Fussball RHEINPFALZ Plus Artikel Fitnessprogramm im Supermarkt

Da geht’s lang in Richtung Training des FC Arminia Ludwighshafen. Der Wahl-Wachenheimer Andreas Schröck trainiert den Oberligist
Da geht’s lang in Richtung Training des FC Arminia Ludwighshafen. Der Wahl-Wachenheimer Andreas Schröck trainiert den Oberligisten bis zum Ende der Saison. Danach sucht er eine neue Aufgabe.

Interview: Andreas Schröck ist nach dem Rücktritt von Ralf Gimmy bis zum Saisonende Trainer des Oberligisten FC Arminia Ludwigshafen. Er brennt darauf, dass die Runde bald fortgesetzt wird und erzählt, warum die Blumenkübel im Hof leiden und über sein Fitness-Programm im Supermarkt.

Herr Schröck, wie sehr vermissen Sie den Fußball? Sind Sie schon auf Entzug?
(lacht) Alles, was die Wochenenden bestimmt hat, wie zum Beispiel Leidenschaft, Begeisterung, Freude oder Gemeinschaft fehlt unglaublich. Auf die Herausforderung, einen Oberligisten zu trainieren, habe ich große Lust. Ich hoffe, dass wir bald wieder loslegen können.

Wie nutzen Sie die freie Zeit?
Betrieblich bin ich im Home-Office und ansonsten kontinuierlich zu Hause oder lerne die Umgebung von Wachenheim besser kennen. Die Pfalz hat sehr schöne Flecken. Ich beschäftige mich sehr viel mit der Familie. Meine Söhne würden gerne kicken. Im Moment machen sie das in unserem Hof, was den Blumenkübeln meiner Frau nicht immer bekommt.

Wie halten Sie sich fit?
Um Gottes Willen, jetzt muss ich eine clevere Antwort geben (lacht laut): Na klar, halte ich mich fit. Ich gehe einkaufen, und wir sanieren gerade unser Haus. Das kostet viel Zeit und Kraft. Um ehrlich zu sein: Ich könnte etwas mehr für die Fitness tun.

Stehen Sie in Kontakt mit den Spielern?
Sie haben ein Programm erhalten, das sie erfüllen sollen, jeder für sich. Das beinhaltet Grundlagenausdauer, Intervallläufe und Stabilisation. Das ist wichtig, damit wir keine großen Rückstände haben, wenn es weitergeht. Die Ergebnisse werden mir per App übermittelt. Kompliment an die Spieler, ein ganz hoher Prozentsatz erfüllten die Aufgaben super. Ab und zu telefoniere ich auch mit den Jungs.

Macht es Sinn, die Trainingsphase für den Tag X zu planen?
Nicht konkret. Es gibt Kontakte mit anderen Vereinen, damit rasch ein Testspielplan erstellt werden kann. Vieles wird man anpassen müssen, wenn die Rahmendaten bekannt sind. Wir werden den Fitnessstand überprüfen und uns dann gezielt vorbereiten.

Wann glauben Sie, dass wieder gespielt werden kann?
Die Infektionszahlen werden besser, aber ich glaube, dass die Politik nicht zu früh lockern wird. Denn es gibt andere Bereiche, die vor dem Amateursport dran sind. Ich kann mir vorstellen, dass wir mit Kleingruppen beginnen und es noch dauert, bis Mannschaftstraining erlaubt wird. Vielleicht können wir irgendwann nach Ostern spielen. Die Frage ist, ob wir dann die Runde noch durchziehen können. Ein Abbruch der Saison ist nicht aus der Luft gegriffen.

Wie bewerten Sie die Zeit als Co-Trainer Ihres Vorgängers Ralf Gimmy?
Ralf ist ein phänomenaler und akribischer Trainer und ein toller Typ. Er ist detailversessen und auf die Gegner top vorbereitet. Daraus resultiert, dass seine Teams immer gut organisiert sind. Ich habe mir Dinge abgeschaut, und es wird spannend sein, diese Punkte mit meinen eigenen Vorstellungen zu kombinieren.

