Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Auto rollt los: Landauerin sucht ihre Helferin

An dieser Stelle kam Rose Klemens die unbekannte Frau zu Hilfe.
An dieser Stelle kam Rose Klemens die unbekannte Frau zu Hilfe.

Ein rollendes Auto, eine wilde Verfolgungsjagd – am vergangenen Donnerstag hat sich im beschaulichen Nußdorf eine kleine Heldengeschichte zugetragen. Jedenfalls wenn es nach Rose Klemens geht. Jetzt möchte sie ihren „Engel von Rohrbach“ finden.

„Ihr Auto rollt!“ Diesen Satz möchte man nur ungern hören. Jedenfalls dann, wenn man danebensteht und mitansehen muss, wie das Auto sich allein in Richtung Freiheit aufmacht. Doch genau das ist Rose Klemens am vergangenen Donnerstag passiert, als sie eine Frau nach der Uhrzeit fragte.

Zuvor arbeitete die 79-jährige Landauerin noch auf einem vermieteten Grundstück in Nußdorf, um es winterfest zu machen. Dabei vergaß sie die Zeit. Weder hatte sie an diesem Tag daran gedacht, ihre Armbanduhr mitzunehmen noch, auf die Turmuhr zu achten. Da sie aber um 14 Uhr wieder in Landau sein musste, wollte sie sich spätestens eine Stunde davor auf den Rückweg machen. Irgendwann war sie sich sicher, dass es an der Zeit sein musste und setzte sich ins Auto.

„Ihr Auto rollt!“

12.10 Uhr. Die Anzeige verwunderte Klemens. „Ich habe mich gefragt, ob im Auto vielleicht noch die Sommerzeit eingestellt ist“, erzählt sie. Sie war davon ausgegangen, dass viel mehr Zeit vergangen sein musste. Glücklicherweise sah sie schon nach kurzer gefahrener Strecke eine andere Frau, die mit Auto am Straßenrand stand, hielt and und stieg aus. „Es ist 12.10 Uhr“, bestätigte die Frau, bevor sie ebenjenen verhängnisvollen Satz sagte: „Ihr Auto rollt!“

„Wir sind natürlich sofort hinterhergelaufen“, sagt Clemens. Sie und ihre Helferin, ebenfalls eine rüstige Frau, hätten versucht, das Auto aufzuhalten. Sie hätten an der Autotür und am Spiegel gezogen, aber keine Chance: Auf der leicht abschüssigen Straße legte das Fahrzeug noch an Geschwindigkeit zu und sie konnten nichts dagegen tun.

Auto kommt auf Grünstreifen zum Stehen

„Weiter abwärts macht die Straße eine Biegung“, erinnert sich Klemens. Hinter einem kurzen Grünstreifen beginnen Weinreben, die von Sandsteinpfosten begrenzt werden. Genau darauf bewegte sich das Fahrzeug unentwegt zu. „Ich hatte Angst um mein Auto!“ Doch nachdem sie dem Fahrzeug vielleicht dreißig Meter hinterhergeeilt waren, wie die Landauerin schätzt, kam es auf dem schmalen Streifen schließlich unbeschadet zum Stehen.

Im Nachhinein sei die Geschichte nicht so aufregend gewesen, wie sie sich im Moment des Geschehens anfühlte, weiß Klemens. Dass das Auto so schnell abbremste und dabei weder Fahrzeug noch Reben beschädigt wurden, bestätigt das. Am Donnerstagmittag aber habe der Schreck erst einmal tief gesessen. Rose Klemens setzte sich ins Auto, während ihre Helferin ihr noch Gesellschaft leistete. „Wollen Sie sich erst einmal ausruhen?“, habe sie gefragt. Doch nachdem sie sich wieder beruhigt hatte, sei sie schließlich losgefahren, erzählt Klemens – und habe dabei vollkommen vergessen, die Frau nach ihrem Namen zu fragen.

„Engel von Rohrbach“ gesucht

„Die ganze Nacht habe ich dann überlegt, wie ich meinen ’Engel von Rohrbach’ finden kann“, sagt Klemens über ihre Helferin. Denn mehr, als dass sie aus der kleinen Pfälzer Gemeinde komme, wisse sie leider nicht. Dabei möchte sie sich jetzt gerne noch einmal ganz in Ruhe bedanken, denn sie wisse, dass die Hilfe nicht selbstverständlich gewesen sei. Das habe sie spätestens gemerkt, als ein anderer Autofahrer sich nicht um das Geschehen gekümmert habe und einfach weitergefahren sei.

Ganz anders die Rohrbacherin. Ohne zu fragen sei sie einfach mitgerannt und auch danach bei ihr geblieben. Da das Internet als Möglichkeit für Klemens ausschied, sei ihr schließlich die Idee gekommen, sich an die RHEINPFALZ zu wenden. Nun hofft sie, dass so der Kontakt zu der Rohrbacherin hergestellt werden kann und sie ihre Dankbarkeit mit Verspätung nachholen kann – diesmal ganz ohne Schrecken.

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