Ludwigshafen Dem Kurator auf der Spur

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Sie arbeiten an gemeinsamen Projekten und sie treiben gleichzeitig ihr individuelles Werk voran: Die in Mannheim und Berlin lebende Konzeptkünstlerin Margret Eicher und die Fotografin Simone Demandt aus Baden-Baden sind feste Werte auf der Kunstszene. Ihre mit „Common Cause“, soviel wie gemeinsame Sache, überschriebene Ausstellung im Port25 in der Mannheimer Hafenstraße stellt acht zum Teil gemeinsame Projekte in der Vordergrund und spart eigene Arbeiten nicht aus.

Wie sieht so ein Kurator seine Welt? Weiß er eigentlich, was er sieht, wenn er durch das Museum eilt? In der zeitlich nicht begrenzten Aktion „Planet Museum“ haben Margret Eicher und Simone Demandt Museumsleute gebeten, ihre alltäglichen Wege einfach so mal mit dem Smartphone zu protokollieren. Die Aktion war natürlich freiwillig, trotzdem gab es reichlich Rücklauf. Nur der Traum der Künstlerinnen, die Arbeit bei der „documenta 11“ vorzustellen, der blieb (leider) ein Traum. Auf fünf ellipsenförmigen Projektionsflächen kann man in Mannheim nun sehen, wie die Damen und Herren mal schneller, mal langsamer durch Säle mit Kunst eilen. Irgendwie pressiert scheinen sie immer. Die ungeschnitten und minutenkurz ablaufenden Kunstlosigkeiten sind allerdings nur eine erste Bilanz eines tendenziell unendlich fortsetzbaren Projektes, das sich der Neugier der Künstlerinnen auf die „globalen Veränderungen innerhalb des Kulturbetriebs“ verdankt. Parallel und passend dazu läuft ein Schwarzweißvideo, auf dem Museumsleute von oben an ihrem Arbeitsplatz aufgenommen wurden. Kommen und Gehen, Dasein und Wegsein in Echtzeit, vier bis sechs Stunden lang, tonlos und unkommentiert. Der Schreibtisch mal voll und mal nicht. Aber wo ist der Mehrwert der Aktion, was lernen wir daraus? Vielleicht dass Kuratoren irgendwie auch Menschen mit Gewohnheiten und Macken sind? Wer diese Erkenntnis weder für grundstürzend erkenntnisfördernd noch neu hält, mag auch an der auf Stuttgart begrenzten Intervention „Sehen Sie! Sehen Sie?“ von 2000 eher wenig Freude haben. Sie bestand aus einer Plakataktion in der Innenstadt und 15 Ferngläsern, die in der Staatsgalerie auf Details in bestimmten Bildern gerichtet waren. Und darum geht es: Um das Sehen, um die Entdeckung des gelenkten, medial präformierten, Blicks. Ein kleines Aha! Und schon geht es weiter. Lustig. Damit, halten zu Gnaden, stößt das Duo Eicher/Demandt freilich weit geöffnete Scheunentore auf. Ohne Spaß gesagt, das alles passt zusammen wie der Handschuh und die Hand. Und schwappt, als Prinzip sozusagen, über auf die individuellen Kürteile der Ausstellung. Von Sabine Demandt sind da großformatige Fotoarbeiten von „Plant Models“, will sagen Lehrmaterial aus dem 19. Jahrhundert, das die Künstlerin im Depot des Botanischen Instituts der Universität in Greifswald entdeckt hat. Es handelt sich dabei um handwerklich präzise gefertigte Modelle von Reisblüte, Mutterkorn oder Knabenkraut auf individuellen, gedrechselten Ständern, die von den Studenten studienhalber auseinandergenommen und wieder zusammengesetzt werden mussten. Von Margret Eicher wiederum sieht man vier ihrer im computergestützten Webverfahren gearbeiteten Tapisserien, zwei Grisaillen und zwei in Schwarzweiß. Das Ausblenden von Farbe ist ebenso neu wie der bühnenartige Aufbau des zentralen Motivs, die Thematik insofern apart, als gerade ein Teppich mit Tätowierten von einer Rosen-Totenkopf-Bordüre umbörtelt ist (beides Lieblingsmotive der Tattoo-Szene), die man sich (eigentlich) nicht unfarbig vorstellen kann. Die Wirkung, das ist richtig, ist umso verstörender. Termin Bis zum 15. Januar im Port25 – Raum für Gegenwartskunst in Mannheim, Hafenstraße 25-27. Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr.
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