum geht es auch den Künstlerinnen von GEDOK, der „Gemeinschaft Deutscher und Oesterreichischer Künstlerinnenvereine aller Kunstgattungen“. Frauen haben immer noch Schwierigkeiten, ihre Kunst an den Mann zu bringen. „In den Gremien, die Werke für „Kunst am Bau“ auswählen, sitzen fast ausschließlich Männer, die überwiegend männlichen Künstlern die lukrativen Aufträge erteilen“, ärgerte sich Ingeborg Klinger, Vorsitzende der GEDOK Mannheim/ Ludwigshafen, deren Fotografien bei den Frauen auf dem Fest heiß begehrt waren. (acd)

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