Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Streit wegen Buslinie: Zwei Stadtdörfer abgehängt

Die Linie 540 wird um Mörzheim einen Bogen machen.
Die Linie 540 wird um Mörzheim einen Bogen machen.

Der Kreis ändert den Verlauf einer Buslinie – plötzlich werden Mörzheim und Wollmesheim nicht mehr vom regionalen Verkehr angefahren. Das hat in Landau für Unmut gesorgt. Die Verantwortlichen haben gute Gründe für ihre Entscheidung.

Wer öffentliche Verkehrsmittel nutzt, ist auf die Pünktlichkeit von Bus und Bahn angewiesen. Wer beispielsweise in Klingen in einen Bus steigt, muss darauf vertrauen, dass dieser rechtzeitig am Landauer Hauptbahnhof ankommt – sonst ist der Anschlusszug Richtung Neustadt oder Karlsruhe passé. Doch das war auf der Buslinie 541 von Bad Bergzabern über Billigheim-Ingenheim nach Landau immer seltener der Fall. Die Verspätung am Zielort betrug bis zu acht Minuten, sagt Jan Demand, der Verantwortliche des Busunternehmens Demand für den Bereich. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe.

Einer ist die Schlösselkreuzung in Landau, an der die mittlerweile geschlossene bft-Tankstelle liegt. Sie ist überlastet. Das Warten kostet den Bus Zeit. Der andere Grund ist die neue Umgehung bei Impflingen. Der von Billigheim-Ingenheim kommende Bus muss Richtung Rohrbach von der Umgehung runter und einen Bogen ins Dorf schlagen. Auch hier gehen Minuten verloren. Das hat die Kreisverwaltung zusammen mit dem Busunternehmen gelöst. Mit der Folge, dass die Linie 540, von Bad Bergzabern über Göcklingen nach Landau, jetzt Mörzheim und Wollmesheim links liegen lässt. Das macht nicht alle glücklich. Beispielsweise den Mörzheimer SPD-Stadtrat Hannes Kopf. Er hält das Verhalten des Kreises gegenüber dem Stadtdorf für „nicht nachvollziehbar“ und „nicht kooperativ“.

Kreis hat drei Möglichkeiten

Der Kreis verteidigt die Entscheidung. Die Planung muss die Anschlüsse am Bad Bergzaberner Bahnhof zur vollen Stunde und die Anschlüsse in Landau immer um 38 Minuten nach jeder vollen Stunde berücksichtigen. Man brauche nicht über einen Deutschland-Takt zu reden, wenn man so etwas lokal nicht hinbekomme, sagt Landrat Dietmar Seefeldt. Das wäre eine „Bankrotterklärung“.

Es gebe drei Möglichkeiten, mit solchen Verspätungen umzugehen, sagt Lothar Zimmermann. Er ist bei der Kreisverwaltung für den ÖPNV verantwortlich. Erstens: Den Fahrplan ändern und realistische Zeiten angeben. Das löse aber nicht das Problem der Menschen, die ihre Anschlüsse verpassen. Zweitens: eine neue Busroute aus der Taufe heben. Das Land finanziere zwar Schnellbusrouten, aber nur bei Neuausschreibungen. Das löst ebenfalls das Problem nicht. Drittens: Linien ändern, um das Ziel zu erreichen. Und das wird hier gemacht.

„Geben und nehmen“

Die 541 fährt nun um Impflingen und soll es so schaffen, die Menschen pünktlich am Landauer Bahnhof abzusetzen. Die 540 fährt Impflingen an – dafür aber nicht die beiden Landauer Stadtdörfer. „Wir reden hier von einer Veränderung“, sagt Seefeldt. Veränderungen brächten Positives und Negatives. Für die Billigheim-Ingenheimer gebe es nun eine schnellere Route nach Bad Bergzabern, zudem ist das Dorf wegen einer weiteren Änderung nun direkt ans Pfalzklinikum angebunden. Der Kreis sei in vorderster Linie für seine Bürger da, die Kreisgremien haben einstimmig über Parteigrenzen hinweg die Änderung beschlossen – und die betreffenden Busse werden zu rund vier Fünfteln vom Kreis bezahlt, sagt Seefeldt. Es handele sich um ein Geben und Nehmen – von den Ende Januar gültigen Änderungen auf der Linie 531 Silz – Landau profitierten vor allem die Arzheimer.

Stadt will kompensieren

Wie nur im Hintergrund zu hören ist, gab es wegen der Entscheidung Streit zwischen Stadt und Kreis. Öffentlich glättet man die Wogen. Die Stadt kündigt auf Anfrage an, die ausfallenden Linien zu kompensieren, teilt die Pressestelle mit. „Eine Weiterführung dieser Linie nach Bad Bergzabern eventuell über Klingenmünster ist eine schöne Idee, die wir mit dem Landkreis gerne besprechen würden.“ Zudem sei eine weitere Verbesserung geplant: Mit Start des Landau-Takts Mörzheim werden in Mörzheim und weiteren Stadtdörfern ergänzende „On-Demand“-Busse angeboten.

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