Kreis Südliche Weinstraße Mit dem Recht nah am Menschen
OFFENBACH. Gottesfürchtig – und dem Rechtsstaat treu ergeben. Jetzt im Rentenalter ganz besonders. Seit Jahren ist er Schiedsmann der Verbandsgemeinde Offenbach. Bis 2006 war Guido Schweizer der Leiter der Polizeiinspektion in Bad Bergzabern, war damit Chef von rund 50 Leuten. Bis heute sprechen die ehemaligen Kollegen davon, wie er mit großer Umsicht und außergewöhnlichem Bedacht Probleme angegangen ist – und zumeist zu aller Zufriedenheit gelöst hat.
Auch nach seiner Pensionierung ist der mit großer Bescheidenheit auftretende Mann dem Staat treugeblieben. Mittlerweile seit 50 Jahren. Der Präsident des Landgerichts Landau, Richter Roland König, hat ihm nun die Dankesurkunde der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer überreicht – handsigniert. Pflichtbewusst ist er nicht nur im Dienst, sondern auch im Privaten. Jeden Tag besucht der Offenbacher („Hier fühle ich mich auch sehr wohl.“) seine Mutter in seiner alten Heimat Birkenhördt. Die 101 Jahre alte Dame ist noch rüstig, lebt im eigenen Haus und arbeitet noch immer im Garten – so gut es geht. Zudem kommt Schweizer einmal die Woche in seine Heimatgemeinde, um im katholischen Kirchenchor an der Singstunde teilzunehmen. 1968 zog es ihn ins benachbarte Blankenborn, wo er während der Gebietsreform Ortsvorsteher war, auch saß er für die CDU eine Periode im Bad Bad Bergzaberner Stadtrat. Seit seiner Pensionierung 2006 ist er mit seiner Frau nach Offenbach gezogen, wo er sich im Vorstand der Lebenshilfe engagierte. Sein Job als Polizist (damals hieß der Wachmann auf dem Land noch ganz offiziell Gendarm) sei ihm im Schiedsamt „sehr entgegen“ gekommen – wohl auch sein Charakter, der mit einer außergewöhnlich ausgleichenden Komponente versehen ist: „Man muss als Schiedsmann sehr einfühlsam sein, aber gleichzeitig die Leute offen und ehrlich informieren“, sagt Schweizer. „Ein Schiedsmann regelt nicht, sondern er ist Mediator.“ In fast jeder Sitzung appelliere er an die streitenden Parteien, „die Kuh vom Eis zu kriegen“. „Ein Schiedsmann, der keinen gesunden Menschenverstand hat, ist kein guter Schiedsmann.“ Doch das klappt nicht immer, etwa die Hälfte der Fälle, mit denen er sich als vorgerichtliche Instanz befasst, landen vor dem Kadi. Meist geht es um zivilrechtliche Angelegenheiten wie Nachbarschaftsstreitigkeiten – da hat der Nebenan den Baum zu nahe an die Grundstücksgrenze gepflanzt, auch gehe es um Miet- oder Eherecht. (rww)