Geiselberg RHEINPFALZ Plus Artikel Bürgerstiftung wird am Freitag gegründet

Die Bürgerstiftung Geiselberg will das katholische Pfarrheim kaufen und als erstes großes Projekt entwickeln.
Die Bürgerstiftung Geiselberg will das katholische Pfarrheim kaufen und als erstes großes Projekt entwickeln.

Es geht, kurz gesagt, um die Zukunft des Dorfes. Darum, den Ort zu entwickeln, damit es für die Menschen attraktiv und erstrebenswert ist, in Geiselberg zu wohnen. Sie sollen sich wohlfühlen und das Leben in Geiselberg mitgestalten. Deshalb wird am Freitag die Bürgerstiftung Geiselberg gegründet.

Vielfältig einbringen, das bedeutet bei der Bürgerstiftung, dass sich die Menschen mit Ideen, Arbeitskraft oder finanziell beteiligen, um Projekte im Dorf zu unterstützen. „Ganz wichtig ist, dass die Bürgerstiftung eigenständig ist, nichts mit der politischen Gemeinde zu tun hat“, sagt Bürgermeisterin Marika Vatter. Über Partei- und Vereinsgrenzen hinweg soll sie wirken. Vatter spricht hier allerdings nicht als Bürgermeisterin, sondern als Mitglied des 2019 zusammengetretenen Gründerkreises der Stiftung. „Als Bürgermeisterin freue ich mich über die Stiftung, weil sie vieles ermöglicht. Aber als Bürgermeisterin halte ich mich raus, so wie es dem Grundsatz der Bürgerstiftung entspricht“, sagt Vatter schmunzelnd.

Seit 2016 besteht die Idee einer Bürgerstiftung in Geiselberg. Es waren gesellschaftliche Entwicklungen, die den Anstoß gaben, sich intensiv mit diesem Thema zu befassen, erinnert Gründerkreis-Mitglied Volker Spieß. Waren es in der Vergangenheit vor allem die Vereine, die das gesellschaftliche Leben in einer Gemeinde getragen haben, so nimmt deren Bedeutung und das Engagement ihrer Mitglieder kontinuierlich ab. Das hat Auswirkungen auf Veranstaltungen wie das Geiselberger Dorffest, das noch von den örtlichen Vereinen getragen wird. „Ein Beispiel dafür, dass wir uns ernsthaft die Frage stellen müssen, wie lange das noch möglich sein wird“, meint Vatter. Man müsse überlegen, wie das Fest organisiert wird, wenn die Vereine das nicht mehr leisten können.

Projektarbeit statt lebenslanges Vereinsmitglied

Projektbezogen lassen sich die Menschen aber nach wie vor begeistern, sich für ihren Ort einzusetzen. Diese Entwicklung, sagt Vatter, müsse man akzeptieren und das gemeinsame Leben in der Gemeinde gestalten. „Es gibt ganz viele Menschen, die unglaublich gute Ideen haben, denen aber die richtige Plattform fehlt, um sich, um ihre Idee einzubringen“, sagt Spieß. Das soll ihnen künftig die Bürgerstiftung ermöglichen. Die biete Möglichkeiten, die weit über die Organisation eines Dorffestes hinausgehen.

Ganz oben auf der Liste steht der Erhalt des katholischen Pfarrheimes – für viele Geiselberger ein Ort, den sie mit persönlichen Erinnerungen verbinden. Die katholische Kirche wird sich von dem Gebäude trennen. Die Bürgerstiftung möchte es kaufen. „Es könnte ein Leuchtturmprojekt werden“, meint Volker Spieß. Wenn die Bürgerstiftung gegründet, der Kauf möglich und vollzogen ist, sollen Ideen mit Bürgern entwickelt werden, wie das Gebäude künftig genutzt wird. Denkbar wäre eine Zukunftswerkstatt. Fest steht, dass es den Bürgern dienen soll. Das ist Stiftungszweck: etwas für die Gemeinde erreichen. Wohlfahrtspflege, Umwelt- und Naturschutz, Landschaftspflege, Jugend-, Alten- und Behindertenhilfe, Bildung, Völkerverständigung, Kunst, Kultur und Heimatpflege sind Themen, in denen die Bürgerstiftung Geiselberg tätig werden will.

Unterstützung aus der Pfalz

Dass die Kirche auf die Stiftung zukommen konnte, lag daran, dass es die Bürgerstiftung Geiselberg in Gründung seit 2017 gibt. Unter anderem hat die Stiftung in Gründung seither den Geiselberger Advent organisiert. Das war möglich, weil sich die Initiatoren erfahrene Hilfe suchten: Die Stiftung in Gründung ist Partner der Bürgerstiftung Pfalz. Genauer gesagt ist die Bürgerstiftung Pfalz, die unter anderem die Kayssermühle in Klingenmünster betreibt und sich um die Burg Landeck kümmert, sogenannter Treuhandstifter. Das erlaubt es, den Geiselbergern Wissen und Strukturen bereitzustellen und sie von Anfang an zu begleiten. Jetzt ist es Zeit, einen größeren Schritt zu wagen.

Auch dabei unterstützt die Bürgerstiftung Pfalz die Geiselberger: Die Vorsitzende Christiane Steinmetz wird die Gründungsversammlung leiten. Sie hatte den Geiselbergern 2017 die Vorteile einer Bürgerstiftung aufgezeigt. Landleben 2.0 ermöglichen, hatte Steinmetz damals angeregt. Angesichts der rasanten Entwicklung im digitalen Bereich lässt sich mittlerweile fast schon vom Landleben 4.0 sprechen. Umgesetzt werden sollen Projekte, die den Menschen im Dorf wichtig sind und die der Staat nicht oder nicht mehr leistet.

Die Bürgerstiftung ist eine Riesenchance für Geiselberg, sind sich Vatter, Spieß und ihre Mitstreiter einig. Deshalb hat der Gründerkreis intensiv gearbeitet, damit am Freitag (18 Uhr, Bürgerhaus) der Zusatz „in Gründung“ entfernt werden kann. Unter anderem wurde das Mindeststiftungskapital von 25.000 Euro erbracht.

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