Niederhorbach RHEINPFALZ Plus Artikel Radweg an der B38: Gebhart und Seefeldt treten in die Pedale

Mit dem Rad unterwegs (von links): RHEINPFALZ-Redakteur Christoph Demko, Lothar Schuler von der Bauabteilung der Kreisverwaltung
Mit dem Rad unterwegs (von links): RHEINPFALZ-Redakteur Christoph Demko, Lothar Schuler von der Bauabteilung der Kreisverwaltung, Bundestagsabgeordneter Thomas Gebhart und Landrat Dietmar Seefeldt.

Bislang war die Forderung der Kreisverwaltung SÜW nach einem Radweg entlang der B38 zwischen Niederhorbach und Ingenheim nicht erfolgreich. Es gebe bereits eine Trasse zwischen den beiden Orten, argumentiert das Bundesverkehrsministerium. Landrat Dietmar Seefeldt und Bundestagsabgeordneter Thomas Gebhart haben sich die Strecke bei einer Radtour genauer angeschaut.

Die Menschen sollen der Umwelt zuliebe öfter ihr Auto stehen lassen und andere Verkehrsmittel nutzen – Stichwort Verkehrswende. Explizit angesprochen sind dabei Berufspendler, sie sollen für den Weg zur Arbeit und wieder zurück auf Bus und Bahn umsteigen, oder eben aufs Fahrrad. Die Bereitschaft dazu ist bei vielen da. Voraussetzung dafür, dass für die Pendelei tatsächlich in die Pedale statt aufs Gaspedal getreten wird, sind gut ausgebaute Radwege. An dieser Stelle hapert es allerdings vielerorts.

Ein Beispiel ist die Strecke zwischen Niederhorbach und Ingenheim. Mit dem Auto ist die Verbindung einwandfrei, die B38 führt ohne Umwege komfortabel von dem einen in das andere Dorf. Für Radler jedoch ist der Weg deutlich beschwerlicher – meinen zumindest die Kreisverwaltung Südliche Weinstraße und der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart aus Jockgrim. Sie fordern schon länger eine Trasse entlang der B38 als Lückenschluss der Strecke von Landau bis Weißenburg. Anfang dieses Jahres bekräftigte Gebhart die Forderung mit einem Schreiben an das Bundesverkehrsministerium, denn für die Finanzierung des Radweges entlang der Bundesstraße wäre der Bund zuständig. Die Antwort darauf fiel jedoch ernüchternd aus: Weil zwischen Niederhorbach und Ingenheim bereits eine Radverbindung bestehe, sehe man keinerlei Veranlassung, einen solchen Lückenschluss vorzunehmen.

Für Touristen gut, für Pendler ungeeignet

Das stimmt insofern, als im Großräumigen Radwegenetz Rheinland-Pfalz, dem Planungs- und Ausbaukonzept für den Alltags- und Freizeitradverkehr, eine Route zwischen den beiden Gemeinden vorhanden ist. Doch wie sieht die Strecke aus? Ist sie überhaupt für den Alltagsverkehr, also unter anderem für Berufspendler, nutzbar? Genau das haben sich SÜW-Landrat Dietmar Seefeldt und Gebhart bei einer kleinen Radtour angeschaut.

Gestartet wurde am Ortsausgang Niederhorbachs, an der Kreuzung nach Kapellen-Drusweiler. Dort musste die kleine Radlergruppe, zu der sich auch Lothar Schuler von der Bauabteilung der Kreisverwaltung gesellte, direkt die erste Herausforderung meistern: die Überquerung der B38. Auf der anderen Straßenseite angekommen, führte der Weg über einen kleinen Anstieg auf einen Wirtschaftsweg, rechts und links gesäumt von Äckern. „Das ist schon eine schöne Strecke hier“, sagte Seefeldt. Gebhart nickte zustimmend. „Für Touristen ist das gut, aber für den Alltagsradverkehr nicht“, fügte er an. Denn: Der Weg ist zwar befestigt, doch es holpert gewaltig.

