Contwig RHEINPFALZ Plus Artikel Wie Margit Ernst nach Bärmanns Rücktritt das Vierteljahr an der Spitze von Contwig erlebt

Nach dem überraschend vorgezogenen Rücktritt von Karlheinz Bärmann stand seine Stellvertreterin Margit Ernst auf einmal in der e
Nach dem überraschend vorgezogenen Rücktritt von Karlheinz Bärmann stand seine Stellvertreterin Margit Ernst auf einmal in der ersten Reihe.

Margit Ernst ist erste Beigeordnete in Contwig. Nach dem Rücktritt von Ortsbürgermeister Karlheinz Bärmann zum Jahresende führt sie das mit Abstand größte Dorf im Zweibrücker Land, bis ein Nachfolger im Amt ist. David Betz und Nadine Brinette stehen am Sonntag zur Wahl. Wir haben mit Margit Ernst gesprochen, wie sie die Zeit an der Spitze der 5000-Einwohner-Gemeinde erlebt.

Contwig. Frau Ernst, seit wann engagieren Sie sich in der Lokalpolitik?
Ich bin seit 32 Jahren Mitglied des Ortsgemeinderats, also seit 1989, und seit zwei Jahren erste Beigeordnete.

Seit Januar führen Sie die Amtsgeschäfte in Contwig. Mussten Sie in dieser Zeit weitreichende Entscheidungen treffen?
Weitreichend nicht unbedingt. Es geht halt darum, das Tagesgeschäft am Laufen zu halten. Wir beschäftigen uns gerade mit dem Ausbau der Gutenbrunnenstraße. Dazu habe ich ein Schreiben an die Fraktionen und die Ratsmitglieder geschickt. Außerdem läuft gerade der Ausbau Frühlingsstraße und Tränkgasse. Und der Ausbau der Bahnhofstraße steht bevor. Das hat sich jetzt erst entschieden. Im Mai soll die Ausschreibung kommen. Vor den Wahlen passiert da nichts mehr. Ich habe nur einen Auftrag vergeben in meiner Vertretungszeit – für die Entwässerung des Baugebietes Stambach, an den Architekten.

Hatten Sie mal auf dem Schirm, dass Sie irgendwann mal das Amt der Ortsbürgermeisterin ausfüllen werden?
Nein! Ich hatte nie Ambitionen. Natürlich sollte man alles, was man tut, mit einem gewissen Elan machen. Aber es war ja von vorneherein klar, dass es Kandidaten gibt für das Amt, schon bevor ich die Aufgabe übernommen habe. Eine Kandidatur von mir hat nie im Raum gestanden.

Trotz der jahrelangen Erfahrung: Was waren Dinge, die Sie erst lernen mussten in den zweieinhalb Monaten?
In vielen Details war ich zuvor nicht informiert. Wie alle Ratsmitglieder auch. Bei den Absprachen mit Architekturbüros musste ich mich erstmal einarbeiten. Es ist etwas anderes, ob man im Rat mitarbeitet oder ob man die letzte Entscheidung zu treffen hat.

Karlheinz Bärmann hat gesagt, der Posten des Bürgermeisters in Contwig ist ein Vollzeitjob. Stimmt das?
Ja, das stimmt. Wenn man es richtig machen will, hätte man den ganzen Tag Arbeit.

Haben Sie es richtig gemacht?
Ich hoffe es. (lacht)

Sie sind in Ruhestand und hatten die Zeit dazu?
Ja, vor zwei Jahren bin ich Ruhestand gegangen, sonst wäre das gar nicht gegangen. Arbeiten und nebenher den Ortsbürgermeister machen, geht nicht.

Ihr Bürozimmer ist anders als früher mitten im Kindergarten, der im Rathaus untergebracht ist. Links ist Kindergarten, rechts ist Kindergarten, vorne und hinten auch und das Büro mittendrin. Kann man da überhaupt morgens konzentriert arbeiten?
Das stört mich überhaupt nicht. Ich bin Kinder ja gewöhnt als ehemalige Leiterin eines Kindergartens. Das war früher schon so, wenn ich das nicht hören wollte, habe ich es auch nicht gehört. Das beeinträchtigt mich nicht.

