Interview
Landfrauenflohmarkt: Warum Guildo Horn seine Freude gehabt hätte
Frau Hiller, wer sind die Landfrauen Contwig-Stambach?
Wir sind 55 Mitglieder, und es gab die Landfrauen Contwig und die Landfrauen Stambach. Vor vier Jahren starb meine Mutter Heidrun Hiller, sie war Vorsitzende der Landfrauen Contwig. Und die Vorsitzende der Stambacher Landfrauen wollte eigentlich auch nicht mehr. Mit dem Tod meiner Mutter sind rund 50 Mitglieder in Contwig ausgetreten wegen Zukunftsbedenken. Die restlichen Contwiger und die Stambacher haben sich dann zusammengeschlossen, weil wir nicht aufhören wollten. Wir sind jetzt im zweiten Jahr ein gemeinsamer Verein und haben mit Annika Hofer seit 2024 eine junge Vorsitzende.
War das der erste Flohmarkt der Landfrauen Contwig-Stambach?
Jein. Wir hatten letztes Jahr im Herbst einen Versuch unternommen, aber nicht genug Werbung gemacht. Deshalb kam das nicht gut an. Alles, was zum Verkauf stand, stammt von der ehemaligen Contwiger Landfrau Sieglinde Quack, die 2024 gestorben ist. Ihr Mann und ihr Sohn haben mich gefragt, ob ich die Sachen nehmen würde, denn Sieglinde Quack und meine Mutter waren gut miteinander befreundet. Ich habe das dann abgeholt und bei mir gelagert. So ist die Idee des Stoff- und Näh-Flohmarktes entstanden. Dieses Jahr haben wir dann mehr Werbung gemacht, in sozialen Netzwerken und mit Aushängen im Dorf.
Und der komplette Flohmarkt bestand aus Sachen von Sieglinde Quack? Auf den rund zehn Metern Tischen war nichts von anderen Landfrauen dabei?
Nein, das ist alles von ihr. Wir wollten erstmal schauen, wie es läuft, weil das schon sehr viel ist. Es kamen rund 30 Besucher, wir haben einige Sachen verkauft, und es war noch viel mehr da. Es gibt Überlegungen, den Flohmarkt einmal im Jahr zu machen, im Frühling. Jeder von uns hat Näh- und Handarbeitssachen zu Hause, die er nicht mehr braucht.
Wie viele Helferinnen waren beim Flohmarkt im Einsatz?
Inklusive Kuchenbacken und Aufbau sieben Landfrauen. Viele von uns kamen auch einfach zum Schnacken. Annika Hofer und ich beaufsichtigten den Verkauf.
Wofür haben sich die Käufer am meisten interessiert?
Es ging viel Stoff im Ballen weg, und auch Stoffteile für kleinere Patchworksachen gingen weg. Und Wolle haben wir viel verkauft. Viele kleinere Patchworkarbeiten sind noch da. Die sind irrsinnig aufwendig, aber leider war daran das Interesse gering. Allerdings kann ich die Sachen bei mir in der Wohnung auch nicht ewig aufheben. Aber wir haben eine Dame in Contwig, die in der Schule eine Näh-AG anbietet: Andrea Wernicke, die Leiterin der Gemeindebücherei Contwig. Meine Mutter und sie haben die Gemeindebücherei zusammen gemacht. Und sie hat gesagt, sie würde für die Schüler alles nehmen, was ich nicht haben möchte.
Waren nur Frauen da, oder haben sich auch Männer für die Sachen interessiert?
Ausschließlich Frauen, die drei Männer, die da waren, waren nur Begleitung.
Gibt es bei den angebotenen Sachen etwas Außergewöhnliches?
Ja, einen ganzen großen Umzugskarton mit Krawatten. Sieglinde Quack hatte wohl ein Projekt mit Krawatten geplant, ich glaube, sie wollte einen großen Quilt aus Krawatten machen, einen Wandbehang. Die Krawatten haben teilweise ganz tolle Muster, aus den 70er- und 80er-Jahren. Guildo Horn hätte seine wahre Freude daran. Man kann aber auch viel aus Krawatten nähen.