Bechhofen / Contwig
Warum weniger Apotheken auf Corona testen
Während Ärzte wegen der Delta-Variante vor einer möglichen vierten Coronawelle warnen, werden die Testmöglichkeiten im ländlichen Raum weniger. Die Bechhofer Apotheke hat ihr Angebot schon Anfang Juli beendet. In Contwig wird nur noch in Ausnahmefällen getestet. Es gibt noch Teststellen in den Verbandsgemeinden Thaleischweiler-Wallhalben, Pirmasens-Land und Bruchmühlbach-Miesau, aber keine weiteren in Zweibrücken-Land.
Am 1. Juli hat sich die Corona-Testverordnung geändert. Die Vergütung für die Tests wurde drastisch gesenkt, berichtete Anne Matheis von der Bechhofer Von-Sickingen-Apotheke zu Monatsbeginn. Sie hat ihr Testangebot deshalb beendet.
„Man kann lediglich noch 11,50 Euro abrechnen. Darin sind sämtliche Testkosten enthalten, wie unser Schutzmaterial und die Kosten für den eigentlichen Test. Samt Arbeitszeit und Dokumentationspflicht, die übrigens stark erweitert wurde, was ich grundsätzlich begrüße. Weil das dem Abrechnungsbetrug entgegenwirkt. Für eine kleine Apotheke wie unsere, die Testungen nicht in Massen durchführt, ist die Beschaffung des Testmaterials aber nun zu teurer. Wir müssen viel mehr für den Test bezahlen als ein Abnehmer, der 500 bis 600 Tests täglich durchführt. Letztendlich ist es so, dass ich bei der nun geltenden Testverordnung Geld drauflegen würde“, schildert Matheis ihre Gründe.
Sie versichert: „Ich hätte weiter Tests angeboten, wenn sich das für mich auch nur minimal gelohnt hätte. Weil ich weiß, wie wichtig das für die Leute bei uns im Dorf war.“ Aber wenn sich kleine Testbetriebe ordentlich an Hygienevorschriften halten und Tests mit hoher Qualität einkaufen, sei ein wirtschaftliches Arbeiten nicht mehr möglich.
Was bekamen Apotheker eigentlich zuvor als Erstattung für einen Test? „Bis zu 18 Euro. Es kam darauf an, was die Testkits gekostet haben. Das waren maximal sechs Euro. Unsere Tests haben auch sechs Euro gekostet. Jetzt werden nur noch 3,50 Euro pro Test-Kit erstattet. Dafür kann man keinen vernünftigen Test bestellen. Diesen Einkaufspreis erzielen Sie als kleine Apotheke nicht“, klagt die Bechhoferin, die bis Ende Juni etwa 100 Tests wöchentlich durchgeführt hat.
Sebastian Theiß, Filialleiter der Laurentius-Apotheke bietet in Contwig hingegen weiter Corona-Tests an. Wenn auch in stark beschränktem Umfang. Wer sich hier testen lassen möchte, muss einen dringenden Bedarf anmelden. Und vorher einen Termin vereinbaren, der aber nur in bestimmten Zeitfenstern angeboten werden kann.
Das ist weniger den Kosten und der geringeren Erstattung für Apotheken geschuldet. „Wir haben im Moment einfach nicht die Kapazität, um Corona-Tests anbieten zu können. Es kann halt auch sein, dass wir einen Test erst zwei Tage nach dem Anruf anbieten können. Ich stehe hier nämlich gerade auf einer Baustelle“, bittet Theiß wegen Umbaumaßnahmen in der Apotheke um Verständnis.
Was ist denn nach den Vorgaben der Laurentius-Apotheke ein dringender Fall? „Insbesondere wenn jemand den Test aus medizinischen Gründen braucht. Oder wenn er im ländlichen Raum lebt und nachweislich sehr viel Zeit spart, wenn er bei uns testet. Also wenn es anderswo für Patienten nicht praktikabel wäre. Nicht, nur weil jemand zu faul ist, um nach Zweibrücken zu fahren.“
Wenige Tage nach ihrem ersten Gespräch mit der RHEINPFALZ packt Anne Matheis in Bechhofen Testmaterial weg. Im Grunde hadert sie mit ihrer Entscheidung. Weil es Kollegen gibt, die weiter testen. Außerhalb der Verbandsgemeinde. Matheis’ Blick fällt auf eine Zeitschaltuhr, die die Form einer Tomate hat. „Mit der haben wir die Zeit gestoppt, bis das Testergebnis da war“, sagt sie. Was die erstattungsfähigen Kosten bei der Testbeschaffung betrifft, habe das Land mittlerweile nachgebessert. „Aber es reicht immer noch nicht.“ Trotzdem gibt Matheis ein Versprechen: „Wenn wir im Herbst wieder gebraucht werden, sind wir da.“