am Rande RHEINPFALZ Plus Artikel Das Warten nimmt kein Ende

Andy Brehme im WM-Finale von 1990. Was hätte er getan, wenn der Schiedsrichter während des Anlaufs zum 1:0 gegen Argentinen „War
Andy Brehme im WM-Finale von 1990. Was hätte er getan, wenn der Schiedsrichter während des Anlaufs zum 1:0 gegen Argentinen »Warten« gerufen hätte?

Elfmeter-Vorfall im Spiel Alzey gegen Rülzheim geht in die Verlängerung.

Der frühere Fifa-Schiedsrichter Knut Kircher meint: „Die Wortwahl des Schiedsrichters war sehr ungeschickt. Den Ruf ,Warte’ kann der Schütze auf sich beziehen. Hätte er ,nicht einlaufen’ gerufen, wäre der Sachverhalt klar gewesen.“ Der Sachverhalt: Rülzheims Kapitän Berisha läuft zum Elfmeter an, bleibt aber stehen, weil der Schiedsrichter „Warten“ ruft (womit er Alzeyer Spieler meint). Wie die Geschichte weitergeht, zieht bundesweit Kreise.

Denn der Schiedsrichter wertet Berishas Handlung als Täuschungsmanöver, gibt ihm die Gelbe Karte und indirekten Freistoß für Alzey. Der SV Rülzheim geht gegen die Spielwertung vor (Alzey gewann das Landesligaspiel mit 1:0), blitzt aber in der ersten Instanz ab. Der Verein geht weiter: Er hat gegen das Urteil der Verbandsspruchkammer des Südwestdeutschen Fußballverbandes Berufung eingelegt.

Video als Beweismittel

„Wir hätten auf einen Protest verzichtet, wenn er den Ball berührt hätte. Doch der Strafstoß war nicht ausgeführt. Es kann nicht sein, dass ein Spieler bestraft wird, wenn er den Anweisungen des Schiris Folge leistet“, sagt Rülzheims Sportlicher Leiter Jürgen Kuntz. Die Sportrichter folgten dieser Einschätzung nicht und erkannten eine Tatsachenentscheidung. Eine Rülzheimer Zuschauerin hatte die Situation gefilmt, die Kammer hatte die Aufnahmen angefordert und als Beweismittel zugelassen. In der Urteilsbegründung, die der RHEINPFALZ vorliegt, heißt es: „Durch den unstreitigen Warnruf ergibt sich kein Regelverstoß. Das Verhalten des Schiedsrichters war deshalb nicht regelwidrig.“

Protest „verständlich“

Die Kammer bezeichnet den Rülzheimer Protest als „verständlich“ und nennt das Verhalten des Schiedsrichters „verbesserungswürdig“. Die RHEINPFALZ hat mit dem Schiedsrichter gesprochen. Er meint: „Auch aus heutiger Sicht habe ich eine richtige Entscheidung getroffen. Doch das Verfahren läuft noch. Deshalb wurde ich angehalten, mich aktuell nicht weiter dazu zu äußern.“

Patrick Simon, früherer Oberliga-Schiedsrichter und Lehrwart im Fußballkreis Alzey-Worms, legt sich fest: „Hat sich der Ball noch nicht nach vorne bewegt, ist er noch nicht im Spiel. So lange kann es keine Folgesanktionen wie einen indirekten Freistoß geben.“ Für Südpfalz-Lehrwart Stefan Kopf ist es entscheidend, ob der Fuß bereits neben dem Ball war. In diesem Fall gelte der Anlauf als abgeschlossen. Für Südpfalz-Obmann Maximilian Sitter (Wörth) ist die Sachlage klar: „Das Spiel muss wiederholt werden. Nach Freigabe des Balls zum Strafstoß hat ein Zwischenruf des Schiris nichts mehr verloren. Er kann den Elfer ja wiederholen lassen, wenn die Spieler zu früh einlaufen.“

Keine Kosten

Das letzte Wort hat nun das Verbandsgericht. Ungewöhnlich: Weder für den ersten Protest noch für die Berufung hat der Verband den Rülzheimern Kosten auferlegt.

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