Ludwigshafen
Ein Jahr ohne festen Standort: Die Pläne des Stadtmuseums
Vor genau einem Jahr, als Corona noch ziemlich weit weg war, in Gedanken noch mehr als in der Realität, hat im Stadtmuseum eine wirklich schöne Ausstellung eröffnet: „Grüße aus Ludwigshafen – Ansichtskarten und Souvenirs aus 160 Jahren Stadtgeschichte“. Eine dieser Karten ist aus dem Jahr 1991 und zeigt das 30 Jahre später zum Abriss freigegebene Rathaus samt Rathaus-Center, in dem das Stadtmuseum seine bisherige Heimat hat. Eine andere Karte erinnert an den 16. Februar 1929, einen – es ist bei den Frühlingstemperaturen heute kaum vorstellbar – bitterkalten Tag, an dem die Menschen auf dem zugefrorenen Rhein von Ludwigshafen nach Mannheim spazieren konnten und umgekehrt.
Zwei Ausstellungen werden verlängert
Wer diese Ausstellung verpasst hat, und wegen der langen Schließzeiten des Museums als Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie wäre es nicht verwunderlich, hat nun (hoffentlich) noch einmal die Gelegenheit. Bis mindestens Samstag, 17. April, soll sie nach der noch nicht terminierten Wiedereröffnung nach dem Lockdown noch einmal zu sehen sein. Genau wie „Elwis, der kleine Elwetritsch präsentiert: die Pfalz – eine Ausstellung für Kinder“. Ein Begleitprogramm und Führungen könnten allerdings nicht angeboten werden, bedauert Regina Heilmann.
Große Pläne
Sang- und klanglos soll der Abschied vom alten Standort aber nicht über die Bühne gehen. Verabschieden möchte sich die Museumsleiterin mit einer Sonderausstellung, die sofern möglich von einem abwechslungsreichen Programm für Erwachsene und Workshops für Kinder und Jugendliche begleitet wird. Zusammen mit dem Stadtmuseum Zweibrücken plant sie, 25 „Starke Frauen“ aus der Pfalz in den vergangenen 1000 Jahren ins Bewusstsein zu rücken – bekannte Persönlichkeiten wie Liselotte von der Pfalz oder Unternehmerin Lina Pfaff, aber auch weniger bekannte wie Mathilde Hitzfeld, eine Freischärlerin in der Revolution von 1848. Die Eröffnung ist für Mai 2021 geplant. Irgendwann zwischen August und Dezember wird das Stadtmuseum dann aus dem Rathaus-Center ausziehen.
Neue Konzepte gesucht
Bis zur Wiedereröffnung in der Rhenushalle am Luitpoldhafen, die nach einem Beschluss des Stadtrats gemeinsam mit dem Stadtarchiv bezogen werden soll, wird Regina Heilmann die Exponate ihres Museums in der leerstehenden früheren Edeka-Halle auf der Parkinsel zwischenlagern. Und sich außerdem Gedanken über das Konzept für eine neue Dauerausstellung und über eine erste Sonderausstellung am neuen Standort machen. „Wir werden in der Dauerausstellung sicher ähnliche Objekte zeigen wie bisher“, sagt die 48-Jährige. „Aber die Flächen werden anders angeordnet sein.“
Auch wenn es dann ein gutes Jahr lang keine Präsenzausstellungen in eigenen Räumen geben wird, soll das Stadtmuseum 2022 doch nicht komplett aus dem Bewusstsein verschwinden. Entweder noch vor Ort im Rathaus-Center oder anderswo in der Stadt soll ein vom BASF-Programm „Tor 4“ gefördertes Projekt zu sehen sein; Einzelheiten möchte Heilmann noch nicht preisgeben. Eine virtuelle Ausstellung mit rund 300 Fotos aus den Beständen des Stadtarchivs und erläuternden Texten soll sich von Juni bis Oktober 2021 dem Thema Mode in Ludwigshafen zwischen den 1950er- und den 1990er-Jahren widmen. Nicht nur virtuell, sondern auch im Vortragssaal des Stadtarchivs soll auf Initiative von Stadtarchiv-Mitarbeiter Klaus-Jürgen Becker von Oktober 2021 bis März 2022 eine Ausstellung über den jüdischen Künstler und Widerstandskämpfer Heinz Lohmar zu sehen sein, der von 1945 bis 1948/49 als freischaffender Künstler in Ludwigshafen lebte und später an der Kunstakademie Dresden Lehrer von Gerhard Richter war.
Das erste „Museum unterwegs“-Projekt
Und schließlich plant Regina Heilmann für 2022 noch eine Premiere: das erste „Museum unterwegs“-Projekt. Unter dem Arbeitstitel „Wie das Rheingold nach Ludwigshafen kam – ein Wanderkino für Kinder“ soll ein 30 bis 45 Minuten langer Film entstehen, der speziell Kindern aus Ludwigshafen ohne klassischen Bildungshintergrund das Nibelungenlied erzählt. „Dafür wollen wir in die Epoche eintauchen, in der das Lied spielt, und nicht in die Zeit, in der das Lied verfasst wurde“, sagt Heilmann. Sprich, nicht ins 12./13., sondern ins 5. und 6. Jahrhundert. Der aus Trick- und Realszenen bestehende Film solle an vielen Orten im Stadtgebiet temporär installiert werden, an denen sich Kinder aufhalten.