Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Aldi auf Kurdisch

Haki Erkan im neuen Laden Taza.
Haki Erkan im neuen Laden Taza.

Die Erkans sind vier Brüder, und sie haben nach einer Geschäftsidee für den Jüngsten gesucht. Die sich rasant entwickelnde Inflation habe am Ende den Ausschlag gegeben, erzählt Mitinitiator Haci Erkan. Nun ist Sehmus Erkan Geschäftsmann.

Dort, an der Ecke Waffen-/Westbahnstraße, wo zuvor T-Shirts bedruckt wurden, wirbt nun der kleine Laden Taza um Kunden. Das Konzept verzichtet auf Schnörkel jeglicher Art. Die beiden ältesten Brüder, 30 und 28 Jahre alt, betreiben eine Baufirma in Neustadt. Haci, mit 25 Jahren der Drittälteste und Gesprächspartner der RHEINPFALZ, studiert Betriebswirtschaft an der Düsseldorfer Universität. Sehmus, der jüngste der vier Brüder, wollte wie sein Vater mit Lebensmittel arbeiten. Die Tätigkeit in der Baufirma seiner beiden ältesten Brüder „sei nicht sein Ding“.

Als die Kinder klein waren, fuhr die Mutter einmal im Monat nach Germersheim, um dort die Grundlebensmittel einer kurdischen Küche für sieben Personen im Großhandel zu kaufen. Die Eltern, berichtet Haci weiter, seien aus der Türkei nach Deutschland gekommen, als der älteste Bruder ein Jahr alt war. Der Vater sei im kurdischen Widerstand aktiv gewesen und habe für die damals kleine Familie Asyl in Deutschland beantragt. Vier weitere Kinder, drei Jungen, ein Mädchen, wurden in Landau geboren. Er sei – wie seine ganze Familie – Deutscher, erklärt Haci weiter, die Eltern pflegen die kurdische Küche, seien aber stolz auf ihren deutschen Pass.

Zutaten der kurdischen Küche

Zur kurdisch-türkischen Küche gehört Reis, Bulgur, weiße Bohnen, Linsen, eingelegtes Gemüse, Tee, Tomaten, Nudeln, die geröstet den Reis verfeinern, und Kichererbsen, Grundlage für den Humus. Dann gibt es noch ein scharfes Paprikagewürz und Uldag, die türkische Limonade. Die werde auch einzeln verkauft, damit die Jungen, die ihren Mütter beim Einkauf helfen, etwas zum Trinken bekommen.

Als die Preise für diese Grundnahrungsmittel durch die Decke schossen, entwickelten die vier Brüder ihre Geschäftsidee: Sie kaufen diese Produkte palettenweise beim Erzeuger ein. Weil sie große Mengen kaufen und den Großhandel auslassen, können sie ihre Ware zu einem „unschlagbaren günstigen Preis“ anbieten, sagt Haci Erkan. „Wo gibt es schon fünf Kilo Reis für 9,99 Euro?“ Es stimmt: Selbst im Internet gibt’s nur drei Kilo vom gleichen Reis zum gleichen Preis.

Günstiger Einkauf durch Großpackungen

„Das Konzept ist einfach“, erläutert Erkan. Es erinnert an die Anfänge von Aldi. Die neun wichtigsten lagerfähigen Grundnahrungsmittel für Familien, die eine türkische, kurdische, arabische oder tamilische Küche pflegen, werden palettenweise in Großpackungen ein- und günstig weiterverkauft. Die Ware wird direkt auf den Paletten im Geschäft gelagert. Wenn die Geschäftsidee funktioniert, wollen die Brüder das Angebot Zug um Zug ausweiten. Augenblicklich geplant sei, die Auslagen schrittweise auf die 18 wichtigsten Grundnahrungsmittel zu erweitern. Deshalb gibt es neben dem Ladenraum noch einen großen Lagerraum.

Die Erkans sehen sich nicht als Konkurrenz für die mittlerweile vielfältige Geschäftswelt aus dem türkisch-arabischen und asiatischen Raum in Landau. „Bei uns kaufen die Mütter einmal im Monat ihre Grundnahrungsmittel, in den anderen Geschäften die Lebensmittel für den täglichen Bedarf“, ist sich Haci Erkan sicher. Die ersten Mütter mit ihren Söhnen, die dann Bulgur, Reis und Tee nach Hause tragen, waren schon da. Das erinnere ihn an seine Fahrten mit der Mutter nach Germersheim, sagt der 25-Jährige.

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