Queichheim RHEINPFALZ Plus Artikel Die Grünen wollen das Parken in Queichheim neu regeln

Die anderen Parteien im Ortsbeirat stehen dem Vorschlag der Grünen eher negativ gegenüber.
Die anderen Parteien im Ortsbeirat stehen dem Vorschlag der Grünen eher negativ gegenüber.

Zu viel Verkehr, zu wenig Bäume – die Queichheimer Grünen wollen den Ortskern aufwerten. Ein Vorschlag der Partei: eine Parkverbotszone in der Queichheimer Hauptstraße. Parken soll nur noch auf gekennzeichneten Flächen erlaubt sein. Gegenwind kommt aus dem Ortsbeirat.

„Seit 30 Jahren gibt es für Queichheim eine Umgehungsstraße. Es ist deshalb höchste Zeit, endlich unsere Hauptstraße aufzuwerten und für alle lebenswerter zu gestalten“, appelliert Julia Köller. Sie ist Mitglied bei den Grünen im Dorf. Zusammen mit ihren Parteigenossen setzt sie sich dafür ein, den Autoverkehr durch den Ort zu reduzieren und zusätzlich mehr Grünflächen im Straßenbild zu schaffen. Um für ihr Anliegen zu werben, hatte die Partei vor gut einer Woche einen begrünten Anhänger in der Queichheimer Hauptstraße/Ecke der Straße Am Queichanger geparkt. Die Aktion führte bei Facebook zu vielen Kommentaren. Einige Nutzer fordern eine Verkehrsberuhigung, andere beklagen das erschwerte Durchkommen zu Stoßzeiten.

Grüne: Geschwindigkeit wird reduziert

„Ein Knackpunkt dabei sind die Parkzonen in der Queichheimer Hauptstraße“, betont Köller. Hier seien etliche Stellplätze zur Orientierung markiert. Allerdings sind diese Parkzonen verkehrsrechtlich nicht verbindlich – heißt: Jeder kann auch woanders parken. „Die meisten Autofahrer halten sich zwar dran, aber leider längst nicht alle. Autos werden davor oder dahinter abgestellt“, berichtet die Ortsbeirätin. Zunehmend werde auch entgegen der Straßenverkehrsordnung zu nah an Einmündungen, auf den Gehwegen oder auf Grundstückszufahrten geparkt. „Diese Situation führt täglich zum Verkehrschaos“, sagt Köller. Es komme oft zu Staus, weil beispielsweise die Linienbusse bei Gegenverkehr rangieren müssen. Hierbei seien insbesondere die Radfahrer gefährdet, weil es durch die vielen parkenden Autos schlichtweg zu eng für eine gefahrlose Begegnung von Radfahrer und Auto sei. „Ich frage mich zudem, wie Einsatzfahrzeuge im Notfall ungehindert durch die Straße kommen sollen.“ Dann fügt Köller hinzu: „Versetzt parkende Autos sind zur Reduzierung der Durchfahrtsgeschwindigkeit grundsätzlich sinnvoll und sowohl für Anwohner als auch die Geschäfte wichtig. Aber die Zahl der abgestellten Autos und das Verkehrsaufkommen sind einfach zu hoch.“

Parken nur in markierten Flächen

Der Lösungsansatz ihrer Partei: Das Parken soll nur noch in markierten Flächen erlaubt sein. Einen entsprechenden Antrag zur Regelung des ruhenden Verkehrs haben die Grünen in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats gestellt. Sie fordern ein Parkverbot mit dem Zusatz „Parken nur in markierten Flächen erlaubt“, das sich von der Ecke Queichheimer Hauptstraße/Wilhelm-Wüst-Straße bis hin zur Straße Am Geisberg erstreckt. Im Zuge dessen sollen alle weiteren möglichen Stellplätze markiert werden. Außerdem sollen in allen angrenzenden Straßen der Parkverbotszone Queichheimer Hauptstraße mögliche Stellplätze eingezeichnet werden. Vor Einzelhandelsgeschäften sollen tagsüber Kurzzeitparkplätze ausgewiesen werden, fordert die Partei. „Wenn wir den Verkehr beruhigen und zusätzlich mehr Grün in das Straßenbild bringen, beispielsweise mithilfe einer Wanderbaumallee, steigert das die Aufenthaltsqualität enorm. Das wiederum wird viele Bürger dazu animieren, zu Fuß zu gehen oder auf ihr Fahrrad zu steigen“, sagt Köller.

