Geiselberg / Waldfischbach-Burgalben
Wasa-Möbel sind wieder da
Für Hans-Michael Marschall ging es mit dem Naturholzmöbelhersteller, der immer eine besondere Fan-Gemeinde hatte, zugleich zurück zu den Wurzeln. Die Firma Wasa ist jetzt wieder dort zu Hause, wo alles begann, wo die ersten Wasa-Massivholzmöbel produziert wurden: in der Hauptstraße in Geiselberg.
„Hier wurden die ersten Möbel nach den Entwürfen von Designer Ole Björnson gebaut“, erinnert Marschall, während er in einer aktuellen Wasa-Küche steht, die im Ausstellungsraum aufgebaut ist. 1979 hatte die Erfolgsgeschichte der Naturholzmöbel aus der Pfalz begonnen, die eine bewegte Firmengeschichte mit sich bringen sollten. Inklusive dreier Insolvenzen, „die ich alle mitgemacht habe“, erzählt Marschall.
Eine besondere Beziehung zu den Produkten
Was für viele Kunden gilt, gilt auch für den Schreinermeister, der 1985 zu Wasa gekommen war: Die Freude am Produkt ist so groß, dass Loslassen schwerfällt. Nachhaltigkeit war bei Wasa schon ein eisern geltendes Prinzip, als der Begriff noch nicht in aller Munde war. Dass Wasa-Kunden eine besondere Beziehung zu den schadstofffreien, langlebigen Naturprodukte und zum Unternehmen hatten, zeigte sich jährlich beim „Jamboree“, Tage der offenen Tür. „Mein Ziel ist es, dass es mal wieder ein Jamboree gibt“, blickt Marschall in die Zukunft.
Bis 1979 waren in der Wasa-Halle massive Gartenmöbel produziert worden. Die dann am Markt nicht mehr gefragt waren. Gerhard Auer, Olympiasieger im Rudern in München 1972, übernahm die Geschäftsführung und aus dem Gartenmöbel-Produzenten wurde der Naturholzmöbelproduzent Wasa. Der expandierte, baute im Gewerbegebiet in Waldfischbach-Burgalben. Den Ingenieur Auer und den Schreinermeister Marschall verband über die Jahrzehnte des gemeinsamen Arbeitens vieles. Vor allem die Überzeugung, ein besonderes Produkt anzubieten. „Wäre das nicht so gewesen, wer weiß, ob ich das alles mitgemacht hätte“, sagt Marschall lachend.
Start in die Selbstständigkeit vor zwei Jahren
Genau das, was Wasa-Produkte auszeichnete, wollte er nach der dritten Insolvenz wieder produzieren. Deshalb machte er sich am 1. Dezember 2019 selbstständig. Mit der Massivmöbel Manufaktur Marschall. Weil er damals noch keine Wasa-Rechte hatte. Aber er bemühte sich darum. Insolvenzverfahren sind eine komplizierte und langwierige Sache, deshalb konnte er die Rechte erst 2021 erwerben. Er hat die frühere Halle in Geiselberg gemietet, auf die er seit Jahren täglich blickt, denn der aus Zweibrücken stammende Marschall wohnt seit Jahrzehnten nebenan.
Etwa 1000 Quadratmeter groß ist die Fläche, die er nutzt. „Das ist alles noch im Aufbau“, sagt er. Auf 200 Quadratmetern werden Möbel ausgestellt, der Rest der Fläche dient als Lager und für die Produktion. Vor der Halle wehen die bekannten Wasa-Fahnen. Wer die Halle in Geiselberg betritt und Wasa kennt, wird sich gleich wie zu Hause fühlen. Schon im Eingangsbereich gibt es einen Blick auf das, wofür Wasa steht: Naturholzmöbel aus Holz, das aus nachhaltiger Holzwirtschaft stammt. Buche und Kernbuche sind wichtige Holzarten. Dazu kommen Eiche, Nussbaum, Ahorn und Kirsche. Für Menschen, die etwas ganz Besonderes mögen, ist Eisbuche im Programm. Ein Holz, das Marschall aus Bayern bezieht. Es erhält seine besondere Struktur dadurch, dass es – wie bei der Eiswein-Produktion – Frost überstehen muss.
Auch Küchensysteme im Angebot
Alle Hölzer werden mit Naturölen geölt. „Ich verwende die gleichen Oberflächenöle wie zuvor“, sagt Marschall. Für die Massivholzküchen – zuletzt hat Marschall eine Wasa-Küche in Dresden montiert – werden spezielle Wasserschutzöle verwendet. „Da passiert garantiert nichts. Auch Rote Beete hinterlässt keine dauerhaften Flecken“, sagt Marschall.
Bei den Küchen gibt es Neuerungen. Marschall ist auch offizieller Händler für Bora-Dunstabzüge und Kochfelder. Die werden auch in den Wasa-Küchen verbaut. Aber nicht nur da. „Wer ein solches Dunstabzugssystem für seine Küche haben möchte, findet das bei mir“, sagt Marschall. Wasser kommt in Wasa-Küchen, wenn gewünscht, aus Quooker-Küchenarmaturen. Das sind die Armaturen, die sofort 100 Grad heißes Wasser liefern können, ebenso eisgekühltes Wasser.
Bekannte Namen, neue Produkte
Furos, Autor, Kaidos, Lektor und Zen – Wasa-Kunden wissen bei diesen Namen, welche Möbelserien sich dahinter verbergen. In seiner Zeit bei Wasa hat Marschall viele Produkte, die Klassiker sind, mit entwickelt. „Deshalb habe ich nicht nur den Gebrauchsmusterschutz, sondern die Urheberrechte an den Wasa-Möbeln“, unterstreicht er. Er hat die Produktpalette etwas ausgebaut. „Im Bereich Garderobe war Wasa nicht so gut aufgestellt, da gibt es ein paar Neuerungen“, sagt er.
Auch die Webseite von Wasa de gehört ihm jetzt wieder. „Wer diese Seite aufruft, wird aktuell noch auf meine vorherige Seite der Massivmöbel Manufaktur Marschall umgeleitet“, erläutert Marschall. Das wird sich ändern. Sohn Sven, der Virtual Design studiert hat, arbeitet bei Wasa mit. Er erstellt zum Beispiel aus den technischen Daten, die Hans-Michael Marschall für die Produktion ins CAD-Programm eingibt, mittels des sogenannten Renderings Bilder, die dem Kunden vor Produktion des Möbels genau zeigen, wie es später in seiner Wohnung aussehen wird, wenn das bestellte Möbel dort steht. „Das kommt sehr gut an bei den Kunden“, sagt Marschall.
Arbeit nach Maß
Kundenwünsche kann er maßgenau erfüllen. Diese Möbel kommen jetzt wieder aus der Pfalz, aus Geiselberg. Die beliebte Wasa-Stapelbox, das vielfältig einsetzbare modulare System, bezieht er, wie zuvor bereits Wasa in Waldfischbach-Burgalben, von einem Zulieferer in Rumänien. Natürlich repariert er auch Wasa-Möbel, die bei Kunden stehen. Denn Wasa-Produkte sind bekanntermaßen keine Wegwerfprodukte.
Info
Die Wasa-Massivholzmöbel sind in Geiselberg in der Hauptstraße 68 zu finden. Aktuell kann die Ausstellung, in der auch Küchensysteme von Bora und Quooker zu sehen sind, nur nach Terminabsprache besucht werden. Kontakt: Hans-Michael Marschall, Telefon 06307 6615 oder 0176 60441949. Hier lassen sich auch Produkt- oder Reparaturwünsche besprechen.