Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Geothermiekraftwerk soll komplett erneuert werden

Auf dem vorderen Grundstücksteil des Kraftwerks gibt es noch viel ungenutzten Platz.
Auf dem vorderen Grundstücksteil des Kraftwerks gibt es noch viel ungenutzten Platz.

Mit gemischten Gefühlen, aber überwiegend positiv reagiert der Bauausschuss des Stadtrats auf Pläne des neuen Eigentümers, das Geothermiekraftwerk in Landau komplett zu erneuern und eine dritte Bohrung anzulegen. Nur die Pfeffer&Salz-Fraktion will von dem Thema partout nichts mehr hören.

„Wir hatten uns eine Erfolgsgeschichte gewünscht“, sagte Andrea Kleemann (Pfeffer & Salz) in der digitalen Ausschusssitzung, stattdessen habe es jahrelang Ärger mit dem Kraftwerk gegeben. „Wir sind zu keinen Zugeständnissen bereit.“

Vorausgegangen war eine Präsentation von Gregor Gruber, dem Geschäftsführer des neuen Kraftwerkseigentümers IKAV. Unter den bis zu 50 Zuhörern war auch Jörg Uhde, Geschäftsführer der Pfalzwerke-Tochter Geofuture, die das Nachbarkraftwerk in Insheim betreibt. Gruber und sein Projektleiter Andre Losonsky versicherten, Fehler der Vergangenheit in Zusammenarbeit mit dem Bergamt beseitigen zu wollen. Ein ordnungsgemäßer Betrieb habe oberste Priorität. IKAV verfolge eine langfristige Strategie – „Wir kommen, um zu bleiben“ – und werde das Kraftwerk daher selbst betreiben. Das sei auch im Interesse jener deutschen Pensionskassen und Versicherungen, mit deren Geld das Unternehmen arbeitet. Man habe bereits zweistellige Millionenbeträge in Geothermie investiert und sei bereit, in den kommenden fünf Jahren weitere „signifikante Beträge“ hineinzustecken.

Mehr Wärmeabgabe möglich

Gruber nannte als Ziel, die Wärmeabgabe des Kraftwerks, das derzeit ganz überwiegend Strom erzeugt, deutlich auszubauen und die Kraftwerksleistung auf das ursprünglich geplante Niveau anzuheben. Nach Angaben der Energie Südwest (ESW) konnte das Kraftwerk früher etwa 4,5 Millionen Kilowattstunden Wärme pro Jahr für das Fernwärmenetz Vauban und Ebenberg liefern. Inzwischen sei der Bedarf durch die Neubauten am Ebenberg gewachsen. Für 2021 rechnet ESW mit einer Wärmelieferung in Höhe von etwa 2,5 Millionen Kilowattstunden. Wenn das Kraftwerk wieder auf dem ursprünglich geplanten Niveau laufen und die Wärmeauskopplung entsprechend ertüchtigt würde, könnten es acht Millionen Kilowattstunden werden. Das wäre die Hälfte dessen, was ESW dieses Jahr an Nachfrage aus ihrer Heizzentrale mit zwei Blockheizkraftwerken (einschließlich einer geringen Wärmelieferung aus der Geothermie) in Landau Süd erwartet.

Eine höhere Energieausbeute aus Erdwärme wäre durch eine Überarbeitung der schlechten Reinjektionsbohrung (durch die das Thermalwasser zurück in den Untergrund gepresst wird) möglich, sagte Gruber. Doch das Bergamt habe den Vorschlag einer dritten Bohrung gemacht. Zusätzlich soll der überirdische Kraftwerksteil umfassend modernisiert werden. Dafür hat das Unternehmen den Landauer Architekten Uwe Knauth engagiert und bereits eine Bauvoranfrage gestellt. Für den Umbau könnte das Unternehmen den vorderen, ungenutzten Teil seines Grundstücks nutzen, aber dann würde es näher an die Wohnbebauung heranrücken. Das Bauamt habe daher vorgeschlagen, im Süden zu bleiben und eines der beiden Nachbargrundstücke einzubeziehen. Außerdem soll möglicherweise die Lithium-Gewinnung, wie sie auch im Kraftwerk Insheim erwogen wird, künftig zu den Kraftwerksergebnissen beitragen.

Bauamtsleiter Christoph Kamplade verspricht sich von einem Neubau im hinteren Bereich eine städtebauliche Entspannung und weniger Lärm. 50 bis 100 Meter könnten da schon viel ausmachen.

Schutz gegen Schäden

Das Landauer Kraftwerk fördert derzeit etwa 50 Liter 159 Grad heißes Wasser pro Sekunde; doppelt so viel wäre möglich, wenn die schlechte zweite Bohrung nicht den Durchfluss begrenzen würde. Eine mögliche dritte Bohrung soll nur dazu dienen, das genutzte Wasser wieder in den Kreislauf zurückzuführen; eine weitere Förderbohrung sei nicht geplant, so Gruber. Bei der Nahwärme sei eine Verdopplung oder Verdreifachung möglich, bei der Stromproduktion könne die derzeitige Leistung von 2,2 Megawatt verdoppelt werden.

Derzeit hat das Kraftwerk einen Versicherungsschutz in Höhe von 50 Millionen Euro, sagte Gruber auf die Frage von Peter Lerch (CDU). Nach Grubers Angaben drängen Bergamt und Wirtschaftsministerium aber auch darauf, dass es sich einem gemeinsamen Fonds aller Bergbauunternehmen in Deutschland beitritt, die im Großschadensfall füreinander eintreten würden.

Nahwärme für neues Stadtviertel?

Dass das Kraftwerk über den Boden Schall verbreitet, wonach Klaus Eisold (SPD) gefragt hatte, erwartet Losonsky nicht. Die Frage zielt auf tieffrequenten Lärm. Wie wiederholt berichtet, klagen einige Menschen in der Region über einen mysteriösen Brummton, dessen Ursache bis heute nicht ermittelt ist. Ein Lärmgutachten soll belegen, dass das Kraftwerk nicht zum Problem für die Nachbarschaft wird.

Für Eisold ist die dritte Bohrung „wohl der richtige Weg“. Lea Saßnowsky (Grüne) kann sich vorstellen, dass das Kraftwerk das neue Stadtviertel im Südwesten mit Wärme beliefert und dadurch hilft, den Ausstoß von CO2 zu reduzieren. Wolfgang Freiermuth (FWG) hält die Geothermie grundsätzlich für eine feine Art der Energieerzeugung – zumindest, wenn sie problemlos laufe. Auch Pico Schmidt (Linke) sprach von einer innovativen Energiegewinnung. Norbert Herrmann (AfD) sagte, dass viele Schäden aus dem früheren Betrieb bis heute noch nicht reguliert seien.

x