Ludwigshafen Droben auf dem Hügel mit Martin Luther King
Zum Ende der Spielzeit gibt es am Mannheimer Nationaltheater die Choreografische Werkstatt, bei der sich Mitglieder des Tanzensembles mit eigenen kurzen Arbeiten vorstellen. Bei der Aufführung im Tanzhaus Käfertal sind es diesmal neun. Zwei von ihnen, Jamal Rashann Callender und Lorenzo Angelini haben wir vorab besucht.
Jamal Callender ist farbiger Amerikaner. In seinem Solo nimmt er Bezug auf Martin Luther King, dessen Ermordung sich zum 50. Mal jährt. Nicht die berühmte Rede „I have a dream“ ist Ausgang seiner Selbstreflexion, sondern die Rede „On the top of the hill“ am Tag vor Kings Ermordung. Den Hügel bilden hier drei farbige Würfel. Callendar steht oben als Mensch auf der Suche nach sich selbst. Wenn er herabsteigt und den Hügel in geduckten Drehungen umkreist, sich, ein Beladener und zugleich Hoffender, aufrichtet, ist er Callender, der schwarze Amerikaner, der Inneres preisgibt. Zwischen Musik aus der damaligen Zeit erklingt die Stimme des Schriftstellers James Baldwin aus einer Rede von 1963 in Washington. Es sei schon alles darin enthalten, was danach kam und auch heute noch gelte, sagt Jamal. Baldwin lebte damals in Paris. „Ich muss zurückgehen“ sagte er in der Rede: „I need to go back.“ Das sei auch gerade seine Stimmung, sagt Jamal. Er ist in USA geboren, hat seine Kindheit aber auf Barbados verbracht und dort später sein „Barbados Dance Project“ gegründet. Seine Tanzausbildung hat er in berühmten Schulen in New York gemacht: Ballet Tech, Ailey, Abschluss: Juillard. Er hat in renommierten Kompanien getanzt: Atlanta Ballet, Hubbard Street Dance Chicago, Ballet Hispanico New York. Mit berühmten Choreografen gearbeitet: Jiri Kylian, Nacho Duato, Alexandro Cerrudo. Und den angesehenen Award Princess Grace Foundation USA gewonnen. „Seit ich acht bin, wollte ich nach Europa“ erzählt er, „um 2014 war es an der Zeit – time was ripe. Ich habe mich bei Kevin O’Day beworben und gleich eine Zusage erhalten. Mit meinen weltweiten Tourneen hatte ich so viele Flugmeilen angesammelt, dass mich der Flug nichts gekostet hat.“ Es gefällt ihm in Mannheim. Er nennt sich einen Abenteurer und ist viel durch Europa gereist. Höhepunkte waren Paris und Barcelona. Dennoch: Wie James Baldwin 1963 hört er eine innere Stimme: „Die Zeit ist reif; ich muss zurück ...“ Lorenzo Angelini spricht fließend Deutsch; er lebt seit zehn Jahren in Deutschland. „Fast habe ich schon Italienisch verlernt“, schmunzelt er. In seinem Stück „How to dance contempory“ wirkt fast das halbe Ensemble mit und dazu ein Schauspieler vom Nationaltheater. Der ist heute zur Probe nicht da. Man sieht daher nur die geschliffene tanztechnische Seite der Choreografie; den Pep bekommt sie durch den Schauspieler. Der mimt einen Choreografen und Superstar, der die anderen tanzen lässt. Den frechen und witzigen Text hat Lorenzo selbst geschrieben, in Englisch, der internationalen Tanzsprache, und ins Deutsche übersetzen lassen, „damit alles sprachlich stimmt“. Lorenzo stammt aus Rimini. Als es nach der Vorbereitung an privaten Tanzschulen an die Bewerbung für eine Akademie ging, sei ihm gesagt worden: „Versuch es doch in Stuttgart. Das soll eine sehr gute Ballettschule sein.“ Er bewarb sich und wurde an der John Cranko Schule aufgenommen. Nach seinem Abschluss tanzte er neoklassische Rollen im Stuttgarter Ballett. Dann holte ihn Roberto Scafati nach Ulm. Dort sah ihn Stephan Thoss, seit 2016 ist er in Mannheim. Lorenzo ist eine Frohnatur und zeigt sein Temperament im Tanz. Was da zu „Uptown Funk“ abgeht, bekommt durch die Anweisungen des „Choreografen“ eine abgedrehte Perspektive: „Du möchtest jemanden umarmen, du hast aber keine Ellenbogen.“ Oder: „Der nimm-deine-verdammten-Hände-weg-Move, wie man sehen kann!“ Termin Premiere heute um 19.30 Uhr im Tanzhaus Käfertal, Kartentelefon: 0621/1680150.