Lokalsport Südpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Jahn Zeiskam der Dino unter den Verbandsligisten

Marcus Zaucker im Jahr 1999.
Marcus Zaucker im Jahr 1999.

Abgesehen von einem Abrutscher, spielt der TB Jahn Zeiskam seit 1990 in der Verbandsliga. Die Viktoria Herxheim war damals als Meister in die Oberliga aufgestiegen, der ASV Landau abgestiegen. Die 30 Zeiskamer Jahre sind geprägt von drei Epochen. Nun bricht eine neue Ära mit einem Kunstrasenplatz an.

Corona hat alles lahm gelegt. Wann und wie es weitergeht mit dem Amateurfußball, ist unklar. Dabei ist die Verbandsliga-Spielzeit 2020/21 für den TB Jahn Zeiskam eine besondere. Der 1896 gegründete Verein feiert im kommenden Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Und geht in die 30. Runde in der höchsten Spielklasse des Südwestdeutschen Fußballverbands.

Der „Dino der Verbandsliga“, wie der Turnerbund laut dem ehemaligen Vorsitzenden Roland Humbert in Ligakreisen genannt wird, steht damit auf Rang drei der ewigen Tabelle der 1952 als Amateurliga Südwest gegründeten Spielklasse. Hinter dem FK Clausen und der SpVgg Ingelheim. Seit 1978 heißt sie Verbandsliga. Deren ewige Tabelle führt Zeiskam unangefochten an.

Die Jahre in der B-Klasse

Der Weg dahin war kein leichter. Humbert, der von 1967 bis 1992 und von 2005 bis 2010 Vorsitzender war, hat ihn mitgestaltet: „In der Region fragt man sich, wie Zeiskam es so lange geschafft hat, diese Klasse ohne Großsponsoren zu halten. Die einfache Antwort ist die lange sehr gute Jugendarbeit, die der Verein Ende der 1960er-Jahre und auch danach geleistet hat.“

Nach dem Krieg spielte der Verein meist in der B-Klasse mit gelegentlichen Kurzaufenthalten in der A-Klasse. Da der TB Jahn zu dieser Zeit auch eine erfolgreiche Leichtathletikabteilung hatte, hätten sich etliche Talente verzettelt, meint Humbert. 1967 sei eine junge, zielorientierte Vorstandschaft gewählt worden. Ein Jahr später stieg der TB Jahn mit dem Herxheimer Werner Nist in die A-Klasse auf und landete im ersten Jahr auf Platz drei. Im Folgejahr ging es wieder eine Klasse runter.

2000 Meister der Landesliga

Emil Hill vom Ludwigshafener SC stand fortan an Zeiskams Seitenlinie und feierte Kreispokalsiege und den Wiederaufstieg. Talente aus der eigenen Jugend hätten eine entscheidende Rolle gespielt, sagt Humbert. Das Team etablierte sich in der neuen Klasse, und unter dem Ur-Zeiskamer Gerd Wolf gelang nach zwei Vizemeisterschaften in Folge 1981 die Meisterschaft und der Aufstieg in die Bezirksliga.

Wolf habe sich danach dem Tennissport gewidmet, erzählt Humbert. Als Nachfolger habe Wolf seinen ehemaligen Mannschaftskameraden Bernhard Schwarzweller empfohlen. Dieser schaffte es, erneut heimische Talente zu integrieren.

Die Zeiskamer, immer im ersten Tabellendrittel der Bezirksliga, qualifizierten sich für die 1989 neu gegründete Landesliga und wurden unter Schwarzweller auf Anhieb Meister. So hat es gut 20 Jahre gedauert, bis die Strecke von der B-Klasse bis zur Verbandsliga geschafft war.

Zaucker folgt auf Schwarzweller

Damals war das die vierte Liga. Und für einen Dorfverein wie Zeiskam eine „Riesenherausforderung“. Gegner waren unter anderem FK Pirmasens, Wormatia Worms und die Amateure des 1. FC Kaiserslautern und FSV Mainz 05. „Doch auch in der neuen Umgebung fand sich der TB Jahn zurecht. Die Grundlage bildeten neun echte Zäskämer Buwe“, erinnert sich Humbert.

Auf Schwarzweller, der nach dem ersten Verbandsligajahr seine Sportkarriere beendete, folgte der damals 26-jährige Spielertrainer Marcus Zaucker aus Landau. „Ein Mann, der ideal zu der Mannschaft passte“, erzählt Humbert. Auch in den Folgejahren sei der Verein überwiegend im ersten Tabellendrittel der Liga wiederzufinden gewesen. Höhepunkt war eine Vizemeisterschaft.

