Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel VG-Chef geht nach 28 Jahren in Rente

Freuen sich auf den neuen gemeinsamen Lebensabschnitt: Olaf Gouasé und seine Frau Andrea. Seit 1986 sind sie verheiratet.
Freuen sich auf den neuen gemeinsamen Lebensabschnitt: Olaf Gouasé und seine Frau Andrea. Seit 1986 sind sie verheiratet.

Fast drei Jahrzehnte hat Olaf Gouasé als Bürgermeister die Verbandsgemeinde Edenkoben geprägt. Der Roschbacher hinterlässt einen großen Fußabdruck für seinen Nachfolger, der in wenigen Tagen loslegt. Über einen Menschenfänger, dessen Stärke vor allem darin lag, Verwaltung nahbar zu machen.

Olaf Gouasé wird sich bald endgültig auf seine Insel zurückziehen. So bezeichnet der 62-Jährige sein Zuhause in Roschbach. Wenn in wenigen Tagen sein Ruhestand beginnt, möchte er das Leben mit der Familie in vollen Zügen genießen. Sie hat ihm stets den Rücken freigehalten und gestärkt. Gemeint sind insbesondere seine beiden Kinder Michael und Nadine und seine Ehefrau Andrea. „Dafür bin ich ihnen sehr dankbar“, sagt Gouasé.

Feste, Auszeichnungen, Jubiläen – in den vergangenen fast 30 Jahren war Olaf Gouasé auf unzähligen Veranstaltung ein gerngesehener Gast. Offiziell als Verbandsbürgermeister von Edenkoben, aber eigentlich eher als Freund. Für ihn war es nämlich kein Job, den er ausübte, vielmehr eine Berufung, ein Amt, das er mit Hingabe lebte. Dieses Pflichtbewusstsein rückte für ihn nur dann in den Hintergrund, wenn er über die Türschwelle seines Anwesens trat. Denn am Familientisch wurde ausnahmslos über das Privatleben gesprochen. Politische Themen kamen zwar dann und wann auch zur Aussprache. Aber wenn, dann ging es meist um welt- oder bundespolitische Ereignisse und Entscheidungen. So erzählt es sein Sohn Michael.

Glückwünsche, Grußworte, Sitzungen

Andrea Gouasé war es wichtig, dass Mann und Kinder mindestens einmal am Tag zusammenkommen. Im Gegensatz zu anderen Familien war dies in ihrem Hause fast nur beim Mittagessen möglich. Denn es war eher die Ausnahme, dass der Papa abends frei hatte. Olaf Gouasés Präsenz war stets gefordert, sei es bei Sitzungen politischer Gremien oder bei Veranstaltungen. Wenn es etwa darum ging, bei einer Diamantenen Hochzeit dem Paar Glückwünsche zu überbringen, bei Einweihungen Grußworte zu sprechen oder bei Wein- und Feuerwehrfesten Hände zu schütteln, Schulterklopfer zu verteilen, kurz: einfach dabei zu sein und mitzufeiern.

Ein Bild aus dem Familienalbum: die stolzen Eltern mit ihren beiden Kindern Nadine und Michael.
Ein Bild aus dem Familienalbum: die stolzen Eltern mit ihren beiden Kindern Nadine und Michael.

„Rückblickend muss ich sagen, dass mein Vater einen großen Spagat meistern musste, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen“, berichtet Michael Gouasé. Obwohl ihn der Beruf zeitlich stark in Anspruch nahm, auch am Wochenende, sei er als Vater aber stets da gewesen. Hat sich die Zeit zur Not auch freigeschaufelt, selbst für Elternabende in der Schule. Zumal die Zeit mit dem Papa dafür umso intensiver war, ergänzt Tochter Nadine. „Gerade im Urlaub war er für jeden Blödsinn zu haben, wenn er beispielsweise im Wohnzimmer Musik aufdrehte oder im Urlaub auf Bongos spielte.“

