Landau Rundsporthalle wird zur Flüchtlingsunterkunft

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Ab 1. Dezember wird die Rundsporthalle in Landau gesperrt, bis 4. Dezember muss sie komplett geräumt werden: Wie berichtet (Ausgabe vom 5. November), hat sich der Hauptausschuss ungern, aber einstimmig dafür ausgesprochen, die Dreifeldhalle mit zusätzlichen Sportmöglichkeiten auf der Galerie (Boxen, Ringen) und an einer Kletterwand rechtzeitig vor dem Winter für 270.000 Euro so umzubauen, dass darin Flüchtlinge untergebracht werden können. Grund ist, dass nun auch in Landau der Wohnungsmarkt leergefegt ist. „Da alle Turn- und Sporthallen nach dem Schulsportbetrieb fast voll belegt sind, können wir Ihnen nur in sehr begrenzten Maßen Alternativen anbieten“, schreibt das Schul- und Sportamt an die Betroffenen. Die reagieren bisher mit viel Verständnis. „Wenn wir sie nicht stören, stören die Flüchtlinge uns nicht.“ Manfred Knoll von der Boxabteilung des ASV Landau hatte zunächst noch gehofft, dass die Galerie der Halle nicht benötigt würde. Inzwischen weiß er es besser, aber zumindest hat ihm das Sportamt die Süwega-Halle als Ausweichquartier genannt. „Naja, ist nicht optimal, aber besser als nichts“, sagt Knoll, „wir sind ja nicht so anspruchsvoll.“ Soll heißen: Vier Löcher im Boden reichen, um den Trainingsring aufzustellen, und ein paar Aufhängungen für Sandsäcke wären auch noch nötig. Ansonsten muss es Platz geben für Schränke mit Material. Laut Knoll kommen zu jedem der drei wöchentlichen Trainings gut 30 Sportler und meistens auch der Bundestrainer des Olympia-Stützpunkts Boxen in Heidelberg, Valentin Silaghi. „Ich muss nur 48 Heimspiele ab 1. Dezember anderweitig unterbringen.“ Spielleiterin Regina Schönhöfer von den Handballern im ASV übt sich zunächst in Ironie. Sie betreut die Spielgemeinschaft Landau-Land und braucht die größte verfügbare Halle. Spielfelder von 40 mal 20 Metern gibt es nur in der Rundsporthalle und in der Sporthalle des Schulzentrums Ost, außerdem in der neuen BBS-Halle, doch „die ist für Zuschauer nicht geeignet“. Zu den Spielen kämen regelmäßig 60 bis 100 Zuschauer. „Ich bin selbst schon auf der Suche“, sagt Schönhöfer. Die Handball-Kollegen aus Offenbach hätten schon Unterstützung signalisiert, die Jugendspiele könnten in Bornheim ausgetragen werden und beim Training könnten erste und zweite Mannschaft zusammenrücken, aber insgesamt sei sie „noch ziemlich ratlos“. Wenige Tage später ist sie das nicht mehr: Stefan Pfirrmann vom Sportamt habe ihr für fast alle Heimspiel- und Trainingszeiten Lösungen angeboten. Schönhöfer: „Er hat uns gut betreut.“ Die Leichtathleten des TV 1913 Nußdorf haben sich in der Rundsporthalle einen Kraftraum eingerichtet und zusammen mit den Athleten des ASV Landau genutzt, so Lothar Grimmeißen. Einen Teil der Geräte können sie in einer Umkleide in ihrem Vereinsheim unterbringen. Das Training der Leistungs- und der Wettkampfgruppe will Grimmeißen in die Leichtathletikhalle in Ludwigshafen verlegen, was allerdings Hallenmiete und viel Fahrtzeit kostet. Ansonsten soll das Stadion genutzt werden, wann immer es die Witterung zulässt. Grimmeißen macht auch noch ein Angebot: Sicherlich bestehe die Möglichkeit, den einen oder anderen Bewohner der Rundsporthalle in den Sport zu integrieren. Jochen Wetter, der Leichtathleten im ASV Landau betreut, erklärt, dass bei seiner