Was hat Ihre Familie gesagt, als sie angekündigt haben einzuspringen?
Ich bin Frau genug, das zu entscheiden. Mein Mann war das gar nicht anders gewohnt. Früher war ich ja auch immer auf der Arbeit und habe meine Entscheidungen getroffen. Natürlich auch in Absprache mit der Familie. Aber ich war noch nie Hausmütterchen.

Hat Ihnen Ihr Mann gekocht in der Zeit?
Nein! (lacht) Die Familie hat trotzdem hinter mir gestanden.

In der Zeit, in der Sie kommissarische Ortsbürgermeisterin waren, hatten Sie mehr Einblicke. Hat das Ihre Sicht auf bestimmte Dinge verändert?
Ja, ich sehe manches von einem anderen Blickwinkel. Es ist schon etwas Anderes, wenn Sie täglich die E-Mails lesen oder wenn Sie nur alle vier Wochen mal an einer Gemeinderatssitzung teilnehmen. Man macht sich viel mehr Gedanken um einzelne Sachen, geht tiefer ins Detail.

Ihre Vertretungszeit ist mitten in der Coronaphase, was ja nicht einfach ist.
Eine Gemeinderatssitzung stand in dieser Zeit nicht an. Die Abstimmung mit den beiden anderen Beigeordneten Thorsten Maisch und Emil Stöckle hat aber gut funktioniert. Die nächste Ratssitzung steht nach der Wahl an, da geht es um Details des Ausbaus Bahnhofstraße. Und es geht um Bebauungsplanänderungen. Da stehen schon ein paar Aufgaben an.

Gab es besondere Erlebnisse in den vergangenen Wochen, über die Sie Sich gefreut oder geärgert haben?
Gefreut habe ich mich über die Unterstützung, die ich erfahren habe. Geärgert? Na ja, über manchen Dingen muss man drüberstehen. Man kann es nie allen Leuten recht machen. Als Schnee lag, ging es halt mal nicht, dass alle Straßen um halb sieben geräumt sind. Aber das ist ja Alltag. Auch dass alte Geschichten aufgewärmt wurden, beispielsweise in Sachen Kindergarten Stambach, muss man zwar nicht unbedingt haben, aber da muss man einfach drüberstehen. Der Schimmel ist aus der Welt. Im Laufe der Woche, spätestens kommende Woche zieht die Gruppe in ihren alten Raum zurück.

Wie ist der Sachstand am Kindergarten-Neubau?
Da warten wir auf das Gutachten.

Und die Grundschule?
Da haben wir ja kaum Einfluss drauf, das ist Sache der Verbandsgemeinde. Die Leute machen sich eigentlich die meisten Gedanken um den Verkehr an der Grundschule Stambach. Wir wären alle Fan davon gewesen, wenn wir eine neue Schule bekommen hätten. Aber da sind uns ja Hände und Füße gebunden als Ortsgemeinde.

Wenn Sie nach Ihren Erfahrungen vor der Entscheidung stünden, ob Sie Ortsbürgermeisterin werden oder Kindergartenleiterin, wie würden Sie entscheiden?
Kinder waren mein Leben. Nicht die Verwaltung. Die Kinder haben mir am Anfang auch sehr gefehlt. Der Umgang mit Menschen überhaupt fehlt mir. Das ist das, was mir hier jetzt wieder Spaß macht. Ich bin vom Dorf, es ist mein Dorf, und für das lebe ich auch. Ich mache das nicht ungern, aber ich bin auch froh, wenn es vorbei ist und ich mit meiner Familie wieder in den ruhigeren Takt komme.

Wie viele Stunden haben Sie durchschnittlich wöchentlich investiert?
Das ist unterschiedlich, aber im Schnitt waren das schon 30 Stunden pro Woche. Und das in Corona-Zeiten, also ohne Geburtstagsbesuche oder Veranstaltungen, die normalerweise dazukämen.

x