Landau
Ein Mann wie ein Baum
Guido Sprenger ist zertifizierter Baumsachverständiger. Derzeit arbeitet er daran, ein Baumkataster für Bad Bergzabern zu erstellen. 400 der insgesamt 1200 Stadtbäume hat er bereits unter die Lupe genommen. Mit dem Zustand ist er recht zufrieden, aber der Hitzesommer vergangenes Jahr hat Spuren hinterlassen.
Von der Statur her passt er perfekt in sein Metier. Guido Sprenger ist ein Kerl wie ein Baum, Seit vielen Jahren ist der gelernte Forstmeister aus Bad Bergzabern quasi im Wald zuhause. Zurzeit hat der Ein-Mann-Betrieb einen besonderen Auftrag: Sprenger erstellt für die Kurstadt ein Baumkataster auf digitaler Ebene.
Von den rund 1200 Bäumen in Bad Bergzabern hat er schon rund 400 in seinem kleinen GPS-gestützten Computer abgespeichert. Ziel und Zweck des Katasters ist es, den Zustand eines jeden Baumes zu erfassen, damit bei anstehenden Pflegearbeiten das Gartenamt, die Verwaltung oder Fremdfirmen unkompliziert und schnell auf Informationen zurückgreifen können, so Sprenger – Alter, Art, Größe, Zustand und Pflegeempfehlungen, et cetera. Schließlich gehe es in erster Linie um die Verkehrssicherungspflicht der Stadt. Bricht ein morscher Ast ab und fällt auf ein Auto oder verletzt gar einen Menschen, ist die Stadt in der Haftung und muss Schadensersatz leisten.
In ausgehöhlten Baumstämmen finden Tiere Lebensräume
Die RHEINPFALZ trifft Sprenger auf dem alten Friedhof. Gut 25 alte Riesen beschatten das entrückte Fleckchen mit seinen sandsteinernen Grabsteindenkmälern aus der Steinmetzschule Sanwald. Der Forsttechniker hat gerade ein rund 60 Jahre alte Roßkastanie im Blick. Ein schöner Baum. Auf Brusthöhe jedoch ist ein gut 50 Zentimeter langer Hohlraum im Stamm. Grundsätzlich nicht weiter dramatisch, sagt Sprenger, doch dann steckt er den Zollstock in die Öffnung, schiebt ihn immer weiter nach oben, wo die intakte Rinde nach außen hin das Ausmaß verdeckt. Bei 1,20 Metern stößt Sprenger auf den ersten Widerstand.
Hier müsse demnächst gehandelt werden, meint Sprenger. Grundsätzlich sei der Baum zu retten, sagt der Fachmann, der im Badischen und im Saarland Seminare hält und von einer der drei großen Institutionen in Deutschland als Baumsachverständiger zertifiziert ist, der Forschungsanstalt für Landschaftsentwicklung und Landschaftsbau (FLL) mit Sitz in Heidelberg.
Er werde bei seiner Prüftour durch die Kurstadt derzeit oft von Bürgern angesprochen. Die hätten zumeist Sorge, dass er Bäume aussortiere, die dann gefällt werden sollten. „Das ist nicht so. Ich untersuche die Bäume nur auf ihren Zustand.“ Der Stadt gehe es um den Naturschutz, nicht ums Fällen. Der Bestand sei altersmäßig gut durchmischt und in recht gutem Zustand – zumindest die bisher von ihm erfassten Bäume. Mit der Innenstadt sei er bereits fertig, derzeit seien die Friedhöfe an der Reihe, danach folgen die Kuranlagen.
Die hohle Rosskastanie würde er – trotz ihres ausgehöhlten Stammes – auch nicht fällen, sagt Sprenger, höchstens etwas zurücknehmen. Er verweist erneut auf den Naturschutz. Solche Baumhöhlen seien ideale Plätze für Fledermäuse. Dabei zeigt er auch auf einen abgestorbenen, gut vier Meter großen Baumstamm: Dort finden Pilze, Flechten und der Specht ihr Zuhause. Im Übrigen seien die Bäume wichtig für das Kleinklima in der Stadt, weshalb der Erhalt Vorrang vor dem Fällen habe.
Und eines wird bei der Erstellung des Katasters auch ganz deutlich, so Sprenger: Der heiße Sommer vergangenes Jahr hat Trockenschäden an den Bäumen hinterlassen. Dabei findet er es prima, dass beispielsweise ein Anwohner des alten Friedhofs immer wieder mal seine Gießkanne schwingt. Das sei zwar prima, aber sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sprenger zeigt dabei auf eine große Eiche und erklärt: „So ein Baum zieht jeden Tag 800 bis 1000 Liter aus dem Boden.“