Buga23 RHEINPFALZ Plus Artikel Bundesgartenschau 1975: Erinnerungen an eine schöne Zeit

Luisenpark aus der Luft: Die Grünanlage ist neben dem Spinelli-Gelände zwischen Käfertal und Feudenheim auch in diesem Jahr für
Luisenpark aus der Luft: Die Grünanlage ist neben dem Spinelli-Gelände zwischen Käfertal und Feudenheim auch in diesem Jahr für sechs Monate Schauplatz der Bundesgartenschau.

Wer heute als Erwachsener die Besuche im Luisenpark in seinem Gedächtnis hervorkramt, den überkommt nicht selten ein Gefühl der Nostalgie. Das ist bei Volker Endres nicht anders.

Ja, ich habe die erste Bundesgartenschau in Mannheim miterlebt und bin damit amtlich alt. Nein, mit der ersten Bundesgartenschau ist selbstverständlich nicht die „Internationale Kunst- und Große Gartenbau-Ausstellung“ gemeint, mit der die Stadt im Jahr 1907 ihren 300. Geburtstag gefeiert hatte, sondern der Nachfolger im Jahr 1975. Damals lud ein von Loriot gezeichneter knollennasiger Jäger aus Kurpfalz zu „185 Tagen buntem Non-Stop-Programm“ und 1800 Veranstaltungen ein. Zu meiner Ehrenrettung sei erwähnt, dass ich am 18. April zu Beginn der Veranstaltung im Luisen- und Herzogenriedpark gerade einmal vier Lenze zählte und am 19. Oktober, als die Blumenschau beendet wurde, meinen fünften Geburtstag gefeiert hatte. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind deshalb nicht nur sehr bruchstückhaft, sondern konzentrieren sich stark auf bestimmte Bereiche in den beiden Parks.

Ich gebe es zu: Ich hatte bei der Buga 1975 vor allem Augen für die Spielplätze in den beiden Parks. Dabei verschwimmen die Erinnerungen auch schon. Beim Besuch meines fast gleichalten Cousins, damals noch in der Neckarstadt-West und damit nur einen Steinwurf vom Herzogenriedpark entfernt zu Hause, besuchten wir oft gemeinsam den Park auf der anderen Seite des Neckars. Deshalb sind mir von dort noch die fahrbaren Modellautos im Schatten der Multihalle gut in Erinnerung. Für die Halle selbst hatte ich damals keine Augen.

Plastikbälle und Spritzpistolen

Auch der Wasserspielplatz mit den übergroßen Spritzpistolen war im Sommer ein Heidenspaß und hinter den Spritzern bildeten sich oft Warteschlangen, die ebenfalls bald auf einen Einsatz an der Düse hofften, um die großen Plastikbälle in Richtung der gegenüberliegenden Wand zu treiben. Bei meinem letzten Besuch im Park kurz vor der Pandemie waren die Spielzeuge abgeschaltet. Ob aus Kostengründen oder wegen eines Defekts, das weiß ich nicht. Vor ein paar Jahren haben sie zumindest noch funktioniert. Ein echter Publikumsmagnet waren sie an diesem Tag allerdings auch nicht mehr.

Ein paar Schritte davon entfernt der eigentliche Höhepunkt für mich im Herzogenriedpark: die große Seilpyramide – bis ganz nach oben habe ich mich damals übrigens nicht getraut – mit den herrlich federnden Matten auf allen Ebenen und das Höhlen-Labyrinth darunter, dass sich so herrlich zum Fangen-Spielen eignete. Gefühlt sausten mein Cousin und ich praktisch den ganzen Tag durch die Gänge mit den verschiedenen Öffnungen. Spielkameraden gab es dort sowieso in Hülle und Fülle.

Die erste Seilbahn

In die Neckarstadt waren wir zuvor oft genug mit dem Aerobus gefahren – der ersten Seilbahn am Mannheimer Himmel. Rund 2,2 Millionen Passagiere sollen die knapp 20 Meter langen Fahrkabinen damals befördert haben. An Fahrten wieder zurück zum Fernmeldeturm mit der „Eisenbahn am Himmel“ kann ich mich hingegen nicht mehr erinnern. Der Einstieg am Turm, die Fahrt über den Neckar am Rande der Kurpfalzbrücke und auch die kurze Strecke durch die Max-Joseph-Straße tauchen hingegen immer mal wieder in meinem Gedächtnis auf. Eine Seilbahn gibt es auch bei der Neuauflage der Bundesgartenschau, die am 14. April beginnt.

Der Luisenpark hatte schon damals deutlich mehr zu bieten. Neben mehr Spielgelegenheiten natürlich auch die Fahrt mit den Gondolettas auf dem Kutzerweiher und die wahrscheinlich schon damals um Futter bettelnden Karpfen mit einer Maulgröße, die einen Fünfjährigen schwer beeindruckte. Ein Angler wurde nicht aus mir. Ein Baggerfahrer allerdings auch nicht, obwohl dieses Spielgerät auf dem Matschspielplatz in der Nähe des Freizeithauses ebenfalls einer meiner bevorzugten Aufenthaltsorte war. Herrlich matschen konnte man übrigens auch am Burgspielplatz ein gutes Stückchen entfernt. Damals waren die Klettergerüste im Übrigen noch nicht mehrfach gesichert. An Unfälle kann ich mich trotzdem nicht erinnern. Und falls mir damals doch etwas passiert sein sollte, dann sind die Tränen mittlerweile getrocknet.

Die Rolle seines Lebens

Am allermeisten haben mich damals aber die nur von einem sehr großen und stabilen Netz zusammengehaltenen Gummibälle auf der Freizeitwiese fasziniert. Ein Spielgerät, bei dem Tüv-Mitarbeiter heute wahrscheinlich Schnappatmung bekommen würden. Überhaupt verbrachte ich wahrscheinlich die allermeiste Zeit deshalb auf der Freizeitwiese und ich habe die Bundesgartenschau als eine glückliche Zeit und einen immerwährenden Sommer in Erinnerung. Und einen Jäger von Kurpfalz, den 2013 verstorbenen Mannheimer Entertainer Fred Reibold, der damit die Rolle seines Lebens gefunden hatte. Besondere Blumenarrangements suche ich in meinem Gedächtnis allerdings vergebens. Doch es gab sie, ganz sicher.

Der Autor

Volker Endres (52) ist seit 1998 freier Mitarbeiter der „Rheinpfalz“. Der gebürtige Mannheimer wohnt in Neckarau und ist für uns rechts und links des Rheins unterwegs.

Schnappschuss in den 70ern am Weiher des Herzogenriedparks: Volker Endres (rechts) mit Cousin.
Schnappschuss in den 70ern am Weiher des Herzogenriedparks: Volker Endres (rechts) mit Cousin.
Und noch mal die beiden in Farbe: Kein Spielplatz war damals vor ihnen sicher.
Und noch mal die beiden in Farbe: Kein Spielplatz war damals vor ihnen sicher.
Und so sieht unser Autor Volker Endres heute aus.
Und so sieht unser Autor Volker Endres heute aus.
Eine Seilbahn gab es auch schon bei der Bundesgartenschau 1975.
Eine Seilbahn gab es auch schon bei der Bundesgartenschau 1975.
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