Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Ominöse Schläuche auf Radwegen: Das steckt dahinter

Diese Schläuche liegen derzeit kreisweit an verschiedenen Radwegen.
Diese Schläuche liegen derzeit kreisweit an verschiedenen Radwegen.

Ein Pfälzer wird stutzig, als er beim Gymnasium Edenkoben Schläuche auf dem Radweg entdeckt. Wir klären auf, welchen Zweck sie haben – und wieso man sie befahren sollte.

Jürgen Thielen pendelt, wie er sagt, häufiger mit dem Rad von seinem Zuhause in Landau zur Arbeit nach Neustadt. Kürzlich machte er nahe dem Gymnasium Edenkoben eine Entdeckung: zwei schwarze Schläuche, die über den Radweg führen. Was haben sie für eine Funktion?, fragt er sich.

Der Landauer wendet sich an die RHEINPFALZ, die bei ihrer Recherche letztlich bei der Kreisverwaltung SÜW Antworten bekommt. Und zwar bei Uta Holz, der Geschäftsführerin des Vereins SÜW, der im Bereich Tourismus tätig ist und dabei zusammen mit den lokalen Akteuren verstärkt auf Nachhaltigkeit setzt. Und genau damit hat das Ganze zu tun.

Landkreis möchte Radtourismus fördern

Wie Holz berichtet, sind aktuell an 18 Standorten im Landkreis diese Schläuche ausgelegt, dabei wurden sowohl alltagstaugliche Radrouten als auch solche mit touristischer Bedeutung ausgewählt. Bis Mitte September soll mithilfe der Schläuche die Anzahl der Radfahrer erfasst werden, die dort unterwegs sind. Die Ergebnisse kann der Landkreis gut gebrauchen, da er sich zum Ziel gesetzt hat, den Radverkehr in der Region zu fördern. Die Bürger wurden bereits an diesem Prozess beteiligt, indem man ihnen die Möglichkeit gab, Schwachstellen zu benennen und neue Verbindungen zu wünschen. Anschließend werden die Schläuche auf Radwegen in Landau ausgelegt, informiert Uta Holz.

Ziel: Menschen vom ÖPNV-Angebot überzeugen

Die Verkehrszählung auf den Radwegen braucht der Verein SÜW auch für andere Zwecke. Getüftelt wird nämlich an einer Mobilitätsstrategie für den Landkreis SÜW und die Stadt Landau. Mit dem Ziel, klimafreundliche Mobilitätsangebote sichtbar zu machen und Gästen wie Einheimischen die Möglichkeiten des öffentlichen Nahverkehrs aufzuzeigen. Das geschieht beispielsweise auch über eine neue Broschüre. Sie liefert Infos dazu, mit welchen Linien man bestimmte Wanderwege und Ausflugsziele in der Region erreicht.

Am Anfang dieser Mobilitätsstrategie braucht es aber eine Bestandsaufnahme. Es geht um die Frage, wie, also mit welchen Verkehrsmitteln, sich Menschen in der Region bewegen und ob ihnen der Umstieg vom eigenen Pkw auf das Rad oder den ÖPNV schmackhaft gemacht werden kann. Dazu zählen beispielsweise Angebote wie der On-Demand-Verkehr, konkret die VRN-Flexline, die Fahrgästen ermöglicht, flexibel einen Bus bestellen und neue Ziele auswählen zu können. In Landau ist das Modell schon eine Erfolgsgeschichte, im Landkreis SÜW ist es in der Verbandsgemeinde Edenkoben und neuerdings auch in Bornheim einführt worde. Das Angebot soll noch sukzessive ausgebaut werden.

Auch Wanderer werden gezählt

Um auf die Schläuche zurückzukommen: Der Fokus der Zählungen liegt nicht nur auf den Radfahrern, sondern auch auf Wanderern. Es wurde und wird noch gezählt, wer auf welchen Pfaden in der Region wann und in welche Richtung unterwegs ist. Das geschieht mithilfe von Pyrosensoren, die am Pfälzer Weinsteig in Annweiler bereits hingen und aktuell an den Queichwiesen in Ottersheim zu sehen sind. Diese liefern Daten über die Besucherfrequenz. Anders als Kameras speichern sie weder Bilder noch personenbezogene Daten.

Die Verantwortlichen erhoffen sich neue Erkenntnisse, zum Beispiel, ob eine Wanderbuslinie eingerichtet werden sollte, die Menschen zum Wanderparkplatz des Waldhauses Drei Buchen befördert. Dort herrscht laut Uta Holz reichlich Verkehr, weil viele mit ihrem Wagen den 200 Meter entfernt liegenden Parkplatz ansteuern. Die Queichwiesen wurden deshalb als Zählstation ausgewählt, weil man dort an einem Tourismuskonzept arbeitet und dafür Daten gebrauchen kann.

Auch Freizeitanlagen wirken mit

Die Technik – die Sensoren an den Wanderwegen und die Schläuche auf den Radwegen – hat sich der Verein SÜW vom Verband Metropolregion Rhein-Neckar ausgeliehen. Dieser treibt ein vom Bund gefördertes Modellprojekt namens Smart Region voran, bei dem die Südpfalz mitwirkt.

Die Truppe um Uta Holz hat die Aufgabe, die lokalen Akteure zusammenzuführen. Gebildet wurde ein Arbeitskreis, zu dem neben Ansprechpartnern der Kreisverwaltung auch Vertreter von Freizeiteinrichtungen wie der Sesselbahn in Rhodt und der Südpfalztherme in Bad Bergzabern gehören. Diese liefern aktuell auch Daten, indem sie Gäste befragen, von wo und wie sie angereist kommen: ob zu Fuß, mit dem Auto oder einem anderen Fortbewegungsmittel.

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