Südwestpfalz
Reicher Kindersegen bei Meister Adebar
Weil die Störche dieses Jahr erneut sehr früh in ihre Brutheimat zurückgekehrt sind, wundert es nicht, dass in vielen Nestern jetzt erfreulich kräftige Jungschnäbel zu sehen sind. Laut Henning Götz vom Kirschbacherhof gab es 2022 noch keine Zwischenfälle mit abgestürzten Jungvögeln. Jessica Küntzler vom Hofgut nennt es „eine Freude, wie die Störche das Hornbachtal mögen. Überall bauen sie sich längst eigene Nester in den Bäumen.“ Auf nur fünf Quadratmetern gäbe es auf unterschiedlichen Ebenen vier Nester, die sich fast berühren.
Auf den Dächern des Kirschbacherhofs, im Gartenbereich und auf den Nisthilfen zu den Viehweiden gibt es dieses Jahr 32 Nester zu finden, die mit Jungstörchen belegt sind. Viele davon sind mit drei Storchenkindern bewohnt, mehrere sogar mit vier. Somit könnten spätestens im Juli 80 oder mehr Nachwuchsstörche die Nester auf dem Hofgut verlassen.
Talwiesen sind Vorratskammern
Ein Futterproblem bei den Störchen kann Henning Götz nicht erkennen. Die feuchten Talwiesen seien gut gefüllte Vorratskammern für die Storcheneltern. Jetzt würden die Wiesen gemäht, was das Futterangebot noch verbessere und die Suche erleichtere, so der Biolandwirt. Zurzeit könne man gut erkennen, dass die Altstörche ihren Nachwuchs vor der Sonne schützen. Sie drehen ihren Rücken zur Sonne und spreizen die Flügel ab, was wie ein Sonnenschirm wirkt.
Auch auf dem Hitscherhof beim Golfplatz wächst die Anzahl der Störche. Diese nutzen auch dort vermehrt die Bäume für den Nestbau. Gleiches gilt für die Schuhfabrik Stuppy in Höhmühlbach. Ein erstes Baumnest gibt es sogar am Waldhang zum Rieschweiler Sportplatz. Bei den Rieschweiler Mühlen haben die Störche auf Fichten und Birken Nester angelegt. Auch an der Faustermühle ist wieder eine Storchenfamilie eingetroffen. Etwa 40 Nester gibt es jetzt im Schwarzbachtal. Die zahlreichen Storchenkinder sind dort genau so gesund entwickelt wie im Hornbachtal.
Zentnerweise Futter bei der Brut nötig
Für Hans Göppel, einen der Väter der Storchenansiedlung im Hornbachtal, ist diese bemerkenswerte Entwicklung nach 30 Jahren kaum zu verstehen. „Wir haben dem Storch im Mauschbacher Bruch eine Nisthilfe aufgestellt und gehofft, dass wirklich einer kommt und es schafft, eine Familie zu gründen. Wir brauchten zwei Jahre Geduld. Unsere Begeisterung war riesig, dass wir Erfolg hatten, wo doch der Storch in der Pfalz ab 1974 schon ausgestorben war. Im Zweibrücker Land gab es davor überhaupt keinen Nachweis zum Weißstorch. Vor allem blieb uns der Adebar treu.“
Für Göppel hätte die Anzahl der Störche von vor fünf Jahren schon gereicht, aber die Vogelwelt entscheidet, wo sie sich wohlfühlt. „Der Storch liebt ohne Zweifel unsere landwirtschaftlich geprägte Natur, die ihn reich beschenkt“, so Göppel. Ein Altstorch brauche täglich bis zu 700 Gramm Futter. Für die Jungvögel muss in kurzer Zeit bis zu 1600 Gramm Futter beschafft werden. Für eine Familie mit vier Storchenkindern sind das täglich gut 7000 Gramm, also gut sechs Zentner in einer Brutsaison.
Nahrungssuche auf der Deponie?
Auf dem Hitscherhof gibt es einen Bewohner, der diese Entwicklung nicht mehr gesund findet. Ihn stört, dass die Störche sich auf dem Remondis-Gelände beim Staffelhof Nahrung besorgen. Dies hält er für nicht mehr normal. Verhaltensforscher bei deutschen Vogelwarten kennen solche Gewohnheiten der Störche schon lange: Die Vögel gehen den einfachsten Weg, um schnell genug Nahrung zu bekommen. Daher bleiben Störche im Winter auch immer öfter in Spanien, Frankreich und Portugal, weil sie auch dort Dauergäste auf den Deponien sind. Die Störche sind Allesverwerter bis hin zum Aas. Sie sind absolut nicht wählerisch, was auf Deponien für sie besonders gefährlich sein kann: Dort gibt es viele unverträgliche Happen und stehendes hochgiftiges Wasser, was tödlich sein kann. Ebenso der Verzehr von Insekten, die mit gefährlichen Spritzmitteln vergiftet sind.
„Im Hornbachtal möchte ich kein Frosch, Lurch oder Kröte sein“, sagt der Vogelkenner Norbert Fakundiny aus Kleinsteinhausen. „Vor allem, wenn die Störche schon im Februar hier sind, wenn die Amphibien ihre Laichzeit noch nicht abgeschlossen haben.“ Auch Fakundiny würde eine geringere Anzahl für ausreichend halten; die Bemühungen um die Wiederansiedlung der Störche sei längst ein Volltreffer. Daher verstehe er manche Bewohner des Hornbachtals oder der Orte an der französischen Grenze, wenn sie meinen, dass inzwischen schon mehr Störche als Kühe in den Talwiesen unterwegs seien.
Ungünstiges Wetter birgt Gefahren
Es sei jedoch immer möglich, dass sich mal zwei oder drei Jahre mit ungünstigem Wetter einstellen – mit Frostnächten, nasskalten Regentagen sowie Sturm und Hagel. Dann gebe es kaum eine Chance, dass der Nachwuchs überlebt, weiß Fakundiny. Außerdem müsse man bedenken, dass auf dem Vogelzug in die Überwinterungsgebiete vor allem Jungvögel tödlich verunglücken. Erfahrungsgemäß überlebten nur zwölf Prozent der Storchenkinder ihr erstes Lebensjahr. Ganz selten gebe es Jahrgänge, in denen jeder fünfte Jungstorch den Vogelzug gen Afrika überlebt.