Leistungssportgruppe unter anderem mit Oleg Zernikel und Lamin Krubally das Training sehr komplex sei: Kraftraum, Lauftraining und Stabhochsprung müssten zwingend in fußläufiger Entfernung möglich sein. Als Ersatz kämen daher nur die Schulhallen des MSG und des OHG infrage. Zeit und Kosten ungeachtet, will Wetter häufiger nach Karlsruhe fahren und beim Hallentraining teils auch mit dem TV Bad Bergzabern kooperieren. Im Sommer sehe er weniger Probleme. Problematisch sei insbesondere der Wegfall von Trainingsmöglichkeiten an Wochenenden. Er hofft, dass der Ersatz für die Rundsporthalle möglichst bald gebaut wird. Hans-Peter Hertel, Vorsitzender des Turnvereins 1861 im ASV Landau, hat einen Brief an die Stadt geschrieben, in dem er sehr sachlich den jeweils unterschiedlichen Bedarf der Übungs- und Abteilungsleiter im Verein schildert und Lösungsvorschläge macht, welche anderen Hallen geeignet wären. Er fordert dies nicht, weist aber darauf hin, dass dann teilweise andere Nutzer weichen müssten. Zudem schildert er, dass der Verein auch Unterstellmöglichkeiten am selben Ort für Sportgeräte benötige, beispielsweise für mehrere Trampoline und Rhönräder. Einen Kraftraum will der TV in seinem Turnerheim im Spitalmühlweg aufbauen und dafür eine von zwei Umkleiden aufgeben. Falls ein Raum im MSG oder OHG für einen Kraftraum zur Verfügung stehen sollte, „wären wir sehr dankbar, da wir die Geräte des TV Nußdorf aus Platzmangel bei uns nicht unterbringen können“, schreibt Hertel. Die Teilnehmer des Modellprojektes „Laufen gegen Depression“müssten nun auch im Winter die Umkleiden im Stadion nutzen. Hertel bittet um Prüfung, ob die südlichen Flutlichter des Kunststoffnebenfeldes nicht gedreht werden könnten, um das Stadion auszuleuchten. Das Licht wäre für alle Läufer eine Bereicherung. Andreas Doll, Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums, teilt mit, dass seine Schule 44 Sportstunden in der Rundsporthalle hatte. Darüber, wie es weitergehe, werde wohl die Stadt am besten Auskunft geben können. Ganz ähnlich beurteilt Jochen Flohn die Lage, der Schulleiter des Max-Slevogt-Gymnasiums. Die Konrad-Adenauer-Realschule (Kars) plus stellt sich „der großen gesamtgesellschaftlichen Herausforderung“, sagt Schulleiter Manfred Schabowski, „wir schaffen das alle gemeinsam.“ Die eigene Sporthalle reicht nicht, um den Sportunterricht aller Jahrgangsstufen abzudecken. Vermutlich müsse mehr Sportunterricht auf den Nachmittag gelegt werden, sagt die stellvertretende Schulleiterin Regina Sersch, die auch die Stundenpläne aufstellt und zu deren kompletter Überarbeitung gerne bereit ist. „Die Sportkollegen überlegen auch Inhalte, für die sie keine Hallenkapazitäten benötigen“, sagt sie. Schabowski, der selbst Sport unterrichtet, nennt Themen wie Sportregelkunde als Beispiel und denkt über neue Formen nach, beispielsweise Sporttage oder mehr Projekte wie die Fußballnacht. Sersch schlägt vor, dass ältere und jüngere Schüler sich Hallenkapazitäten teilen und die älteren eher Hilfestellung leisten, als selbst aktiv zu werden. „Es ist Aufgabe von Schule, Herausforderungen positiv zu bewältigen“ sagt Schabowski und lobt die gute Zusammenarbeit mit der Stadt. Für den Verein zur Bewegungsförderung und Psychomotorik in Landau erklärt Karin Reth-Scholten, er habe genügend Ausweichmöglichkeiten in anderen Hallen.

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