Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Die Schwanenweiher-Sanierung beginnt

Wer den Schwanenweiher nochmal in seiner gewohnten Form sehen will, sollte sich beeilen: Wenn das Wasser erst einmal weg ist, wi
Wer den Schwanenweiher nochmal in seiner gewohnten Form sehen will, sollte sich beeilen: Wenn das Wasser erst einmal weg ist, wird das lange so bleiben. Wahrscheinlich ist der See auch 2022 noch trocken.

Am Montag wird der Schwanenweiher abgesperrt – die Sanierung des toten Gewässers beginnt. Es ist einiges geplant. Der Stöpsel wird gezogen, danach geht’s ans Elektrofischen – und wenn das Wasser weg ist, wird es erst so richtig stinken.

In der kommenden Woche wird’s ernst im Landauer Schwanenweiher. Am Montag starten die Arbeiten zur Verkleinerung der Wasserfläche. Darüber informierten Umweltdezernent Lukas Hartmann (Grüne), der Chef des Umweltamts, Matthias Doll, sowie die Leiterin der städtischen Grünflächenabteilung, Sabine Klein, am Donnerstagmittag am Sorgenkind des Ostparks.

Es ist seit Jahren klar, dass etwas passieren muss: In der trockenen Sommerzeit kippt der Weiher regelmäßig oder steht zumindest kurz davor – in einigen Fällen konnte das Fischsterben durch die Einleitung von Wasser aus der Queich verhindert werden, in anderen nicht. Wobei das phosphathaltige Wasser der Queich zwar den Sauerstoffgehalt des Wassers angehoben hat, aber der Wasserqualität nicht gutgetan hat. Das erste große Sterben gab es im Sommer 2017 – kurz nachdem eine Mineralienkombination dem Wasser zugesetzt worden war, die eigentlich den Sauerstoffgehalt hätte erhöhen sollen. „Der Schwanenweiher ist ein ökologisch totes Gewässer“ – ein Allgemeinplatz in der Stadt.

„Wir ziehen den Stöpsel“

Wegen der Bauarbeiten wird im Ostpark ab Montag bis wahrscheinlich Mitte Februar großflächig abgesperrt – lediglich die Wege an der Ostbahn- und Rheinstraße sollen offen bleiben. Im ersten Schritt wird das Wasser aus dem Weiher abgelassen. „Wir ziehen den Stöpsel“, sagt Hartmann. Was zunächst wie ein Scherz klingt, wird von Klein konkretisiert: Es gibt eine Verbindung zwischen Weiher und Kanalisation in der Ludowicistraße. Die wird geöffnet und der Großteil des Wassers fließt ab.

Nun mag der Weher zwar ökologisch tot sein, aber dennoch gibt es noch Leben in ihm. Eine unbekannte Zahl kleinerer Fische schwimmt noch herum. Die meisten der großen Exemplare sind bei dem ersten Kippen des Weihers 2017 verendet. Die kleinen sollen mit der „schonendsten Fangmethode“ herausgeholt werden, berichtet Klein: Elektrofischen. So sei der Stress für die Tiere deutlich geringer als bei anderen Fangmethoden.

Fische werden umgesiedelt oder Futter

Der Plan der Stadtverwaltung: Zuerst wird ein Großteil des Wassers abgelassen und es gibt den ersten Stromstoß. Dann wird weiter Wasser abgelassen und es werden Gräben in den Weihergrund gezogen, in denen sich die Fische im stehenden Restwasser sammeln. Dann wird das Restwasser Graben für Graben unter Strom gesetzt, die Fische werden so betäubt und dann mit Keschern oder Netzen eingesammelt. Diejenigen, die zu heimischen Arten gehören, sollen unverzüglich umgesiedelt werden. Darunter: Rotaugen oder Karpfen. Doch es gibt auch Fische im Weiher, die nicht auf der Liste der heimischen Arten stehen – der Fachbegriff lautet Neozooen. Die Stadt geht davon aus, dass Blaubandbärblinge und Sonnenbarsche im Ostpark herumschwimmen. Sie wurden wahrscheinlich im Laufe der Jahre von Menschen in den Weiher gebracht, dürfen aber rechtlich hierzulande nicht ausgesetzt werden. Ihr Schicksal: Sie werden zu Futtermittel für die Tiere des Landauer Terrarien- und Wüstenzoos Reptilium.

Wenn das Wasser und die Fische weg sind, bleibt die im Schnitt circa einen Meter hohe Schlammschicht am Boden des Weihers übrig. Wegen ihr müffelt der Weiher derzeit ein wenig, aber ohne die Wassermasse über dem Schlamm wird der Gestank deutlich zunehmen – die Schicht fault schließlich. Deshalb werden die Arbeiten im Winter angegangen. Die Anwohner hätten die Fenster wegen der kühlen Temperaturen nicht die ganze Zeit offen, zudem werde der Ostpark um den Weiher herum von den Menschen nicht so ausgiebig genutzt wie in wärmeren Zeiten, begründet Klein. Die Schlammschicht sei eben Biomasse aus Brot, Entenausscheidungen, Blättern und Ablagerungen des phosphathaltigen Queichwassers.

Schlammschicht wird gekalkt

Nachdem das Wasser abgelassen ist, wird der Boden gekalkt. Der Brandkalk beschleunige die Umwandlung der organischen Schlammschicht in mineralische Bestandteile. Und das dauert eine ganze Weile – bis ins Winterhalbjahr, schätzt Klein. Das bedeutet: Der Schwanenweiher bleibt also nicht nur in diesem, sondern wahrscheinlich auch im kommenden Jahr trocken.

Der abgetrocknete Schlamm wird dann im Uferbereich als neue Landzunge eingebaut. Nebenbei verliere der Schlamm durch die Trocknung auch an Volumen. Die beginnende Entschlammung des Schwanenweihers sei die erste seit 1965, sagt Klein. Davor wurde 1949 und in den 1930er-Jahren entschlammt. Nun soll aber nicht wieder ein totes Gewässer entstehen. Nicht das Symptom Schlamm soll behandelt werden, sondern die Ursache. Also wird einiges geändert: Die Wasseroberfläche wird deutlich verkleinert, dafür wird der Weiher, wo es möglich ist, tiefer. Derzeit sei er im Schnitt rund 1,10 Meter tief. Am Rand will die Stadt „aktiv durchspülte Feuchtezonen und wechselfeuchte Zonen“ anlegen – dort soll beispielsweise Schilf wachsen können. So kann sich das Gewässer teilweise selbst reinigen – und die Pflanzen entziehen für ihr Wachstum dem Wasser Nährstoffe. Ebenfalls sollen wieder Raubfische wie Hechte im Landauer Ostpark angesiedelt werden. So reguliere sich der Fischbestand von alleine.

Weiher wird nächsten Winter abgedichtet

Die eigentlichen Bauarbeiten beginnen im nächsten Winterhalbjahr. Der Gewässerboden soll mit Bentonitmatten abgedichtet werden, auch die Umgrenzungsmauern werden ausgebessert. Die Schwanenweiher-Sanierung wurde noch von Hartmanns Vorgänger, dem früheren Umweltdezernenten Rudi Klemm (FWG), auf den Weg gebracht. Sie soll rund eine Million Euro kosten und ist der Startschuss für den Umbau des Ostparks.

Im Schwanenweiher gab es in den vergangenen Sommern mehrfach ein großes Fischesterben. Das Bild ist aus dem Juli 2019.
Im Schwanenweiher gab es in den vergangenen Sommern mehrfach ein großes Fischesterben. Das Bild ist aus dem Juli 2019.
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