Eine Matschgrube mitten auf dem Weg

Als ob er den Beweis dafür liefern wolle, dass die Trasse in keinem sonderlich guten Zustand ist, sorgte Schuler für die erste unfreiwillige Rast. Sein Brillenetui war vor lauter Geholpere aus der Radtasche gefallen. Dieses Schauspiel sollte sich noch zwei Mal wiederholen, am Ende war die Brillenhülle aus Plastik kaputt. Er quittierte das mit einem Lächeln und der Feststellung: „Das war jetzt nur ein Brillenetui, das geht ja noch.“ Zwischen den Zeilen kam damit zum Ausdruck, dass dieser Streckenabschnitt bei höheren Geschwindigkeiten für Radler nicht ungefährlich ist.

Fast schon abenteuerlich wurde die Tour wenig später. Der Weg führte nach links auf eine Schotterpiste. Nach ein paar Metern ging es über den Horbach – und direkt nach der kleinen Brücke galt es, eine Matschgrube zu überwinden. „Heute geht das noch“, sagte Schuler. Als er das letzte Mal hier gewesen sei, sei er mit dem Auto beinahe nicht durchgekommen vor lauter Matsch. Spätestens an dieser Stelle ist allen klar: Für Radpendler ist diese Route nicht brauchbar.

Fazit: Gebhart und Seefeldt bleiben an der Sache dran

Als letztes Hindernis vor dem Ziel an der Klingbachschule in Ingenheim stand schließlich ein langgezogener Anstieg durch die Wingerte auf dem Programm. Trotz niedrigem Gang musste ordentlich gestrampelt werden. Gebhart entschied sich auf halber Strecke dazu, abzusteigen und bis zur Kuppe zu schieben. Mit der Unterstützung eines Elektromotors, den an diesem Tag niemand mit an Bord hatte, wäre es sicherlich leichter gefallen, den Gipfel zu erreichen. Dennoch ist auch dieser Streckenabschnitt nicht optimal für die tägliche Nutzung. „Entlang der Bundesstraße wäre die Steigung nicht so steil“, nannte Gebhart ein weiteres Argument für die Lückenschluss-Forderung.

Das Fazit am Ende der kleinen Radtour fiel eindeutig aus. „Wir werden weiter mit Nachdruck an der Sache dranbleiben“, kündigte Gebhart an. Man werde sich erneut an Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) wenden und Fotos von der heutigen Besichtigungsfahrt mitschicken. „Am besten wir laden Herrn Wissing ein, die Strecke mit uns abzufahren“, ergänzte Seefeldt. Schuler begrüßt das Engagement für den Lückenschluss, wie er betonte. Es sei schon frustrierend, wenn es auf der einen Seite heißt, dass die Radwege ausgebaut werden sollen, auf der anderen Seite aber notwendige Maßnahmen abgelehnt werden. Er befürchte, dass die Antwort auf ein erneutes Schreiben nicht anders ausfällt als bisher.

Unabhängig davon, ob der Lückenschluss irgendwann kommt oder nicht: Kurzfristig wird sich nichts ändern. Das heißt auch, dass mangels guter Alternativen immer wieder Radfahrer auf der B38 unterwegs sind. „Und das kann nicht die Lösung sein“, sagte Schuler zum Abschluss.

Kurz nach der kleinen Brücke über den Horbach zwischen Niederhorbach und Ingenheim wird’s matschig.
Kurz nach der kleinen Brücke über den Horbach zwischen Niederhorbach und Ingenheim wird’s matschig.
fahrrad-header-729px.64142dece4b6b

Kennen Sie schon unseren Fahrrad-Newsletter?

Was sind die gefährlichsten Stellen für Radler und E-Bikes? Und welche Pläne gibt es für Pendler-Routen? Im Newsletter schreiben Vanessa Betz, Rebecca Singer und Victoria Werz darüber, wie es ist, mit dem Fahrrad in der Region unterwegs zu sein: zur Arbeit, in der Freizeit oder als tägliches Fortbewegungsmittel. Jeden zweiten Freitag erscheint der E-Mail-Newsletter mit den spannendsten Fahrrad-Themen aus der Pfalz.

An dieser Stelle finden Sie Umfragen von Opinary.

Um Inhalte von Drittdiensten darzustellen und Ihnen die Interaktion mit diesen zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Zustimmung.

Mit Betätigung des Buttons "Fremdinhalte aktivieren" geben Sie Ihre Einwilligung, dass Ihnen Inhalte von Drittanbietern (Soziale Netwerke, Videos und andere Einbindungen) angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an die entsprechenden Anbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät notwendig. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

x