Redegewandt, spontan, authentisch

Doch je höher das politische Amt, umso voller der Terminkalender – und somit weniger Freizeit. Deshalb freuen sich die Gouasés darauf, ihren Lieben etwas zurückgeben zu können. Das seien sie vor allem auch ihren Freunden schuldig, von denen manche ihre Geburtstagsfeiern nach dem Terminkalender des Verbandsbürgermeisters richteten, um ihn dabei haben zu können. Auch wegen seiner humorvollen und unterhaltsamen Art: hier ein Witz, dort ein lockerer Spruch, gerne auch auf Pfälzisch. Um nur ein Beispiel zu nennen: Olaf Gouasé sagte mal im Zuge einer Debatte zum Thema Fördergelder: „Wenn es Brei regnet, müssen wir die Löffel hinhalten.“

Lange Jahre mit einem Schnurrbart zu sehen: Olaf Gouasé.
Lange Jahre mit einem Schnurrbart zu sehen: Olaf Gouasé.

Die Redegewandtheit ihres Mannes schätzt Andrea Gouasé. „Man könnte ihn überall hinstellen und etwas erzählen lassen, das wird immer funktionieren. Das Besondere dabei ist, dass er nicht etwas Beliebiges aufsagen würde, sondern mit persönlichen Worten bewegt.“ Eine Gabe, die der studierte Jurist auch in seiner Funktion als Standesbeamter zugutekam. Mehr als 200 Paare hat er bis heute getraut.

Seit 1986 verheiratet

Olaf Gouasé nimmt kein Blatt vor dem Mund. Er ist natürlich, authentisch, was auch seine Frau betont. „Er hat sich nie verstellt“, sagt Andrea Gouasé, die ihren Mann 1977 in dem bekannten Landauer Bistro Taurus kennenlernte. 1986 gaben sich die beiden das Ja-Wort. In all den Jahren sei immer Verlass auf ihren Mann gewesen, betont die Gattin. Eine Eigenschaft, die wohl auch seine Mitarbeiter bestätigen dürften.

Denn selbst wenn der Chef im Urlaub weilte, war er greifbar, früher per Fax, das ihm die Leitung der Campinganlage am Wohnwagen hinterlegte, später über das Diensthandy. Dafür muss man wissen, dass es die Gouasés oft mit dem Wohnwagen in den Südwesten von Frankreich verschlug. Nicht nur, weil die Familie dort Freunde gefunden hatte, mit denen es an derselben Stelle immer ein Wiedersehen gab. Sondern auch weil das Campen für ihn die erholsamste Art des Entspannens, das reinste Vergnügen sei, so Olaf Gouasé. Er genieße dann diese Privatsphäre, diese Unbeschwertheit, die lockere Art des Urlaubens.

Ortsgemeinden als Kinder

Wenn der dienstälteste Verwaltungschef aus dem Landkreis Südliche Weinstraße am 30. Juni das letzte Mal sein Büro verlässt, geht mit ihm auch ein Stück Geschichte. Gouasé hatte bereits in einer Epoche die Federführung, in der es noch kein schnelles Internet gab und in den Amtsstuben noch geraucht werden durfte. Der Südpfälzer hat mit seiner aktuell 180-köpfigen Belegschaft auch den digitalen Wandel mitbewältigen müssen. Und in diesem Zuge die Verwaltung bürgerfreundlicher gestaltet.

Das Berufsleben des 66-Jährigen war auch im Verwaltungsgebäude von familienähnlichen Strukturen geprägt. Manche Mitarbeiter hat er als Auszubildende kennengelernt, gefördert und nun teilweise als Abteilungsleiter im Haus. Die Ortsgemeinden in der VG bezeichnet er gerne als seine Kinder, die er alle gleich behandeln wollte, ohne sich in deren Angelegenheit einzumischen. Diese Zurückhaltung war ein ungeschriebenes Gesetz in seiner Amtszeit, das bereits sein Amtsvorgänger gepflegt habe.