„Konzept für ganz Queichheim“

Und was halten die anderen Parteien im Ortsbeirat davon? Die SPD begrüßt die Idee, die Verkehrssituation in der Queichheimer Hauptstraße zu optimieren. „Es gibt einige neuralgische Punkte wie beispielsweise in Höhe der Straße Am Queichanger oder der Kraftgasse“, sagt Michael Scheid. Doch die Ideen müssten sinnvoll durchdacht sein. Und genau das sei der Antrag der Grünen nicht. Scheid stellt unter anderem den Bedarf an Kurzzeitparkplätzen infrage und gibt zu Bedenken: „Wenn vorm Bäcker ein Kurzzeitparken eingeführt wird, müssen dafür auf der gegenüberliegenden Straßenseite drei Parkplätze entfallen. Ist das sinnvoll?“

Auch Michael Hasenfuß von der FWG hält dies für ein schwieriges Thema. Er geht außerdem davon aus, dass durch das geforderte Parkverbot die Probleme lediglich verschoben würden. „Die Leute parken dann in den Seitenstraßen“, sagt er. „Um die Verkehrssituation im Dorf zu verbessern, braucht es ein Konzept für ganz Queichheim, das alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt.“ Außerdem sollten im Vorfeld die Bürger mit ins Boot geholt werden, um gemeinsam mit ihnen an Ideen zu arbeiten.

CDU denkt über Halteverbote nach

Zu guter Letzt sieht auch die CDU den Antrag der Grünen kritisch: Dieser erwecke den Eindruck, dass es nicht um eine Entschleunigung, sondern um eine Beschleunigung des Verkehrs gehe, da das geforderte Parkverbot zu Zeiten mit geringerem Verkehrsaufkommen zum Schnellfahren einlade, wie Annette Krohmer findet. Die CDU sei außerdem der Meinung, dass eine Verschärfung der Regeln aufgrund einzelner weniger renitenter Verkehrsteilnehmer alle Bürger bestrafe. „Worüber wir aber nachgedacht haben, ist eine Neuregelung von Parkverboten und Parkmöglichkeiten an den wirklich kritischen Stellen. Möglich wären beispielsweise zeitlich beschränkte Halteverbote von 7 bis 18 Uhr – wo sinnvoll. Das würde den Verkehr am Tag besser fließen lassen, die kritischen Stellen entlasten und in den Abendstunden nicht zur Raserei verleiten sowie den Anwohnern die Möglichkeit geben, weiterhin über Nacht zu parken“, schlägt Krohmer vor.

Fachmann kommt zu nächsten Sitzung

Und Ortsvorsteher Jürgen Doll (CDU) betont, dass er zwar die grüne Linie verstehe, er auch für mehr Grün und eine Reduzierung des Autoverkehrs sei, dass dies aber nicht von heute auf morgen umzusetzen sei. Hinsichtlich der aktuellen Parksituation sehe er keinen Änderungsbedarf. Es habe auch noch nie Beschwerden von Busunternehmen deswegen gegeben. „Wenn wir den Verkehr aber generell reduzieren wollen, brauchen wir sinnvolle Lösungen und ein ganzheitliches Konzept für Queichheim“, betont er. Denkbar wäre beispielsweise auch eine Fahrradstraße durch die Woogstraße, wie sie schon öfter – auch von der SPD – vorgeschlagen wurde. Um die verschiedenen Punkte fachlich zu erörtern, wird in der nächsten Ortsbeiratssitzung Ralf Bernhard, Leiter der Abteilung Mobilität der Stadtverwaltung, anwesend sein. Die Grünen möchten diese Sitzung abwarten und offene Fragen klären, sie haben deshalb ihren Antrag zunächst zurückgezogen, wie Ortsbeirätin Köller mitteilt.

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