Ludwigshafen Berstende Energie

Ein Feuerwerk an soul- und funk-geladener Jazz-Energie hat das James Carter Organ Trio in der Mannheimer Alten Feuerwache gezündet. Auch eine Hommage an einen der großen Musiker des Jazz war im Programm. Carter spielte einige Stücke von Django Reinhardt.
Mit 17 ging der Saxophonist aus der Talentschmiede von Wynton Marsalis hervor, spielte in der Charles Mingus Band, dem Lincoln Centre Jazz Orchestra und bei Lester Bowie, bevor er mit seiner eigenen Band den Durchbruch schaffte und sich mit seiner beherzten, rauen und wilden Spielweise einen Namen machte. Längst gehört Carter zu den Großen des Jazz. „Ich habe allergrößten Respekt vor der Jazztradition, aber ich möchte sie remixen und mit der Zukunft der Musik in Einklang bringen“, sagt Carter. In seinem Organ Trio verbindet er Jazz, Soul, Gospel und Blues mit einer schier unerschöpflichen Spielfreude. Am Sopransaxophon eröffnete Carter den Abend mit einer Reinhardt-Nummer: Der volle, sonor blühende Ton erinnerte an Sidney Bechet, erst recht in der großen Gesanglichkeit, mit der er die Ballade musizierte. Hymnisch vibrierende Melodien, die ein seliges Lächeln in sich tragen, intonierte er dabei. Jede Menge Soul ist in dieser Musik, nicht zuletzt durch die historische Hammond-B3-Orgel, der Gerard Gibbs unwiderstehliche Klänge entlockte. Dunkel schummrige Sounds waren dies, Bassgrooves am Pedal und flirrende Manualläufe. Gibbs und Carter sind zwei Virtuosen, die sich nur zu gerne gegenseitig hochschaukeln, sich herausfordern im Frage-Antwort-Spiel. Die Musik, verbindet Glut und Eleganz, Verwegenheit und dunkle Sinnlichkeit. Elmar Frey am Schlagzeug war der ausgleichende Part zwischen kden beiden, setzte aber auch eigene Akzente mit fein pulsierendem Spiel und tanzenden Beats. Sopran-, Alt- und Tenorsaxophon spielt Carter mit der gleichen Meisterschaft. Überschäumende Spiellust entwickelte er mit seinen furios aufgewirbelten Linien, jonglierte mit Motiven und Zitaten der Jazzgeschichte. Mit Zirkularatmung baute er endlose Steigerungen auf, ließ sein Instrument röhren, kreischen und zwitschern, dass es eine Freude war. Geballte Blueslust gab es neben wunderbar leicht wirbelnden Walzerthemen. Auch Balladen boten keinen Anlass zum Entspannen. Dann brannten die Melodien in rauem, berstendem Ton, entwickelten eine Energie, welche das Ruhevolle der Vorlage zu einem Aufruhr der Seele machte.