Infos von Gerd Wolf

Für Zaucker waren die zehn Jahre in Zeiskam die schönste Zeit in seiner Fußballkarriere. Er sagt: „Ich war damals ein ganz junger Kerl und habe mir über Gerd Wolf erst mal Infos eingeholt, ob ich mich trauen kann, Spielertrainer zu machen. Er hat mich bestärkt und gesagt: Wenn, dann in Zeiskam.“ Das familiäre Umfeld und geduldige Menschen hätten es ihm leicht gemacht. Das Team bestand auch jetzt hauptsächlich aus Zeiskamern.

„Wenn jemand gebraucht wurde, waren gleich 30 Leute am Start“, erinnert sich Zaucker. Er ist beim SV Landau West tätig. Deswegen verzichtete er auf einen Einstieg in Zeiskams Kult-Elf: „Das wäre natürlich reizvoll gewesen, weil da nur geile Kicker drin sind. Aber ich bin jetzt Westler und kicke dann da.“

Heß kommt im Jahr 2000

In den folgenden Verbandsligajahren sind viele Spieler aus der Umgebung auf den Zeiskamer Verein aufmerksam geworden. Humbert: „Einige Clubs aus der Region, zu denen Zeiskam lange aufsah, verabschiedeten sich aus der Liga und existieren nicht mehr. Sie hatten sich finanziell übernommen.“

2007 fehlte Zeiskam ein Punkt, um die Klasse zu halten. Elf Unentschieden standen zu Buche. Trainer war damals Freddy Heß, der das Amt 2000 übernommen hatte. Den Verantwortlichen sei klar gewesen, so Humbert, dass der ehemalige Zweitliga-Spieler des SV Darmstadt den Wiederaufstieg bringen sollte. Das tat er und konnte so seinen Ausstieg selbst vorbereiten, wie er sagt: „Ich wollte den Verein nicht verlassen, nachdem wir abgestiegen waren.“

Cotrainer Pita übernimmt

Heß fühlte sich im Verein immer wohl und hat auch heute als Teil der Kult-Elf Kontakt zum TB Jahn. „Das Miteinander, das Zusammensitzen nach dem Training, das Dörfliche. Das war mir in der Zeit sehr wichtig und das war gegeben“, sagt er. Und das sei auch wichtig gewesen, um den direkten Wiederaufstieg zu schaffen: „Wir hatten keine Mittel, um eine Truppe zusammenzukaufen, konnten die Mannschaft aber in großen Teilen beisammenhalten. Die Qualität und die Leute waren da, um den Weg zurück zu schaffen.“

Spielender Co-Trainer im Aufstiegsjahr war Sahin Pita. Der heutige Trainer des Landesligisten SV Büchelberg sollte ebenfalls eine Ära in Zeiskam prägen. 2009 übernahm er den Trainerposten von Heß. „Seine akribische, fast professionelle Arbeitsweise war recht erfolgreich. In seiner Zeit bis 2019 erreichte die Mannschaft, mit Ausnahme des letzten Jahres, stets gute Mittelfeldplätze“, sagt Humbert.

Neue Ära

Pita spricht von einer hervorragenden Zeit, in der er viel Spaß hatte. „Ein Höhepunkt war der Aufstieg mit Freddy Heß. Außerdem waren wir einmal Dritter und zweimal im Halbfinale der Pokalrunde“, sagt er. Der Tiefpunkt sei das letzte halbe Jahr gewesen. Gerade so vermied die Mannschaft den Abstieg. „Der Abschied war nicht schön, aber es ist so wie es ist im Fußball. Über den Verein TB Jahn Zeiskam kann ich nichts Schlechtes sagen“, sagt Pita heute. Er trifft sich noch mit dem ein oder anderen Urgestein. „Mit denen, die den Platz machen, die sich kümmern. Die habe ich nicht vergessen.“

Gespür und Glück, die richtigen Trainer zu finden und mit diesen meist lange zusammenzuarbeiten, sei der Garant für die Erfolge gewesen, meint Humbert. „Diese mussten schwer erarbeitet werden, da der Kommerz im gehobenen Amateurbereich eine immer größere Rolle spielt.“

2019 ist eine neue Ära angebrochen. Mit Trainer Stefan Ronecker und dem Vorsitzenden Stefan Sinn. Und mit dem modernen Kunstrasenplatz sieht sich der Verein für weitere Erfolge gewappnet.

Freddy Heß 2003.
Freddy Heß 2003.
Sahin Pita 2011.
Sahin Pita 2011.
Inzwischen ist der Kunstrasenplatz fertig.
Inzwischen ist der Kunstrasenplatz fertig.
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