Handball
TSV Kandel holt Spitzenreiter vom Sockel
In den Auszeiten nach dem 7:10 (TSV Kandel) und 11:11 (HSG Dudenhofen/Schifferstadt) stellen die Trainer Christian Thomas und David Oetzel ihre Mannschaft in den Senkel. Nach dem Spiel in der Handball-Pfalzliga ist Thomas stolz auf seine, kauert Oetzel im Hallengang vor den Kabinen, als traute er sich nicht mehr nach Hause. Kandel hat mit 32:30 (15:14) gewonnen und damit den Spitzenreiter vom Sockel gestoßen. In der Tabelle sind sich die Mannschaften sehr nahe gekommen: HSG 8:4, Kandel 6:4 Punkte.
„Wahrscheinlich beste Mannschaftsleistung“
Die Statistik zeigt Thomas, dass seine Mannschaft viel nicht gut gemacht hat: 24 Fehlwürfe, sechs technische Fehler, elf Siebenmeter verursacht. Aber sie hat dem Favoriten Paroli geboten, nie nachgelassen. Ein entscheidender Faktor: Jonas Dettbarn. Der 21-Jährige hielt die ersten drei Bälle, die auf seinen Kasten kamen, elf bis zur Halbzeit, danach einen Strafwurf und noch zwei Würfe, ehe er gegen Würfe von der rechten Seite nichts mehr ausrichten konnte und im Tor Platz machte für Dominik Schöps. „Momentan läuft es gut. Das war wahrscheinlich die beste Mannschaftsleistung, darauf können wir aufbauen“, sagte der Hochstadter, der froh ist, dass er beim Handball hängengeblieben ist, nachdem er einige Sportarten ausprobiert hat.
Kampf und Spannung
Die ganz große Klasse strahlte das Spiel am Samstagabend nicht aus. Es bot großen Kampf und Spannung: Nach dem 7:10 kommt Kandel schnell zum 10:10. Das 11:13 dreht die Mannschaft bis zur 36. Minuten in eine 20:15-Führung (drei Tore nacheinander von Linksaußen Jonas Powik) mit der Chance auf das 21:15. HSG-Keeper Felix Trapp, der einzige Spieler, mit dem Oetzel zufrieden ist, 13 Paraden, verhindert den Einschlag. In der 47. Minute fällt das 23:24. Die letzten fünf Minuten: Niklas Strauß bringt den Siebenmeter nicht unter, er trifft das Tor nicht. Schöps pariert auf der anderen Seite und bedient mit einem langen Ball Marius Mirle: 29:29. Linksaußen Marco Beckmann (HSG) zielt vorbei, Sven Anhaus erzielt vom Kreis das 30:29. Die HSG trifft den Pfosten, Mirle erzielt das 31:29. Nach dem 31:30 von Dominik Selinger gehen die Gäste zur offenen Manndeckung über. Powik gelingt das 32:30. Das Spiel ist entschieden.
Die HSG muss viel einstecken
Kandels Trainer stellt heraus, wie gut seine Mannschaft in die Nahtstellen der HSG-Abwehr gekommen sei, wo es weh tue, was extrem anstrengend sei. Kandel hat dem Gegner wehgetan: Bei seinem Tor zum 11:12 wird Simon Richter hart am Wurfarm pepackt und hält sich fortan die rechte Schulter. Auch andere HSG-Spieler müssen viel einstecken. Christopher Huber, von einem Kreuzbandriss genesen, knickt weg. „Hoffen wir, dass es nicht ganz so schlimm ist“, sagt Oetzel. Ihm und dem Spieler war es zu heikel weiterzumachen.
Thomas wechselte zunächst für Abwehr/Angriff Maximilian Links und Anhaus, stellte das aber ein. Anhaus wurde im Abwehrzentrum zum Felsen. „Er hat heute ein gutes Spiel gemacht, das war schon anders“, sagte der Trainer mit einem Augenzwinkern. Sein Rückraum Benjamin Simko (Mitte), Niklas Strauß (links) und Christoph Kunz (rechts) überbot den des Gegners mit Selinger, Huber und Simon Richter. Oetzel versuchte es in der zweiten Hälfte mit Matthias Handrich, Jakob Chrust und Dominic Gerbes. „Die HSG hat so viele gute Leute auf der Bank“, stellte Thomas einen vermeintlichen Vorteil des Gegners heraus. Dessen Trainer rätselte nach der nicht eingeplanten Niederlage: „Mir fehlt die mannschaftliche Geschlossenheit. Wir wissen nicht, woran es liegt. Wenn wir in Fahrt sind, läuft's, wenn es schwierig wird, sind wir ganz schnell wieder in Einzelaktionen.“
So spielten sie
TSV Kandel: Dettbarn (Schöps) – Simko (7/5), Kunz (5), Strauß (7/3) – Weiß (2), Powik (4) – Anhaus (3); Lincks, Mirle (4), Schmitt, Pfirrmann
HSG Dudenhofen/Schifferstadt: Trapp (Schopp) – Selinger (4), Richter (3), Huber (3) – Albert (11/10), Beckmann – Müller (1); Bappert, Gerbes (4), Chrust(1), Handrich (1), Barlang (2), Worf
Spielfilm: 4:4 (10.), 9:10 (20.), 15:14 (Halbzeit), 20:15 (36.), 23:23 (45.), 27:28 (55.), 32:30 (Ende) – Zeitstrafen: 6:5 - Siebenmeter: 11/8:11/10 – Beste Spieler: Dettbarn, Simko – Trapp, Albert – Zuschauer: 100 - Schiedsrichter: Pfister/Matheis (Wörth/Eppstein)