Ludwigshafener Geschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Autos kommen anfangs in der Stadt nur schwer ins Rollen

Ausfahrt: Carl Benz (vorn) und Gesellschafter Friedrich von Fischer im Patentmotorwagen.
Ausfahrt: Carl Benz (vorn) und Gesellschafter Friedrich von Fischer im Patentmotorwagen.

Der Ingenieur Carl Benz erfand 1885 in Mannheim das Auto. Doch ausgerechnet in Mannheim und Ludwigshafen kam es im Alltag nur schwer in die Gänge: Als 1909 das „Deutsche Automobil-Adressbuch“ erstmals alle Autos und Motorräder in Deutschland zentral erfasste, listete es in beiden Städten zusammen gerade mal einige Dutzend Kraftfahrzeuge auf.

Das „Deutsche Automobil-Adressbuch“, das zum Bestand der Universitäts-Bibliothek der Technischen Universität Braunschweig gehört, wurde erst zu Beginn des 21. Jahrhunderts eingescannt und damit digital verfügbar, aber noch nicht durchsuchbar. Mitglieder des Vereins für Computer-Genealogie schufen nun mit dem Material von ursprünglich 1210 Seiten eine Datenbank, in der jeder Besitzer eines Autos oder eines Kraftrads mit Wohnort und Beruf aufgelistet ist, sofern er 1909 in Preußen und anderen Gebieten des ehemaligen deutschen Reiches lebte.

Rund 45.000 Auto- und Motorradbesitzer waren dort vor 115 Jahren eingetragen. Heute sind in Deutschland insgesamt 69,1 Millionen Kraftfahrzeuge inklusive Anhänger erfasst. Am 1. Januar 2024 besaßen hierzulande 51,1 Millionen Einwohner einen Führerschein – 28,3 Millionen Männer und 22,8 Millionen Frauen. Während ein Auto zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch ein exklusiver Luxusartikel war, gehört es heute für viele zum normalen Besitzstand.

Das „Automobil-Adressbuch“ von 1909 registrierte für die Pfalz 547 Einträge. Etwa 15 Prozent der Fahrzeuge zwischen Rhein und Saar wurden als Luxus-, Vergnügungs- und Sportfahrzeuge eingestuft – deutschlandweit sogar etwa 25 Prozent. Die Hälfte aller deutschlandweit registrierten Kraftfahrzeuge waren damals Motorräder, acht Prozent galten als „Geschäftsfahrzeuge“ und sechs Prozent als „berufsbedingte Dienstwagen“. Die meisten amtlich erfassten Autos und Motorräder rollten 1909 in der damaligen Rheinprovinz (4896).

Sparsamer Bierbrauer

Das Handbuch nennt nicht nur Zahlen, sondern namentlich auch jeden Autobesitzer mit Wohnort, Straße, Hausnummer und Beruf. Demnach gab es 1909 in Ludwigshafen drei Luxusfahrzeuge, sieben Firmenautos und 14 Motorräder. Bei einem Vehikel fehlt die Zuweisung zu einem bestimmten Verwendungszweck. Möglicherweise ist die Statistik zum Teil auch fehlerhaft, denn dem Ludwigshafener Fabrikanten Friedrich Raschig werden gleich drei Luxusautos zugeschrieben. Raschig soll privat indes nur ein Auto der Extraklasse besessen haben.

Solche kostspieligen Fahrzeuge hatten auch die Unternehmer Michael Nilhas und Otto Zimmermann sowie der Holzhändler Philipp Moser. In den damals noch selbstständigen Gemeinden zwischen Oppau und Rheingönheim lebten nur wenige wohlhabende Menschen, die sich ein luxuriöses Auto leisten konnten. In Mundenheim war es als einziger der Kaufmann Ludwig Orth. Der Oggersheimer Bierbrauer Heinrich Mayer erledigte seine Dienstfahrten dagegen mit dem Motorrad, ebenso hielt es der Rheingönheimer Fabrikant Eduard Wöllner.

Immerhin einen firmeneigenen Dienstwagen nutzten etwa Friedrich Raschig, der damit seine Luxuskarosse schonte, Fabrikdirektor Paul Rössinger aus Friesenheim sowie die Ärzte Paul Scholz (Oppau) und Adolf Hafen (Oggersheim).

In Mannheim rollten fünf Luxusautos durch die Stadt. Sie gehörten den Fabrikanten Karl Lanz, Heinrich Vögele, Karl Reuther und Alois Bender sowie Wasserbau-Ingenieur Oskar Smeker, der auch für die Stadt Ludwigshafen tätig war.

x