Zweibrücken-Land RHEINPFALZ Plus Artikel Nach drei Jahren die erste große Rede: Bernhards erster Empfang

Björn Bernhard hielt seine erste Rede als Bürgermeister vor 200 bis 250 Zuhörern.
Björn Bernhard hielt seine erste Rede als Bürgermeister vor 200 bis 250 Zuhörern.

Neujahrsempfänge sind „ein bisschen in die Jahre gekommen“, findet Björn Bernhard. Er lud deshalb zum Frühlingsempfang ein. Nicht alles war anders, aber es gab Überraschungen.

Seit Mitte 2020 ist Björn Bernhard Bürgermeister der Verbandsgemeinde Zweibrücken-Land, aber sein Amtsantritt und die Folgejahre fielen in die Corona-Zeit. An Neujahrsempfänge war nicht zu denken. Dass ihm das gar nicht so viel ausmachte, daraus hat der Verbandsbürgermeister nie einen Hehl gemacht, und auch bei seiner Rede am Sonntagmorgen in Hornbach erinnerte er noch einmal daran, dass er die üblichen Neujahrsempfänge im sowieso mit Terminen vollgestopften Januar für „ein bisschen in die Jahre gekommen“ hält.

Ihm habe die Idee des Zweibrücker Oberbürgermeisters Marold Wosnitza gefallen, zu einem Sommerempfang einzuladen. Mit einem Rosengarten wie Zweibrücken kann die Verbandsgemeinde nicht dienen, deshalb fand Bernhards erster großer Empfang für alle Einwohner der Verbandsgemeinde in der Hornbacher Pirminiushalle statt.

Die erste Bürgermeister-Rede vor großem Publikum

Es sei das erste Mal, dass er die Chance habe, vor großem Publikum über seine Arbeit zu sprechen, sagte Bernhard, der danach etwa 50 Minuten auf der Bühne stand. Über seine eigene Arbeit sprach er aber gar nicht so viel. Ihm ging es vor allem darum, danke zu sagen. Auf einen Rückblick verzichtete er fast komplett, den Ausblick hielt er knapp. Vor allem sprach er über die Verbandsgemeinde, nicht über die Bundes- oder gar Weltpolitik. Dem Thema Ehrenamt widmete er mehr als die Hälfte der Zeit.

„Alles Große in der Welt geschieht nur, weil einer mehr tut, als er muss!“ Mit diesem Zitat des Gründers der SOS-Kinderdörfer Hermann Gmeiner zeichnete Bernhard eine Reihe von Leuten aus, die sich in der Verbandsgemeinde engagieren – in Musik- und Sportvereinen, bei der Feuerwehr, bei Festen, bei Bürgertreffs und bei der Dorfpflege: Josef Becker aus Bechhofen, Rolf Welle aus Althornbach, Edith Schneider aus Käshofen, Gerd Zahler aus Dietrichingen, Wolfgang und Elke Rapp aus Großbundenbach, Claudia Hemmer und Silvia Werner aus Wiesbach, Gunter Stegner aus Dietrichingen, Ruth Lang aus Riedelberg, Christa und Fritz Kohler aus Bechhofen. Geehrt wurde auch eine Deutsche Meisterin: Lilly Wind aus Contwig, Neuntklässlerin am Zweibrücker Hofenfels-Gymnasium, wurde 2022 Deutsche Juniorenmeisterin im RC Car, im Rennen mit ferngesteuerten Modellautos.

Reiner Hohn nennt niemanden und meint alle

Auch der Hausherr, Hornbachs Bürgermeister Reiner Hohn, der 2024 nach 30 Jahren im Amt nicht mehr antreten wird, wurde geehrt. Er gab den Dank in seiner kurzen Rede gleich weiter: Als er gefragt wurde, welche Hornbacher er nennen würde, die geehrt werden sollten, „hab’ ich gesagt, niemanden, weil wir jemanden vergessen. Du kannst sie nicht alle nennen.“ Er habe sich in den 30 Jahren wie der Spielführer einer Fußballmannschaft gefühlt. „Wenn du drei Mann vom Platz gestellt bekommst, hast du keine Chance“, verdeutlichte Hohn, wie wichtig ihm die Helfer in seiner Stadt waren und sind.

