Ludwigshafen Blues für Charlie

Orgelstücke für vier Hände (und Füße) sind selten, Orgelstücke, die nicht zur Erbauung der Gläubigen gedacht, sondern spaßig sind, erst recht. Iris und Carsten Lenz, Kirchenmusiker-Ehepaar aus Wiesbaden, verbinden beides. In der protestantischen Kirche in Mutterstadt waren sie mit einem „Orgelkonzert mit Spaßgarantie“ zu Gast.
Wo findet man solch heitere Orgelstücke? Vor allem in den USA, dort scheint man einen weltlicheren Umgang mit der „Königin der Instrumente“ zu pflegen. Schließlich gehört auch die Kino-Orgel mit ihrer Begleitmusik zu Stummfilmen zur populären Kultur Amerikas. Aber auch deutsche Orgelschwergewichte waren nicht immer nur ernst: Das dritte Stück des Programms, „Anna Magdalena’s March“, von Johann Sebastian Bach als Klavierstück für seine zweite Frau komponiert und vom amerikanischen Organisten Clarence Dickinson für die Orgel bearbeitet, war dafür ein Beispiel. Carsten Lenz spielte das kurze Stück in hohem Tempo. Mit einem Marsch hatte das Konzert auch begonnen, ein „Royal March“ des amerikanischen Lehrers, Liedermachers und Schriftstellers Septimus Winner, uns vor allem als Erfinder der „Zehn kleinen Negerlein“ bekannt. Laut, fröhlich und forsch war dieser Marsch, gespielt mit vier Händen und Füssen. Von Dudley Buck, ebenfalls Amerikaner und zwölf Jahre jünger, waren die Orgelvariationen über ein Volkslied, von Gordon Balch Nevin eine eher leichtfüßige Toccata, beides als Solo von Carsten Lenz. Beide Organisten spielten als Duo dann eine Reihe kurzer Salonstückchen, von Klavierlehrer Gustav Schlemüller im 19. Jahrhundert in Leipzig für die „höhere Tochter“ komponiert. Iris Lenz hatte eine solche mitgebracht, die Handpuppe Lucy, mit deren Händen sie spielte. Das konnte man genau sehen, denn das Spiel von Händen und Füssen wurde vom Orgeltisch auf die Leinwand übertragen. „Damit endlich die Frage beantwortet wird: Was macht der Organist denn da oben?“, so Carsten Lenz. Zwei richtige Stummfilm-Stücke für die Kino-Orgel, gespielt von Carsten Lenz, waren auch dabei, das eine von René de Boisdeffre war für Naturszenen mit fließenden Bächlein gedacht, das andere von Louis Maurice für eine laszive Orient-Tanzszene. Der amerikanische Orgelprofessor Robin Dinda hat auch Musik für seine Haustiere komponiert, etwa den Blues für Hund Charlie. Auf dem Foto auf der Leinwand schmachtet der Spaniel sein Herrchen an, es hat ihm wohl gefallen. Zum Schluss bot das Duo eine eigene Komposition von Carsten Lenz: Die Melodie von „Zum Geburtstag viel Glück“ reiste quer durch die Musikgeschichte vom Barock über Mozart bis ins 19. Jahrhundert. Eindrucksvoll eine Version im schottischen Dudelsack-Sound, natürlich auf der Orgel.