Kreis Südliche Weinstraße Stachliges Früchtchen
Rechtzeitig zur Kastaniensaison präsentiert das Museum unterm Trifels in Annweiler vom morgigen Sonntag bis 1. November die Sonderausstellung „Pälzer Keschde“.
Bald werfen die Kastanienbäume in der Umgebung wieder ihre stachligen Früchte ab und locken zahlreiche Menschen in die Wälder. Für viele Pfälzer sind die zubereiteten Edelkastanien zusammen mit neuem Wein der höchste Genuss in dieser Jahreszeit. Deswegen hat das Museum der Keschde eine Ausstellung gewidmet. Die Urheimat der Kastanie war vermutlich die Region zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer. Von dort wanderte die „keusche Neah“ („Castanea“) nach Südosteuropa. Spätestens die Römer machten sie schließlich in der Pfalz heimisch. Bis die Kartoffel in Europa eingeführt wurde, waren die Esskastanien vor allem in den armen Bergregionen Südeuropas ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Ende des 20. Jahrhunderts wurden die schmackhaften Früchte in der Kulinarik wiederentdeckt. Zur „Keschdezeit“ bieten viele Restaurants Suppen, Nudeln, Knödel, Salate, Bier, Likör und andere Leckereien mit Kastanien an. Die Früchte enthalten nur wenig Fette, sind dafür aber sehr nährstoffreich. Schon Hildegard von Bingen erkannte den gesundheitlichen Wert der „stachligen Frucht“ und empfahl deren Einnahme – ob frisch, getrocknet, gebraten oder gekocht – zum Kurieren verschiedener Krankheiten. Auch im Weinbau spielte Kastanienholz eine große Rolle. Das witterungsbeständige Holz wurde besonders für Rebpfähle, im Kammertbau und für Weinfässer verwendet. Vorgestellt werden auch alle bisherigen 14 Kastanienprinzessinnen des Trifelslandes. Zudem hat das Schuhmuseum Hauenstein den berühmten Kastanienschuh bis Mitte September zur Verfügung gestellt. Info Ausstellung „Pälzer Keschde“ vom morgigen Sonntag bis 1. November im Museum unterm Trifels Annweiler, Am Schikpapass 4, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr, Telefon 06346 1682, E-Mail koelsch.museum.annweiler@t-online.de.