Geschichten aus der Geschichte
Als Hainfelds Torhüter wie ein Teufel hielt
Am Donnerstag eröffnet ein dreitägiges Ortsturnier die Feiern zum 100. Geburtstag des VfL Hainfeld. Es ist wohl der letzte Geburtstag der Grün-Weißen als eigenständiger Verein. Die geplante Verschmelzung mit den Nachbarvereinen SG Edesheim und SV Roschbach zum Südhaardter SV steht bevor. Die drei Vereine bilden seit 2020 bereits eine Spielgemeinschaft in der Fußball-A-Klasse Rhein-Mittelhaardt.
Die Hainfelder Fußballfamilie blickt auf ein wechselvolles Jahrhundert mit großen sportlichen Erfolgen zurück. Der VfL gehörte lange zu den sportlichen Aushängeschildern der Südpfalz. Außergewöhnliche Fußballer, die dem Verein trotz Angeboten aus höheren Klassen die Treue hielten, prägten die sehr erfolgreichen 1970er- und 80er-Jahre.
Der erste Ball geht schnell kaputt
Im Jahr 1923 rief der Kaplan Georg Hauck die „Deutsche Jugendkraft“ (DJK) Hainfeld ins Leben. Die Zeiten waren wegen Wirtschaftskrise und Hyperinflation hart. Für den ersten Fußball musste jeder Kicker einen Obolus entrichten. Groß war die Verzweiflung, weil der Ball nach einem Schuss auf einen spitzen Gegenstand gleich kaputt war.
Die Leichtathleten feierten Erfolge auf den überregionalen Gaufesten, die Fußballer bestritten ihr erstes Spiel 1924 gegen die DJK Mundenheim auf dem Sportplatz an der Edesheimer Straße im Osten des Dorfes. Erster Vorsitzender war Josef Engel, das Lokal „Zum Löwen“ war Treffpunkt der Sportler.
Als Pokalsieger aufgestiegen
1934 lösten die Nazis den Verein auf. 1938 kam es unter Führung von Fritz Hagenbuch zur Gründung als „Verein für Leibesübungen“ VfL. Nach dem Krieg gelangen mit den Pokalsiegen 1952 und 1956 die ersten Erfolge im Fußball. Damals stieg der Pokalgewinner automatisch in die A-Klasse Süd auf. Mit der Meisterschaft in der A-Klasse Süd 1969 unter Spielertrainer Schlaufmann begann die sportliche Blütezeit. Der VfL spielte bis 1989 in der Zweiten Amateurliga Vorderpfalz, die später als Bezirksliga geführt wurde. 1970 verpassten die Spieler der 700-Seelen-Gemeinde nur knapp den Aufstieg in die damals zweithöchste Spielklasse Deutschlands, am vorletzten Spieltag unterlagen sie dem Meister FV Dudenhofen und waren Zweiter.
Kontakte zum 1. FC Kaiserslautern
Bis zu 2500 Zuschauer sahen Spiele gegen Bavaria Wörth, Viktoria Herxheim oder die großen Ludwigshafener Clubs. Der damalige Vorsitzende Gerhard Keller spielte bei den Amateuren des 1. FCK, durch seine Kontakte zu Gyula Lorant vermittelte er mehrere Freundschaftsspiele. Die Roten Teufel traten sogar auf dem Hartplatz an. 1993 kamen Seppl Pirrung, Werner Melzer und Hans-Günter Neues zum Duell der Traditionsteams nach Roschbach. Die Korsettstangen dieser Ära hießen Walter Öhl, Ernst Geiger, Jürgen „Schäwer“ Hartkorn und Werner Engel.
Der Burrweilerer Hartkorn bestritt von 1969 bis 1988 fast 1000 Spiele. Das Fachmagazin „Kicker“ würdigte den offensivstarken Libero in einem Porträt. Dietrich Weise, Trainer des FCK von 1967 bis 1973, wollte ihn auf den Betzenberg locken. Doch „Schäwer“ entschied sich gegen eine mögliche Profikarriere beim 1. FCK, er wollte seine Mutter bei den Arbeiten im Weinberg nicht alleine lassen.
Bezirkspokalsieg 1984
Mittelstürmer Werner Engel erzielte unzählige entscheidende Tore. Er hörte erst mit 51 Jahren auf, war sechs Jahre Vorsitzender. Der 68-Jährige ist als Schatzmeister und Platzwart immer noch das Gesicht des Vereins. Mit Joseph Geiger gründete er die Jugendabteilung, bis zu 150 Talente spielten.
Als sportlichen Höhepunkt bezeichnet Engel den Bezirkspokalsieg 1984 gegen den haushohen Favoriten SV Edenkoben. Der frischgebackene Meister der klassenhöheren Bezirksliga von Trainer Charly Braun hatte Stefan Martens, Günter Minges und den Torschützen Jürgen Gräber in seinen Reihen. Engel schnürte einen Doppelpack, den dritten Treffer steuerte Gerhard Holzer bei. Hainfeld gewann 3:1. Engel erinnert sich: „Das Spiel fand vor über 2000 Fans auf dem Rappen statt, wir hatten aus finanziellen Gründen das Heimrecht abgetreten. Unser Keeper Lothar Walloch hielt wie der Teufel. Wir feierten bis in die Morgenstunden. Am nächsten Morgen um 11 kamen die Edenkobener Spieler und feierten einfach mit.“
Pokalfinale Hainfeld gegen Hainfeld
Bekanntester VfL-Trainer war Rudolf Bast, der für den 1. FC Nürnberg in der Bundesliga traf. Der Speyerer schaffte als vierter Übungsleiter in der Saison 1981/82 noch den Klassenverbleib in der A-Klasse Süd.
Ein Novum gab es bei der Einweihung des Rasenplatzes 2005. Das Kreispokalfinale VfL Hainfeld I - VfL Hainfeld II endete 10:1.
An der Spitze des Vereins stand der heutige Ehrenvorsitzende Helmuth Geiger, er führte den Verein 20 Jahre. Mit viel Herzblut verhinderte er in den schwierigen 1990er-Jahren die Abmeldung vom Spielbetrieb. Der letzte große sportliche Erfolg war 2019 die Vizemeisterschaft in der B-Klasse Rhein-Mittelhaardt mit Spielertrainer Slawomir Stulin. In der Aufstiegsrelegation scheiterte der VfL am FSV Schifferstadt II.
Ab 1979 gab es fast vier Jahrzehnte eine Frauenmannschaft. Der Verein bereichert das kulturelle Leben der Modenbachgemeinde. Bis zu vier jährliche Vorstellungen der von Ludwig Weiler gegründeten Theatergruppe gab es im ausverkauftem Clubhaus, bei der Weinkerwe hat der VfL einen eigenen Hof.
Vor den Endspielen der Ortsmeisterschaft kommt am Samstag um 17 Uhr Prominenz aus Politik und Sport zu einer lockeren Feierstunde.