Kreis Südliche Weinstraße „Wir sind überglücklich“

Diese Woche mitten in der Rush Hour – das tägliche Bild: Fahrzeug an Fahrzeug, Rückstau an der Ampel in beide Richtungen über die Tore der Gemeinde hinaus. Mit Beginn der Weinlese wird sich das Verkehrsaufkommen noch einmal steigern, ist sich Karsten Krutz, Sprecher der Bürgerinitiative Ortsumgehung, sicher. Seit Jahren rattern täglich Massen von Fahrzeugen – darunter etliche Lastwagen – durch die Impflinger Hauptstraße. Direkt an den Wohnhäusern vorbei. „Unerträglich“, sagt Krutz. Selbst während der Nachstunden kehre keine Ruhe ein. Gemütlich im Hof zu sitzen, sei für die Anwohner ein Ding der Unmöglichkeit. Dies soll sich nun ändern, die Anwohner atmen auf. Für die Umgehungen Bad Bergzabern und Impflingen sind, wie berichtet, 79 Millionen Euro bereitgestellt, von denen 17 Millionen Euro für die B-38-Umgehung Impflingen vorgesehen sind. Baurecht besteht seit Juni 2010. Prognosen zufolge wird sich die tägliche Fahrzeugquote von rund 16.000 (für 2015 werden rund 19.000 Fahrzeuge prognostiziert) auf 2000 bis 4000 Fahrzeuge verringern. Der Schwerverkehrsanteil liegt bei rund 1300 Fahrzeugen pro Tag. Während der Arbeiten werden auch Wirtschaftswege und Bachbrücken gebaut und die höhenfreie Anbindung der L 554 nach Rohrbach erreicht. Zudem bekommt die K 45 eine neue Einmündung. Wie erster Ortsbeigeordneter Horst Junker (CDU), der derzeit Ortsbürgermeister Günter Flicker (SPD) vertritt, sagt, böten die Umgehungsstraße nur Vorteile für die Bewohner eines Ortes, der tagtäglich unter Verkehrs- und Lärmbelastungen ächzt. Die Botschaft von der Mittelbewilligung in Berlin löste in der Bevölkerung Erleichterung aus. Karsten Krutz zeigt sich sichtlich erleichtert: „Wir sind überglücklich.“ Trotz der positiven Nachricht wolle die Bürgerinitiative in dem Bemühen nicht locker lassen, schon jetzt Tempo 30 und eine Überquerungshilfe in der Ortsdurchfahrt zu erreichen, was zu einer spürbaren Verlangsamung des Verkehrs führen würde. Krutz macht auf die lange Geschichte bis zur Bewilligung der Mittel aufmerksam. Schon zu Zeiten, als das Schulhaus noch in der Hauptstraße stand, seien Forderungen nach einer Umgehungsstraße laut geworden, doch immer wieder im Sand verlaufen, so auch in den 1970er-Jahren, als der Ruf nach einer Umgehungsstraße wieder lauter geworden sei. Was sind die Erwartungen, Hoffnungen und Stimmungen der Anlieger nach der freudigen Botschaft aus Berlin? Wir haben uns vor Ort erkundigt. Gustav Zittel verweist auf die „unerträgliche“ Situation für die Anwohner. Seit Jahrzehnten donnerten täglich unzählige Fahrzeuge direkt an seinem Haus vorbei. Ute Kuhn freut sich schon jetzt darauf, wenn sie im Sommer wieder bei offenem Fenster schlafen und ganz normal auf der Terrasse unterhalten kann. Für die Anwohner der Hauptstraße bedeute die Umgehungsstraße mehr Lebensqualität. Kuhn: „Wir alle können nur das deutliche Plus an Wohnqualität erahnen.“ „Die Freude über das zu erwartende Ergebnis ist riesengroß, wir sind jetzt nach jahrzehntelangem Warten total zufrieden“, sagte Joachim Fritz, der nicht verschweigt, dass er für seine Gästezimmer immer wieder Absagen wegen der Lärmbelästigung erhalten habe. Jetzt bestehe berechtigte Hoffnung, dass die Feriengäste wieder kämen. Fritz ist davon überzeugt, dass der Ort schöner wird und sich in seiner Infrastruktur positiv verändern werde. Kurt Ertel, Leiter des Landesbetriebes Mobilität in Speyer, bestätigte auf Anfrage, dass die Aufträge für die Ingenieurleistungen vergeben seien und die Detailplanung laufe. Anschließend müssten Gespräche mit dem Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum und Grundstücksverhandlungen geführt werden. Wenn alles nach Plan verläuft, könne dieser Teil in gut einem Jahr abschlossen werden. Als Bauzeit rechnet Ertel – vorausgesetzt es gibt keine unvorhergesehene Verzögerungen – mit zwei Jahren, sodass wohl 2018/19 in Impflingen der Verkehrsfrieden einkehren kann. (som)