Kreis Südliche Weinstraße Mit der Transsib auf Völkerverständigungskurs

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Jule Geenen aus Gossersweiler-Stein geht im August auf große Reise. Mit 400 Pfadfindern aus Deutschland, Ost- und Westeuropa, aber auch Afrika, Asien und Amerika fährt sie knapp drei Wochen von Berlin aus nach Moskau und von dort mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Irkutsk am Baikalsee. Ein groß angelegtes Völkerverständigungsprojekt 25 Jahre nach Ende des Eisernen Vorhangs, das in Zeiten der Krim-Krise neue Aktualität erhält.

Die 20-Jährige ist seit vier Jahren bei den Pfadfindern, zählte zu den Gründungsmitgliedern der Ortsgruppe Stamm Luchs aus Gossersweiler-Stein. Dass sie hier mit Kindern arbeiten könne, mache ihr besonders Spaß, berichtet Jule Geenen, die in Landau Grundschullehramt studiert und bei den Pfadfindern eine Gruppenstunde mit den Jüngeren betreut. Die Truppe trifft sich zum Spielen, Basteln, Natur und Tiere erleben. Rumgekommen ist Jule Geenen schon viel mit den Pfadfindern, war unter anderem in Schweden oder Kenia, um ein soziales Projekt zu unterstützen. Diesmal geht es in die russische Taiga – ein Traumziel für Jule Geenen, die nach dem Abi schon mehrere Monate alleine in Polen als Au-pair, Museumsmitarbeiterin, Couchsurferin und Nachhilfelehrerin lebte und ein Faible für die slawische Sprache und Kultur hat. Über ihrem Sofa in der Studenten-WG in Landau hängen kyrillische Buchstaben und Vokabeln. In den nächsten Wochen ist Sprache Pauken angesagt. Die Standardfloskeln wie „Hallo“, „Ich heiße“ und „Ich spreche kein Russisch“ funktionieren schon ganz gut, der Rest wird sich noch finden. Russisch sei schon noch einmal eine Nummer schwieriger als Polnisch, hat Jule Geenen gemerkt. Doch bevor sie ihre Russisch-Kenntnisse unter Beweis stellen kann, geht es erst einmal Mitte Juni nach Vilnius/Litauen zur Vorbesprechung des „Scouting Train“, um das Programm ihres „Waggons“ auszuarbeiten. Die Teilnehmer der Bildungsreise werden in zehn verschiedene Teilprojekte – „Waggons“ – aufgeteilt, die sich unter anderem mit internationaler Musik, Kulturaustausch, Glück, gemeinsamem Reisen oder Nachhaltigkeit beschäftigen und dazu beitragen sollen, dass sich die jungen Pfadfinder miteinander austauschen und auch langfristig vernetzen. Jule Geenen ist – ganz die Pädagogin – bei der Gruppe „Yourope“ (eine Wortzusammensetzung aus Youth in Europe), die sich in mehreren Projekten mit dem Thema Jugend auseinandersetzt und ihre Ergebnisse auf den zwei- bis dreitägigen Zwischenstopps der Reise in Warschau, Minsk, Moskau, Jekaterinburg, Omsk, Nowosibirsk und Irkutsk vorstellen wird. Geleitet werden die „Waggons“ von 60 „Schaffnern“, die bereits bei einer „Internationalen Schaffnerakademie“ in der Nähe von Frankfurt ihre Projekte konzipiert haben. Denn die Vorbereitungen laufen schon seit Monaten. Leitungsteams waren in vielen Ländern Osteuropas unterwegs, um Botschaften, Unternehmen, Pfadfinderverbände, Projektleiter und Sponsoren von dem „Scouting Train“ zu überzeugen. Im Moment gilt es, für das Großprojekt unter Regie des Bunds der Pfadfinderinnen und Pfadfinder Deutschland noch Spenden zu sammeln, um auch möglichst vielen Pfadfindern aus Osteuropa und anderen Ländern, die sich die Reise selbst nicht leisten könnten, die Teilnahme zu ermöglichen. Jule Geenen zahlt 500 Euro, um auf den Zug aufspringen zu können. Nicht von den Eltern bekommen, sondern selbst angespart. Aufgeregt sei sie nicht, aber die Vorfreude sei riesig, wie sie mit einem Strahlen versichert. „Ich wollte schon immer mal mit der Transsib fahren und als ich davon hörte, war mir sofort klar: Da muss ich mit.“ Russland kennenlernen, Russisch lernen, mit den Menschen, deren offene und gastfreundliche Art sie schätzt, in Kontakt treten, darauf freut sie sich besonders. Und deswegen ist nach dem knapp dreiwöchigen Trip auch noch nicht Schluss. „Ich hänge noch eine Reise in die Mongolei mit anderen Pfadfindern dran.“ (höj)

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