Buga23 RHEINPFALZ Plus Artikel Die Seilbahn läuft: Alle Fakten zur Bundesgartenschau-Attraktion

Hat den Aufbau der Seilbahn Schritt für Schritt begleitet: Projektleiterin Chrakhan Ismail.
Hat den Aufbau der Seilbahn Schritt für Schritt begleitet: Projektleiterin Chrakhan Ismail.

64 Gondeln hängen schon seit etlichen Wochen in luftiger Höhe. Bierfässer und Monteure sind mit der Seilbahn schon befördert worden. Wann aber geht der reguläre Betrieb los?

Sie wirkt schon jetzt wie ein neues Wahrzeichen Mannheims. Über den Köpfen der Autofahrer und Fußgänger schwebt sie hinweg, den Neckar, Felder und Kleingärten lässt sie hinter und weit unter sich: die Seilbahn, die während der Bundesgartenschau den Hauptschauplatz im Nordosten der Stadt und den Luisenpark in nur sieben Minuten Fahrzeit miteinander verbinden wird. Doch obwohl es sich bei dem Kabeltransporter nur um ein vorübergehendes Vergnügen handelt, könnte das lautlose Verkehrsmittel die Denkweisen für den öffentlichen Nahverkehr auch über die große Blumenschau hinaus nachhaltig prägen.

Noch sind die Kabinen in weiße Hüllen gepackt. Noch ist die Seilbahn mit ihren 64 Gondeln nur im Testmodus unterwegs. „Aber es läuft alles reibungslos“, zeigt sich Projektleiterin Chrakhan Ismail zufrieden. Die ersten Passagiere waren schon unterwegs. Allerdings keine Menschen, sondern volle Bierfässer und schwere Wasserkanister, die bei einem Bremsversuch das Gewicht von Buga-Besuchern simulierten. Vor allem an klaren Wintertagen sind die sich wie eine Kette spannenden und durch die Lüfte schwebenden Kabinen imposant anzusehen. Sie fügen sich fast schon wie selbstverständlich in das urbane, nun etwas futuristisch anmutende Stadtbild mit Fernmeldeturm und Collini-Center ein.

Erinnerung an frühere Buga

Die Vorfreude wächst, die Seilbahn ist schließlich ein Vorbote der Buga, der sich kaum verbergen lässt. Oft wird die studierte Architektin, die seit drei Jahren dem Buga-Team angehört, darauf angesprochen, wann die ersten Fahrten möglich sind. „Erst zum Start der Bundesgartenschau“, muss sie dann regelmäßig vertrösten. Sie weiß: „Die Seilbahn ist das Einzige, was man von der Buga sieht, ohne sie selbst zu besuchen. Sie ist weit über das Erscheinungsbild der Bundesgartenschau hinaus sichtbar.“ Manchmal komme es ihr sogar so vor, dass die Leute hauptsächlich zur Buga wollten, um mit der Bahn von Park zu Park zu schweben. Schließlich ist das Pendeln zwischen Luisenpark und neuem Buga-Gelände im Ticketpreis enthalten.

Natürlich kommt aber auch immer die Frage auf, warum es sich bei der mit bis zu 45 Meter hohen Stützen errichteten Seilbahn um keine dauerhafte Lösung handelt. Schließlich hat Mannheim bereits so seine Erfahrung mit dem Kommen und Gehen von Buga-Verkehrsmitteln gesammelt. Schon bei der Bundesgartenschau 1975 verband der an Tragseilen hängende Aerobus die beiden Ausstellungsgelände Luisen- und Herzogenriedpark – und verschwand danach wieder aus dem Stadtbild.

Die Seilbahn wird nur für die sechsmonatige Dauer der Bundesgartenschau zwischen Luisenpark und Spinelli-Gelände pendeln.
Die Seilbahn wird nur für die sechsmonatige Dauer der Bundesgartenschau zwischen Luisenpark und Spinelli-Gelände pendeln.

Darum soll die Seilbahn nicht bleiben

„Es hat durchaus Überlegungen für eine dauerhafte Lösung gegeben“, verrät Ismail. Jedoch mit anderen Stationen, um das neue Spinelli-Stadtteilquartier ans Zentrum anzubinden. Letztlich kamen Machbarkeitsstudie und Wirtschaftlichkeitsprüfung aber zu keinem positiven Ergebnis. Während der Buga wird ein hohes Aufkommen erwartet, bis zu 2800 Besucher können pro Stunde befördert werden. „Danach jedoch wäre die Bahn an dieser Stelle leider nicht rentabel“, erklärt die Projektleiterin. Und so wurde die Seilbahn, die mit 34 Kabinen bereits bei der Internationalen Gartenbauausstellung „Floriade“ in Almere bei Amsterdam im Einsatz war, nur gemietet.

Die zuständige Firma Doppelmayr aus Österreich plant und betreibt Seilbahnen in der ganzen Welt. Nicht nur in Skigebieten, sondern auch im urbanen Raum – zum Beispiel in La Paz in Bolivien. Während dort „Mi Teleférico“ als weltweit größtes städtische Seilbahnnetz täglich mehr als 300.000 Fahrgäste befördert, sich dabei von 3200 auf 4100 Meter aufschwingt und so stolze 900 Höhenmeter erklimmt, liegen im flachen Mannheim gerade einmal sechs Höhenmeter zwischen Start und Ziel.

„Viele Sorgen genommen“

Und doch wird viel überwunden. Die größte Herausforderung beim Aufbau lag wohl weniger beim tatsächlichen Ausheben der Baugruben und dem Anbringen der Stützen, als vielmehr beim Einholen der Genehmigungen: Schließlich werden eine vierspurige Straße, Straßenbahnen, Riedbahn, landwirtschaftliche Fläche, Kleingartenanlagen, Sportanlage, Schützenverein und ein Fluss in luftiger Höhe überquert. „Es mussten viele Sorgen genommen werden. Sie hinterlässt nur einen kleinen Fußabdruck am Boden und schwingt sich auf eine neue Ebene hinauf. Viele Querungen sind dadurch möglich, außer einer Autobahn ist in Mannheim fast alles dabei“, erklärt Ismail.

Auch mit Blick auf die Kohlendioxid-Vermeidung sei die mit Ökostrom betriebene Schwebebahn eine sinnvolle Alternative. „Seilbahnen werden inzwischen ernsthaft als Option für öffentlichen Nahverkehr in Betracht gezogen. Sie können im urbanen Raum an Bedeutung gewinnen“, betont sie. Und so ist die Buga-Bahn zwar keine Dauerlösung, aber ein wertvoller Test mit einem Transportmittel, das den Passagieren zudem eine schöne Aussicht bietet. Von 9 bis 22 Uhr wird die Seilbahn pendeln.

Und auch bei Ismail wächst die Vorfreude. Nicht nur Bierfässer, auch die Monteure sind schon mit der Bahn gefahren. „Sie haben Bilder vom Sonnenuntergang geschickt“, verrät sie. Den werden bald auch die Buga-Besucher aus ungewohnter Perspektive erleben können.

aufmacher

Alle Infos, Artikel und Geschichten zur Bundesgartenschau auf einen Blick!

Informationen zum Eintritt, den Dauerkarten oder der Anreise: Hier finden Sie alle Artikel zur Bundesgartenschau 2023 in Mannheim. Dazu gehören Fakten zur Seilbahn, ein Überblick über die Gastronomie und Erfahrungen der ersten Buga-Besucher. Außerdem erklären wir, wo Luisenpark und Spinelli-Park genau liegen, was auf der Bundesgartenschau erlaubt und verboten ist und berichten über Veranstaltungen und Events.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

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