Niederhorbach RHEINPFALZ Plus Artikel Zu viel Egoismus: Bürgermeister und Beigeordneter treten nicht mehr an

Ralf Lorenz ist seit acht Jahren Ortsbürgermeister in Niederhorbach. Zur Wahl 2024 tritt er nicht mehr an.
Ralf Lorenz ist seit acht Jahren Ortsbürgermeister in Niederhorbach. Zur Wahl 2024 tritt er nicht mehr an.

Landauf, landab fehlen Kandidaten in den Ortsparlamenten. In Niederhorbach wird das bei den Kommunalwahlen im Mai 2024 nicht der Fall sein – hoffen zumindest der Bürgermeister und sein Beigeordneter. Sie selbst werden aber nicht mehr kandidieren, wofür es vielerlei Gründe gibt.

Ortsbürgermeister Ralf Lorenz und sein Beigeordneter Rainer Keller kündigen ihren Austritt aus dem Gemeinderat mit Vorlauf an. Aus gutem Grund. „Es bewegt uns schon eine Zeit lang, wir wollen es rechtzeitig öffentlich machen, damit sich Bürger finden, die kandidieren“, sagen sie. Es sind keine Querelen im Gemeinderat, auch nicht zwischen den beiden, die sich super ergänzten und sehr gut zusammenarbeiteten, wie sie sagen. Es sind Frust und Resignation, die deutlich zu spüren sind und die sich aus vielerlei Gründen aufgebaut haben.

Einerseits ist es die immer komplexer werdende Bürokratie, andererseits sind es die individuellen und sehr unterschiedlichen Ansprüche der Bürger. „Der Bürger ist zum Kunden geworden und wir sollen die Dienstleister sein, die Wünsche erfüllen“, fasst es Rainer Keller zusammen. Beispiel Neubaugebiet „Hinterwiesen“ mit acht Bauplätzen, das seit zwei Jahren in der Planung ist und den Gemeinderat intensiv beschäftigt: „Ein Ort wie Niederhorbach muss sich entwickeln können, junge Leute wollen wieder zurück in ihr Dorf“, ist die Meinung von Lorenz und Keller. Aber es gibt Gegner und Befürworter. Fronten hätten sich gebildet, sagen sie. Für ein Regenrückhaltebecken müssen Grundstücke umgelegt werden, Gärten mussten in den Planentwurf aufgenommen werden. Der Ton ist deswegen teils rau geworden in der Gemeinde. „Wir verstehen Verunsicherungen, aber uns wird dann schlechte Arbeit vorgeworfen, obwohl wir nichts dafür können“, sagen die beiden.

Ein weiteres Beispiel ist das Gewerbegebiet in der Raiffeisenstraße, ein großes Wort für eine Maschinenhalle, die gebaut werden sollte. Es wird nicht realisiert. „Nach drei Jahren hat der Bauherr aufgegeben, es waren drei Jahre Bemühungen für Nichts“, sagen der Ortsbürgermeister und sein Beigeordneter.

„Ich habe den Spaß verloren“

Lorenz ist seit acht Jahren Ortschef und seit zehn Jahren im Rat , Rainer Keller insgesamt 13 Jahre, davon zehn Jahre Beigeordneter. Das Kita-Zukunftsgesetz würde ein eigenes Kapitel füllen. Die Kinder besuchen die Kita in Pleisweiler-Oberhofen, wo vor Kurzem Ortsbürgermeister Roland Gruschinski zurückgetreten ist. „Man bekommt etwas aufgedrückt, hat keinen finanziellen Spielrahmen, wir werden gezwungen, die Steuern zu erhöhen, und die Bürger machen uns dann verantwortlich“, fassen die beiden das Dilemma zusammen. Für viel Unmut sorgen auch die fehlenden Straßenmarkierungen nach Abschluss der Arbeiten für die Glasfaseranschlüsse. „Im April ging der Auftrag an den Bauhof der Verbandsgemeinde raus, bis jetzt ist nichts passiert, jetzt erfahren wir, dass es der Bauhof nicht machen kann“, erzählen Lorenz und Keller. Sie werden dauernd deswegen von Bürgern angesprochen.

„Der Egoismus wird immer schlimmer, das merken wir auch, die Bürger sehen nur ihre eigenen Interessen“, sagen sie. Und natürlich möchten sie an irgendein Projekt mal einen Haken machen, deshalb verstehen sie auch Verunsicherungen, sagen sie. „Warum soll ich mir das antun, ich habe deutlich den Spaß verloren“, sagt 55-jährige Grafiker Keller, eigentlich eine Frohnatur. Und der Ideengeber der Geschwindigkeitsmessanlagen auf denen auf gut pfälzisch „basst“ oder „uffbasse“ angezeigt wird. „Am Anfang war die Arbeit deutlich entspannter“, ist auch das Resümee des 57-jährigen Lorenz, der als selbstständiger Versicherungsmakler arbeitet. Die beiden haben auch festgestellt, dass inzwischen die ehrenamtliche Arbeit in der 470-Seelen-Gemeinde gegen Null geht. Bei Vielem haben sie alleine Hand angelegt, wo viele Hände ein schnelleres Ende gebracht hätten. Da hat dann der Ortsbürgermeister auch schon mal das Festspielhaus geputzt, damit es wieder vermietet werden kann. Die Arbeit im Rat habe trotzdem Spaß gemacht, aber jetzt sei es genug, sagen die beiden. Sie wollen sich auch weiterhin zum Beispiel im Kulturverein engagieren. Und sie hoffen, dass sich für die Wahl im Mai 2024 Bürger finden, die Ämter im Gemeinderat übernehmen wollen.

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