Wie sehr waren Sie in Trainingsarbeit, Pläne und Ausrichtung eingebunden?
Anfangs habe ich Themenschwerpunkte erhalten und diese versucht, umzusetzen. Ralf spricht Dinge klar an, es gab offene Dialoge und selten unterschiedliche Meinungen. Aber klar, vielleicht hätte ich manches im Detail anders gemacht. Jeder hat seine eigene Philosophie. Ich will aber betonen, dass Ralf mit dem Team eine starke Runde gespielt hat.

Wie sieht Ihre Philosophie aus?
Den Fokus lege ich auf die eigene Stärke, der Gegner soll sich nach uns richten, nicht umgekehrt. Ich bevorzuge einen geordneten Spielaufbau mit vielen Ballkontakten im vorderen Drittel und will die spielerischen Elemente stärken. Und ich möchte nicht, dass zu früh der lange Ball gespielt wird.

Welche Spieler haben Sie am meisten überzeugt?
Prinzipiell bin ich ein Fan von ganz vielen Spielern des FCA. Jeder hat Qualität. Der Dürkheimer Thum hat eine sensationelle Entwicklung genommen, Tahedl kommt über einen riesigen Willen. Bormeth ist unglaublich kreativ, Ehmann extrem zweikampfstark. Höhn hat prima Leistungen abgeliefert, Hartlieb viel Klasse und eine super Einstellung. Und Pantano ist einfach ein toller Fußballer. Ich könnte noch einige mehr nennen.

Der FCA hat einen neuen Trainer für die Serie 2021/22. Sind Sie enttäuscht, dass es für Sie nicht weitergeht?
Der Verein hat mit mir von Anfang an offen kommuniziert und gesagt, dass es einen Favoriten gibt. Wenn der zusagt, ist er der neue Coach. Das ist absolut okay. Natürlich wäre ich gerne geblieben, aber der neue Trainer Marco Laping ist ja nicht irgendjemand.

Ist es für Sie eine Option, Lapings Co-Trainer zu werden?
Nein, dazu bin ich zu ehrgeizig. Co-Trainer zu sein war eine tolle Erfahrung und von mir so gewollt. Aber es ist keine Dauerlösung. Ich möchte wieder mehr Einfluss haben. Ich war zuvor viele Jahre Cheftrainer, da ist es nicht leicht, ins zweite Glied zu treten.

Haben Sie schon einen neuen Verein gefunden?
Nein, es hat sich noch nicht ergeben, ich habe noch nicht mal Gespräche geführt. In Corona-Zeiten ist es schwierig, weil man nicht auf Sportplätze kann, es keine Anknüpfungspunkte gibt. Der Amateurfußball spielt gerade keine große Rolle.

Sie haben Oberligaluft geschnuppert. Ist es für Sie trotzdem vorstellbar, noch einmal einen Bezirksligisten zu trainieren?
Diese Frage ist mir schon oft gestellt worden. Ausschließen möchte ich es nicht, denn die Bezirksliga ist sehr attraktiv. Es müsste ein ambitionierter Klub sein. Prinzipiell ist höherklassiger Fußball interessanter und mein Ziel.

Verfolgen Sie den Weg Ihres Ex-Klubs FV Freinsheim?
Natürlich. Ich habe noch sehr viele Freunde dort, viele Spieler aus meiner Zeit sind noch da. Auch zu den Verantwortlichen gibt es regelmäßig Kontakt, und ich spiele bei den „Alten Herren“. Ohne Corona wäre ich wohl Torschützenkönig geworden (lacht).

Sie haben die positive Entwicklung beim FVF eingeleitet. Ärgert es Sie, jetzt nicht mehr dabei zu sein?
Auf keinen Fall. Im Gegenteil, ich freue mich riesig über den Erfolg. Ich schätze meinen Nachfolger Christian Schäfer sehr. Wir sind in Kontakt, schreiben uns immer wieder mal. Der FV Freinsheim ist ein super Verein.

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