Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Heidelberger soll neuer Baudezernent werden

Der Abriss der Pilzhochstraße wird das erste Großprojekt für den neuen Baudezernenten.
Der Abriss der Pilzhochstraße wird das erste Großprojekt für den neuen Baudezernenten.

Ludwigshafen bekommt einen neuen Baudezernenten. 14 Bewerber gab es – ein Kandidat hat die besten Karten. Nach RHEINPFALZ-Informationen handelt es sich um Alexander Thewalt. Als Leitender Stadtbaudirektor ist er bisher in Heidelberg für Verkehr zuständig gewesen. Warum seine Wahl durch den Stadtrat am 27. April so gut wie sicher ist.

Der Favorit für das Amt des Baudezernenten ist in Ludwigshafen bisher ein unbeschriebenes Blatt. Thewalt ist Leitender Stadtbaudirektor in Heidelberg. Der Bau-Ingenieur leitet dort seit 2007 das Amt für Verkehrsmanagement. Er gilt als Experte für Stadt- und Verkehrsplanung. Der 52-Jährige hat kein Parteibuch – und das ist bei der Konstellation im Ludwigshafener Stadtrat ein Vorteil.

Denn im Rathaus gibt es seit der Kommunalwahl vor einem Jahr keine große Koalition mehr. Für Entscheidungen zu Sachthemen und auch bei Personalien müssen jedes Mal neue Mehrheiten gefunden werden. Nachdem der bisherige Baudezernent Klaus Dillinger (CDU) aus gesundheitlichen Gründen im Januar sein Amt aufgab, muss bis Mai ein Nachfolger gefunden werden. Die Stelle wurde ausgeschrieben. Dem Vernehmen nach haben sich 14 Bewerber gemeldet. Darunter sollen auch eine frühere Kosmetikerin, ein Betonbauer sowie ein abgewählter Bürgermeister gewesen sein. In die engere Auswahl kam nur eine Handvoll Kandidaten.

Verhandlungen über Personalie

Hinter den Kulissen verständigte sich die CDU mit der SPD auf den Heidelberger Thewalt. Denn offenbar wollten die Sozialdemokraten nicht auf Biegen und Brechen aus dem unerwarteten Aus für den CDU-Mann Dillinger politisches Kapital schlagen, um einen SPD-Kandidaten ins Amt zu hieven und damit das Gleichgewicht der beiden großen Parteien im Ludwigshafener Stadtvorstand aus dem Lot bringen. Dort stellt die SPD neben der Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck, den Kämmerer Andreas Schwarz und die Sozialdezernentin Beate Steeg. Ein CDU-Parteibuch hat Bürgermeisterin Cornelia Reifenberg die OB-Vertreterin, die für Schulen, Jugend und Kultur zuständig ist. Da die Christdemokraten gut mit dem parteilosen Thewalt leben können, wäre mit seiner Wahl die politische Arithmetik gewahrt.

Acht Jahre Amtszeit

Gleichwohl braucht der Kandidat eine Mehrheit im Stadtrat, um als politischer Beamter für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt zu werden. Der Stadtrat tritt am 27. April wegen der Corona-Krise nur mit einer reduzierten Anzahl von Ratsmitgliedern zusammen. Normalerweise gehören 60 Politiker aus acht Fraktionen dem Rat an. Nun werden nur 33 Stadträte im Ratssaal Platz nehmen. Der Stadtrat wird entsprechend der Mehrheitsverhältnisse verkleinert. CDU und SPD kommen bei dieser Sitzung gemeinsam auf 16 Stimmen. Für die Mehrheit fehlt ein Mandat. Dies dürfte jedoch kein Problem sein.

Denn es zeichnet sich eine breite Zustimmung für Thewalt ab, die über die CDU und SPD hinaus reicht. Der Stadtbaudirektor hat sich bei den kleineren Fraktionen vorgestellt und um Stimmen geworben. Offenbar erfolgreich, wie zu hören ist. „Er ist der fachlich überzeugendeste Kandidat, und ich bin überzeugt davon, dass ihn eine breite Mehrheit im Stadtrat tragen wird“, sagt CDU-Fraktionschef Peter Uebel, der Thewalt nun zum offiziellen Kandidaten seiner Partei erklärt hat. Den Bewerber zeichne neben seinem Fachwissen eine „große Kompetenz im Bereich der Kommunikation und Bürgerbeteiligung“ aus.

Aufgaben sind klar

Was den neuen Baudezernenten erwartet, steht fest: Abriss und Wiederaufbau der Pilzhochstraße, dann Abriss der Hochstraße Nord und Bau einer ebenerdigen Stadtstraße. Dort entlang soll auch das neue Stadtviertel „City West“ entstehen. Ebenfalls auf der Agenda steht die Frage einer Rathaussanierung oder eines Ersatzneubaus für den Turm.

