Ludwigshafen
„Ansprechbar@Matthäus“: Neues Angebot für Menschen im Stadtteil West
„Sie sehen eine glückliche Pfarrerin.“ Mit diesen Worten begrüßt Kerstin Bartels die zahlreichen Gäste, die am Donnerstagnachmittag zum Start des neuen Projekts „Ansprechbar@Matthäus“ in die gleichnamige Kirche in West gekommen sind. Bartels freut sich über ein neues Angebot für die Bewohner im Quartier: Eine niedrigschwellige Anlauf- und Koordinierungsstelle für Menschen in Not in West/Schlachthof, die dank einer Kooperation von Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Diakonischem Werk und Evangelischer Kirche Ludwigshafen möglich geworden ist.
Vier hauptberufliche Mitarbeiter sowie ein überwiegend ehrenamtlich engagiertes Team der protestantischen Jona-Kirchengemeinde und andere Partnerorganisationen sind in und an der Kirche ab sofort ansprechbar für Menschen aller Alters- und aller Bevölkerungsgruppen. „Wir wollen hier Dinge entwickeln“, sagt Pfarrerin Bartels. Die Menschen in West seien der Grund gewesen, dass sich die Kirche nicht aus diesem Stadtteil zurückgezogen habe. Da der Bürgertreff West in der Valentin-Bauer-Straße zum Jahresende geschlossen wird, weil die Finanzierung ausläuft, kommt die neue Anlaufstelle in der Kirche genau zum richtigen Zeitpunkt.
Mit Lebensmitteln und Kleidern gestartet
Mit einem Mitmachgarten und den Projekten „Essbar“ und „Tragbar“ wird schon seit drei Jahren vorwiegend bedürftigen Menschen geholfen. Lebensmittelspenden und Bekleidung werden in einer Garage in der Waltraudenstraße ausgegeben. Jetzt kommt noch das Beratungsangebot „Ansprechbar“ in der Kirche hinzu. Hier soll Kerstin Bartels zufolge ein Raum für Begegnung und nachbarschaftliches Miteinander entstehen. „Wir wollen Vielfalt leben und erproben neue Formen der Nutzung des Kirchenraums.“
Albrecht Bähr, protestantischer Landespfarrer für Diakonie, ist begeistert von dem Projekt und der Atmosphäre in der Matthäuskirche, die er nach eigenen Angaben zuletzt vor Jahrzehnten als Schüler des Theodor-Heuss-Gymnasiums besucht hatte: „Alles ist unkompliziert, herzlich und freundlich. Das gefällt mir.“ Neben einem Projekt in Pirmasens sei die Matthäuskirche ein zweiter großer Standort der Landeskirche, um das Leben im Sozialraum zu gestalten. Für Bähr ist das auch ein Symbol dafür, Kirchenräume für die Menschen zu nutzen.
Minister sagt Teilnahme ab
Heike Troue, Vorständin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, sprach von einem tollen Konzept: „Man holt hier das Dorf in die Stadt.“ Stadtdekan Paul Metzger zitierte aus der Bibel: „Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt.“ Als Kirche wolle man ansprechbar und für alle Menschen da sein, betonte Metzger.
Das rheinland-pfälzische Sozialministerium fördert das Beratungsangebot rund um die Matthäuskirche. Zum offiziellen Start am Donnerstag hatte Minister Alexander Schweitzer (SPD) seine Teilnahme allerdings kurzfristig abgesagt.