Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Rhodt: Wohnkomplex am Eichplatz?

Nachbarn sind beunruhigt: Am Eichplatz in Rhodt sollen 22 bis 24 Wohnungen entstehen. Foto: van
Nachbarn sind beunruhigt: Am Eichplatz in Rhodt sollen 22 bis 24 Wohnungen entstehen.

Wann immer in dem Tourismus-Vorzeigedorf Rhodt eine Veränderung ansteht, gehen bei Anwohnern die Alarmsirenen an. Dies ist auch jetzt der Fall, da ein Investor im Herzen der Traminergemeinde einen großen Wohnkomplex plant.

Ein kleiner Platz im Zentrum von Rhodt: Links der Durlacher Hof, rechts das Eichhaus, davor ist immer noch die längst ausrangierte Fahrzeugwaage im Boden zu erkennen. An der Ostseite das Gebäude Harteneck. An der Wand grüßt immer noch die offizielle Bezeichnung „Weincafé Künstlerhof“. Auch diese Zeiten sind vorbei. Das Haus soll abgerissen werden. Doch selbst wenn man sich die dann entstehende Freifläche dazu denkt, kommen einem Zweifel: Hier soll Platz für ein Bauprojekt mit 22 bis 24 Wohnungen sein?

Dies bestätigt auf Anfrage Ortsbürgermeister Torsten Engel (CDU). Die Wohnungen sollen altersgerecht gestaltet werden. Der Investor, die Ostermayer Wohnbau GmbH in Altrip, sichere eine harmonische Einpassung in das historische Ortsbild zu. So seien beispielsweise Gauben und Torbögen als ortsbildprägende Elemente vorgesehen. Die Gebäudehöhe soll der Umgebung angepasst werden. Unter dem Gebäude ist eine Tiefgarage geplant, womit auch auf die angespannte Parkplatzsituation in Rhodt Rücksicht genommen werde. Außerdem werde der nicht gerade attraktive Eichplatz enorm aufgewertet.

Alles in einem frühen Stadium

Zur Vorgeschichte sagt der Rhodter Dorfchef: Bereits im Jahr 2015 habe die Ortsgemeinde einen Planaufstellungsbeschluss und eine zugehörige Veränderungssperre gefasst, um den sensiblen Bereich im Dorfzentrum zu gestalten und zu schützen. „Aktuell sind wir dabei, einen Bebauungsplan für das Dorfzentrum zu erarbeiten. Ein zentraler Teil dieses Bereichs ist das Areal Harteneck. Dieses hat der Bauträger vom Vorbesitzer erworben und ein Konzept für eine Wohnbebauung entwickelt“, so der Dorfchef.

Die Entwicklung sei von einem fraktionsübergreifenden Arbeitskreis begleitet worden. Nachdem mit den größten Grundstücksbesitzern individuelle Gespräche geführt worden seien, wurden die aktuellen Bebauungsplan-Unterlagen und das Konzept des Investors mit den Besitzern der Grundstücke innerhalb des Bebauungsplans als auch direkt angrenzender Grundstücke diskutiert. Dass manche Nachbarn alles andere erbaut sind, zeigt die von Ute Seubel und Stefan Lang an die RHEINPFALZ gemailte Reaktion: Nach dem Abriss von Häusern solle ein vorstädtisch anmutender Wohnblock entstehen, der – gleich welcher Dimension – optisch nicht zu dem alten Weindorf Rhodt passe. Und dabei mache die Gemeinde den Bewohnern mit einer Gestaltungssatzung zahlreiche Auflagen, „beispielsweise zu Blumenkübeln auf der Straßenseite, keine Balkone zur Straße hin, Verbot von Solaranlagen im Ortskern“, heißt es weiter. Vor diesem Hintergrund müsse in diesem sensiblen Bereich die Größe und Anmutung von Neubauten besonders kritisch überdacht werden, schreiben die Kritiker. Und: „Welche andere Gemeinde habe noch ein altes Eichhaus mit Waage oder ein Milchhäuschen inmitten des Ortskerns, der ja Jahr für Jahr zahlreiche Touristen nach Rhodt lockt.“ Kritisch steht dem Bebauungsplan auch Peter Kallusek von den SÜW-Grünen gegenüber. Für ihn besteht die Gefahr, dass gegen die Interessen von Anliegern ein Neubaukomplex in bester Lage direkt an denkmalgeschätzten Häusern entstehe.

Der Ortsbürgermeister hingegen gibt zu bedenken, dass Rhodt über sehr wenig Wohnraum in Form von Miet- oder Eigentumswohnungen verfüge. Für jüngere Menschen biete sich am Eichplatz nach dem Auszug daheim die Möglichkeit, auf eigenen Füßen zu stehen. Und mit einem altersgerechten Ausbau werde auch dem Wunsch vieler älterer Leute Rechnung getragen. „Alles im Herzen der Gemeinde, in der Nähe von Bushaltestelle, Bäckerei, Bank und Gastronomie.“

Als nächster Schritt ist am kommenden Donnerstag (19.30 Uhr, Durlacher Hof) eine öffentliche Informationsveranstaltung terminiert. Der am 26. Mai gewählte neue Rat wird dann über Anregungen und Rückmeldungen diskutieren und den nächsten Schritt im Bebauungsplanverfahren beschließen.

Mehr zum Thema
x