Alexander Thewalt weiß, was auf ihn zukommt. Er kennt Ludwigshafen gut, sein Großvater arbeitete bei der BASF. Geboren ist der 52-Jährige in der Ludwigshafener Partnerstadt Pasadena in Kalifornien während eines beruflichen Auslandsaufenthalts der Eltern. Nach der Rückkehr wuchs Thewalt in Braunschweig und Ulm auf. Nach seinem Studium arbeitete er als Bau-Ingenieur für ein Bauunternehmen in Ostdeutschland, wo er auch mit Brückenprojekten befasst war. Eine Zeit lang war er Mitglied bei den Grünen. Als er in eine verantwortliche Position bei der Stadt Heidelberg wechselte, trat er aus der Partei aus, um unabhängig zu sein. Thewalt ist verheiratet, hat vier Kinder und lebt in Heidelberg.

Mit Themen vertraut

Durch seinen beruflichen Werdegang fühlt sich Thewalt für die Aufgabe des Baudezernenten in Ludwigshafen gut vorbereitet. Es wäre ihm „eine große Ehre und Freude, in leitender Position an den Entwicklungen in Ludwigshafen und der Region mitarbeiten zu können.“ Mit der Hochstraßenthematik und dem Öffentlichen Nahverkehr sei er durch die Zusammenarbeit von Heidelberg und Ludwigshafen auf der Ebene der Metropolregion Rhein-Neckar vertraut. Was seine Wahl am 27. April betrifft, ist er zuversichtlich: „Es sieht gut aus.“

Interview: „Ich bin ein Optimist“

Alexander Thewalt (52) ist der designierte neue Baudezernent in Ludwigshafen. Wir haben ihn zu seiner Bewerbung befragt.

Herr Thewalt, was reizt Sie an der Aufgabe in Ludwigshafen?
Ich finde, es ist eine superspannende Aufgabe. Im Bau- und Umweltdezernat geht es um Betriebs- und Bauthemen, Verkehrsplanung, Klimaschutz und Stadtentwicklung. Die Bereiche in dieser Kombination sind wichtig für eine gute nachhaltige Stadtentwicklung. Die Herausforderung durch die Hochstraßen-Bauprojekte reizt mich. Aber auch der Bau und die Sanierung von Schulen und Kitas interessieren mich.

Die Straßenbau-Projekte sind eine gewaltige Aufgabe. Haben Sie Respekt vor den Dimensionen?
Ja, natürlich. Ich kenne zwar die großen baulichen und zeitlichen Zusammenhänge, aber alle Fallstricke, kann ich noch gar nicht kennen. Das ist das Risiko bei jedem neuen Job. Ich habe als Bau-Ingenieur aber Brückenbauerfahrung und daher ein Gefühl für Beton.

Was verbindet Sie persönlich mit Ludwigshafen?
Mein Großvater hat bei der BASF gearbeitet. Wir haben ihn oft besucht, ich habe Kindheitserinnerungen an die Stadt. Ich kenne Ludwigshafen schon ganz gut, weiß um die schönen Ecken in der Stadt, wie zum Beispiel den Ebertpark. Übrigens bin ich in der Ludwigshafener Partnerstadt Pasadena geboren und habe in Dessau gearbeitet. Das passt.

Werden Sie auch von Heidelberg hierher ziehen?
Nein. Ich habe vier Kinder, drei müssen noch die Schule fertig machen.

Man kennt Sie hier nicht. Wie würden Sie sich beschreiben?
Ich bin ein großer Optimist und ein zupackender Mensch. Ich bin ein Familienmensch und fahre gerne Fahrrad – gerade bei beruflichen Terminen, wenn’s geht.

Kommentar: Schwieriger Job

Auf den neuen Baudezernenten warten große Herausforderungen, die schwer zu meistern sind.

Einen Profi und keinen Parteisoldaten wollten CDU und SPD als Nachfolger für den unerwartet aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen Baudezernenten Klaus Dillinger (CDU) aussuchen. Mit dem Heidelberger Baudirektor Alexander Thewalt scheinen die Verantwortlichen fündig geworden zu sein. Der 52-Jährige ist vom Fach und hat als Bau-Ingenieur bereits Eisenbahnbrücken gebaut. Er kennt das Bauwesen und auch die Arbeitsweise einer Stadtverwaltung. Eine breite Zustimmung im Stadtrat dürfte ihm sicher sein.

Gleichwohl warten Mammut-Aufgaben auf den „Neuen“: Die Hochstraßenprojekte, die Rathausfrage und das neue Stadtviertel „City West“. Jedes dieser Mega-Projekte wäre alleine schon eine große Herausforderung. Doch jetzt müssen alle parallel angegangen werden. Das wird mit Sicherheit kein leichter Job – auch nicht für einen Profi.

Alexander Thewalt soll auch Klaus Dillinger folgen.
Alexander Thewalt soll auch Klaus Dillinger folgen.
x