Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Landauer Luca Spiegel löst bei Bahn-WM in Glasgow das Olympiaticket

Alessa-Catriona Pröpster und Luca Spiegel waren die Offenbacher Fahrer in Glasgow.
Alessa-Catriona Pröpster und Luca Spiegel waren die Offenbacher Fahrer in Glasgow.

Bahnnationalfahrer Luca Spiegel ist in der Weltspitze angekommen. Der 19-jährige Landauer zählt seit den Weltmeisterschaften in Glasgow, die gerade zu Ende gingen, zu den Top drei der weltbesten Anfahrer im Teamsprint, einer Disziplin im Bahnradsport, in der die Deutschen seit jeher zu den tonangebenden Nationen gehören.

Von Klaus D. Kullmann

Offenbach. Der heutige Bundestrainer Jan van Eijden (47) aus Kaiserslautern war 1995 Teil des ersten Weltmeistertrios (mit Michael Hübner und Jens Fiedler) in dieser Disziplin. Mit Luca Spiegel vom RV Offenbach könnte der Weg des deutschen Teamsprint-Trios aus einem seit fünf, sechs Jahren andauernden Tief wieder in höhere Regionen führen. Er, Nik Schröter und Maximilian Dörnbach, die vor drei Wochen noch als eine Verlegenheitslösung galten, überzeugten in Glasgow als WM-Fünfte. „Die Zeit von 42,9 Sekunden, die wir fuhren, hat schon seit Jahren kein deutsches Team mehr abgeliefert. Damit sind wir nun wieder in den Top 5 der Welt, damit können wir uns sehen lassen, und vor allem haben wir Nationen wie Japan, Polen und Kanada hinter uns gelassen“, sagte Luca Spiegel, der nach dem Abi im Frühjahr am Kaiserslauterer Heinrich-Heine-Gymnasium den Kopf für seinen Leistungssport frei hat.

Das deutsche Trio qualifizierte sich endgültig für die Olympischen Spiele 2024 in Paris. Im Vorfeld sei nicht klar gewesen, ob es in der neuen Konstellation wirklich hinhaue. Spiegel: „Wir finden uns gerade richtig gut zusammen und gucken, dass wir nächstes Jahr richtig reinhauen können.“ Bundestrainer Jan van Eijden hat in Willy Weinrich und Pete-Collin Flemming noch zwei junge Asse im Ärmel. Mit Flemming und dem Offenbacher Torben Osterheld, der seine Karriere beendet hat, hatte Luca Spiegel im vorigen Jahr WM-Silber bei den Junioren in Tel Aviv geholt.

Drittschnellste Runde gefahren

Spiegel raste in Glasgow zu einer persönlichen Bestzeit. Die 17,25 Sekunden für die erste, 250 Meter lange Bahnrunde bedeuteten die drittschnellste Zeit aller WM-Teilnehmer. Besser waren nur der Australier Leigh Hoffmann (16,96) und der Niederländer Roy van den Berg (17,08). Davor stand Spiegels Bestzeit bei 17,38 Sekunden, aufgestellt beim Nationscup im April in Milton/Kanada. „Seit René Enders 2017 aufhörte, ist das die beste Zeit, die ein Deutscher fuhr. Das ist schon irre, ich bin ja erst 19“, strahlte Spiegel große Selbstzufriedenheit aus: „Ich wusste vom ersten Tritt an, dass es gut wird, dass es abgeht. So ein Gefühl hatte ich schon lange nicht mehr.“

Und noch etwas war neu für ihn: das Publikum. Volles Haus in Glasgow. „Das war ein Hammer, total geil, unglaublich. Es war rappelvoll und die Fans klatschten und schrien. Sie feuerten jeden an. Die Briten sind eben fair und können auch schon mal richtig ausrasten“, beschrieb der Youngster die Stimmung im Velodrom, das einen großen Namen trägt: Sir Chris Hoy war einer der schnellsten und erfolgreichsten Sprinter überhaupt.

Abiklausur in Südafrika geschrieben

Luca Spiegel blickt auf ein aufregendes Jahr zurück: Im Januar weilte er fast drei Wochen lang erstmals mit den Großen im Trainingslager in Südafrika und schrieb dort eine der drei Abiturklausuren. Im Februar wurde er sehr kurzfristig zu den Europameisterschaften nach Grenchen gerufen, wo das deutsche Teamsprinttrio Vierte wurde, im März stand das mündliche Abitur an, im April seine Nationscup-Premiere in Kanada und im Juli die U23-EM mit dem Gewinn der Bronzemedaille. Jetzt sind erst mal ein paar Tage Urlaub angesagt. Spiegel nennt das einen „Jungstrip“. Mit den Teamkollegen Willy Weinrich und Max Dörnbach geht’s an den Gardasee. Einen Tag vor dem Sprint- Grand-Prix in Dudenhofen kommt er zurück.

Pröpster hat viel Spaß

Der RV Offenbach hatte in Alessa-Catriona Pröpster eine zweite Teilnehmerin am Start: Die 22 Jahre alte Sprint-Europameisterin der U23 belegte im Keirin den zehnten Platz. „Es wäre vielleicht noch mehr drin gewesen, wenn ich im Halbfinale nicht einen kleinen Fehler gemacht hätte. Aber es ist deutlich besser als in den beiden vergangenen Jahren gelaufen, als ich immer direkt in den Hoffnungsläufen rausgeflogen bin. Diesmal war ich vom Kopf her viel entspannter, es hat total viel Spaß gemacht“, sagte die Jüngste im Bund der vier deutschen Weltklassesprinterinnen, der etwas gelungen war, was allen anderen in Glasgow versagt blieb. Pröpster hatte im Juli in Anadia im vergoldeten U23-EM-Finale jene Britin geschlagen, die in Glasgow Weltmeisterin wurde: Emma Finucane.

Pröpster blickt nach ihrem heftigen Sturz Mitte Juni in Cottbus auf emotional schwierige Wochen zurückblickt. Ihre kleine Pause hat sie sich nun verdient, sie wird eine zweiwöchige Rehabilitation bei Mike Steverding in Landau machen und sich ebenfalls beim Sprint-Grand-Prix (24. und 25. August) vorstellen.

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