Seit etwa drei Jahren stellt die Verbandsgemeinde regelmäßig im Amtsblatt Ehrenamtliche vor. An die bisher Vorgestellten erinnerte eine Bilderschau, die beeindruckend zeigte, wie viele Leute sich in ganz verschiedenen Bereichen engagieren. Unterlegt war die Schau mit dem Lied „Auf uns“ von Andreas Bourani. Im Text heißt es: „Ein Hoch auf das, was vor uns liegt. Dass es das Beste für uns gibt. Ein Hoch auf das, was uns vereint. Auf diese Zeit.“

Bernhard lässt auch Kritik anklingen

Zuvor hatte Verbandsbürgermeister Bernhard den 200 bis 250 Zuhörern die wichtigsten Punkte der Arbeit in der Verbandsgemeinde vorgestellt: Die Verwaltung und die Werke – verbunden auch mit einem Dank an die Mitarbeiter –, die Themen Schulen, Feuerwehren und Energiewende und die Ortsgemeinden. Dabei ließ er auch Kritik anklingen.

Etwa beim Thema Digitalisierung, wo die Verbandsgemeinde „wenig Hilfe von Land und Bund“ bekomme. Er nannte das Onlinezugangsgesetz. Es wurde 2017 erlassen und sollte Ende 2022 umgesetzt sein. Laut Bernhard sollten 575 Verwaltungsleistungen online verfügbar sein, „und eine Handvoll funktioniert“.

Das neue Kindergartengesetz „bringt uns an den Abgrund“

Kritik übte er auch beim neuen Kindergartengesetz des Landes mit all seinen Vorgaben: „Der Rattenschwanz, den das nach sich zieht, bringt uns und die kommunale Selbstverwaltung an den Abgrund“. Alleine durch notwendige Umbauten. Hier sollte gelten: „Wer bestellt, bezahlt.“ Aber anstelle des Landes müssen die Dörfer die Kosten übernehmen.

Umbauten sind auch bei den Feuerwehrhäusern notwendig, weil die Feuerwehrautos größer geworden sind. „Wir bestellen die kleinsten Autos, sie passen trotzdem nicht“, erklärte Bernhard, warum die Verbandsgemeinde begonnen hat, Feuerwehrhäuser neu oder umzubauen wie derzeit in Dietrichingen.

Über zehn Millionen für die Grundschulen

Am meisten Geld – bisher über zehn Millionen – steckt die Verbandsgemeinde in die Grundschulen. Derzeit läuft die Generalsanierung in Dellfeld, Stambach soll 2024 folgen, dann Bechhofen. Hornbach ist abgeschlossen, Wiesbach fehlt noch. Das Foto zeigte hier sechs Grundschulen: auch die in Bottenbach in der Nachbarverbandsgemeinde, die die Kinder aus Groß- und Kleinsteinhausen besuchen.

Beim Thema Energiewende erinnerte Bernhard an die großen Sonnenstromanlagen, die derzeit an vielen Stellen in der Verbandsgemeinde entstehen sollen, vor allem um die Dörfer im Süden. Hier hat die Verbandsgemeinde eine Potenzialanalyse in Auftrag gegeben, die auch die Landwirtschaft im Auge behalten soll. Bernhard versprach erneut zu schauen, ob die Einwohner der Verbandsgemeinde durch die Anlagen von günstigerem Strom profitieren können. Kurz sprach er die Entwicklung auf dem Flugplatzgelände an. Über die neue Amazon-Halle sagte er: „In einen Augen war das genau die richtige Entscheidung.“ Er meinte damit, dass die große Gewerbefläche am Steitzhof an einen einzigen Bauherren verkauft wurde. Nun hoffe man, dass es auch auf der Truppacher Höhe zwischen Outlet-Kreisel und Contwig weitergeht.

Die geehrten Ehrenamtler mit Bürgermeister Björn Bernhard (rechts) und Hornbachs Bürgermeister Reiner Hohn (daneben). Vorne in d
Die geehrten Ehrenamtler mit Bürgermeister Björn Bernhard (rechts) und Hornbachs Bürgermeister Reiner Hohn (daneben). Vorne in der Mitte steht die Deutsche Juniorenmeisterin im RC Car, Lilly Wind.
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