Ludwigshafen Die Kunst, Kunst ins Dorf zu bringen

KHK-Vorstand vor der Bildergalerie des Vereins: (v.l.) Stefan Veth, Manfred Dimmler, Hedy Heller, Thomas Keck, Micheal Klees, Ch
KHK-Vorstand vor der Bildergalerie des Vereins: (v.l.) Stefan Veth, Manfred Dimmler, Hedy Heller, Thomas Keck, Micheal Klees, Christa Rau und Edeltrauth Orth. In der Mitte ein Bild von Georg Günther Zeuner.

«Dannstadt-Schauernheim.» Er ist das kulturelle Gedächtnis der Verbandsgemeinde Dannstadt-Schauernheim – der Kultur und Heimatkreis (KHK) Dannstadter Höhe. Seit 40 Jahren bewahrt er Brauchtum, Geschichte, Kunst und Literatur sowie die Mundart der Region und hat viele Spuren in der Verbandsgemeinde hinterlassen.

„Wir müssen ein Zeichen setzen“, sagt Michael Landgraf, Publizist und Jury-Mitglied des Mundartwettbewerbs, in die Runde, die sich am hintersten Tisch des Raums im Obergeschoss des Zentrums Alte Schule zurückgezogen hat. Es geht um eine Neuerung für den Wettbewerb. Der KHK ist von fast Beginn an Teil der Jury. In der „Vereinsstube“ hat sich der Vorstand zur Sitzung getroffen, es ist gemütlich, an den Wänden hängen Bilder von Künstlern der Region mit vielen Motiven aus Dannstadt-Schauernheim. Kunst und Literatur bestimmten auch die ersten Jahre des KHK. Am 23. Januar 1978 wurde der Verein in der Wirtschaft „Berg“ von 33 Mitgliedern unter der Regie des damaligen Bürgermeisters Gerhard Schmid gegründet, erinnert sich Hedy Heller, KHK-Ehrenvorsitzende. Zuvor habe der Ortschef im Amtsblatt dazu aufgerufen. „Es sollte das Brauchtum und das kulturelle Andenken bewahrt werden“, sagt Hedy Heller, die ebenfalls von Anfang an dabei war. Letztlich ging es um Identitätsstiftung. Und das ist in den vergangenen 40 Jahren in vielerlei Weise gelungen. „Von Anfang an waren es an Kunst und Literatur interessierte Bürger, die zusammen Ausflüge und Vorträge unternahmen“, erzählt Edeltraut Orth, Schriftführerin des KHK. Doch schon in den ersten Jahren bestimmten die Mitglieder auch selbst das kulturelle Leben im Ort. Es wurden Ausstellungen organisiert, 1980 eine mit dem Titel „Kommunikation“ mit Ton-Skulpturen von Reinhard Ader im neu eröffneten Rathaus. Reinhard Ader ist ein Pfälzer Künstler, der damals in Dannstadt ein Atelier hatte. Keine zwei Jahre später war „einer der ersten Höhepunkte in der Geschichte des Vereins“, sagt Stefan Veth, Verbandsbürgermeister und KHK-Vorsitzender. Die Ausgrabung des Queckbrunnens zwischen Dannstadt und Schifferstadt. KHK-Gründungsmitglied Kurt Kocher war damals bei den Ausgrabungen aktiv dabei, ihm sei letztlich die Entdeckung der historischen Quelle zu verdanken. „Als 1992 ein alter Bunker dort abgetragen wurde, vermutete Kocher den Brunnen darunter, grub und wurde fündig“, erinnert sich Thomas Keck, Veths Stellvertreter beim Verein. Seither kümmern sich KHK und der Schifferstadter Verein für Heimatpflege um den historischen Ort. Brunnen sollten fortan – neben etlichen Stelen, Skulpturen, Wandgestaltungen, Grenzsteinen oder Veröffentlichungen – die Aktivitäten des KHK bestimmen: ob der Sagenbrunnen in Schauernheim auf dem Dorfplatz, der St. Michaelsbrunnen mit Achtgötterstein vor der katholischen Kirche in Dannstadt, der Marienbrunnen in Rödersheim oder der Ochs-und-Esel-Brunnen vor dem Zentrum Alte Schule. Letzterer, das jüngste Brunnen-Projekt, ist 1998 von dem Neustadter Künstlerpaar Gernot und Barbara Rumpf gestaltet worden. Der KHK war bei allen federführend. Manchmal galt es, einfach nur einen katholischen Pfarrer zu überzeugen, wie sich Hedy Heller erinnert: etwa einen katholischen Heiligen auf einen Achtgötterstein aus der römischen Zeit zu stellen. In allen Fällen aber musste die Finanzierung der Projekte gestemmt werden – mit Aktionen und kreativen Ideen. Zum Beispiel mit dem Verkauf gespendeter Rumpf-Figuren für den Ochs-und-Esel-Brunnen. Das kulturelle Leben in der Gemeinde bestimmte der KHK weiter mit, etwa mit historischen oder Reise-Vorträgen, Ausflügen, Weinproben oder seit gut drei Jahren auch mit Gemarkungswanderungen. Die Zahl der Ausstellungen wurde weniger, das Interesse sei leider zurückgegangen, erklärt Veth. Ein Grund sei der Trend zu Fotografie und neuen Medien. Diesen hat sich der KHK angenommen – zum Beispiel mit Filmen über den „Feurigen Elias“, der Festmeile zum Ortsjubiläum oder in diesem Jahr über den alten Einzelhandel in Dannstadt. Man müsse mithalten, meint Michael Klees vom Vorstand, denn auch den KHK plagen Nachwuchssorgen. In den ersten Jahren stieg die Zahl der Mitglieder, 200 waren es auf dem Zenit, derzeit sind es noch 165. Und Veth bestätigt: Mit der Ausrichtung des Angebots müsse in Zukunft der Spagat zwischen dem Interesse der treuen und der neuen, jüngeren Mitglieder gelingen. Es gilt, eine gemeinsame Sprache zu finden. Wobei Sprache, genauer die Pfälzer Sprache, generationenübergreifend sein kann: Der Mundartwettbewerb ist weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt. Derzeit feilt der KHK daran, die Popularität zu erhöhen. Sicher ein richtiger Schritt in die Zukunft. Noch Fragen? Die Mitgliedschaft kostet 15 Euro pro Person und Jahr, Familien zahlen 20 Euro. Weitere Infos im Internet unter www.dann-schau.com.

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