Staffelübergabe: Olaf Gouasé gratuliert seinem Nachfolger Daniel Salm zum Wahlsieg im Januar dieses Jahres.
Staffelübergabe: Olaf Gouasé gratuliert seinem Nachfolger Daniel Salm zum Wahlsieg im Januar dieses Jahres.

Wohlgemerkt, hatte Gouasé zwischenzeitlich mehr „Kinder“. Das war 2014, als die VG Edenkoben mit der Verbandsgemeinde Maikammer zwangsfusioniert wurde. Eine Ehe, die von niemandem gewünscht war und wenige Monate später auch wieder aufgelöst wurde. Diese Zeit sei die anstrengendste und schwierigste politische Phase seines Wirkens als VG-Chef gewesen. Angesprochen auf die schönsten Erlebnisse, antwortet Gouasé: „Es gibt viele tolle Momente, die sich aneinanderreihen wie eine Perlenkette.“ Er wolle kein Ereignis besonders hervorheben.

Drei Umzüge erlebt

Geboren und aufgewachsen in Roschbach, lebte Olaf Gouasé zwischenzeitlich in Speyer, wohin es seine Eltern berufsbedingt verschlug. Zu einem Zeitpunkt, als der Sohn im Wehrdienst war. Später zog er mit Frau und Kindern nach Bornheim, bevor er 1996 nach Roschbach zurückkehrte, weil er als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Edenkoben auch dort seinen Wohnsitz haben wollte.

Jahrzehntelang bestimmte die Politik das Leben von Olaf Gouasé. Eine Zeit, in der er zahlreiche Ämter bekleidete, unter anderem auch in Ludwigshafen, wo er bei der Stadt- und Kreisverwaltung tätig war. Nun gibt es andere Dinge, denen sich der 62-Jährige stärker zuwenden möchten. Ferne Ziele stehen auf dem Zettel, beispielsweise Südamerika. Olaf Gouasé interessiert sich zudem für Geschichte, dürfte häufiger einen historischen Roman in die Hand nehmen.

Die Jagd als Ausgleich zum Job

Nicht zu vergessen sein leidenschaftliches Hobby: das Jagen. Olaf Gouasé ist oft im Wald unterwegs. Kürzlich hat er mit Kollegen in seinem Feldrevier in Altdorf vor einer großen Mahd von drei großen Wiesen diese mit einer Drohne mit Wärmebildkamera beflogen, um eventuell dort liegende Rehkitze ausfindig zu machen und herauszutragen.

Gerade in der Natur fühle sich ihr Vater wohl, weiß Tochter Nadine. Weil er dort auch für sich alleine sein, die Ruhe genießen könne. Die Jagd sei immer ein Ausgleich zum Bürojob gewesen. Ja, so kommunikativ ihr Vater sei, könne er aber auch ein stiller Genießer sein, der sich beispielsweise am Familientisch gerne mal zurücklehne und Frau und Kinder erzählen lasse.

Handwerkliche Projekte vor Augen

Das Kochen nennt Olaf Gouasé als weiteres Hobby, das er stärker pflegen möchte. Und in einem Haus mit Garten falle genug Arbeit an, damit einem nie langweilig wird. Es sei der richtige Augenblick für den Abschied gekommen, sagt Olaf Gouasé. „Es macht mich traurig, dass ich das Leben in der Verbandsgemeinde nicht mehr mitgestalten kann, aber ich freue mich ebenso, nicht mehr sieben Tage die Woche solch eine große Verantwortung tragen zu müssen.“

Gouasés Rat wird allerdings auch in der Rente stets gefragt sein. Vor allem in der Familie, wie die beiden Kinder betonen. Der Papa sei ihr Vorbild, unter anderem auch deshalb, weil er ihnen vorlebte, dass sie alles, was sie sich erträumen, auch verwirklichen können.

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